Die 44-jährige Engländerin Emma Graves aus Leeds spielte Grand Theft Auto, saß entspannt in ihrem Wohnzimmer in Leeds und versuchte, in der virtuellen Welt den Gesetzeshütern zu entkommen. Dann hörte sie draußen vor ihrem Haus laute Motorengeräusche und quietschende Reifen. Es folgte ein Knall, der ihre Wohnung erschütterte. Die Verfolgungsjagd war echt.
Das Auto krachte weniger als einen Meter entfernt gegen die Außenwand des Hauses. Graves wurde nicht verletzt, der Schock traf sie dafür mit voller Wucht. »Es war so ironisch, das kann man sich nicht ausdenken«, sagte Graves in einem Interview zwei Monate nach dem Vorfall. Als wäre das GTA-Spiel zur Realität geworden.
Eine Verfolgungsjagd, die ins Haus kracht
Das Unglück ereignete sich bereits am 2. Juli 2025, kurz vor 23 Uhr. Emma Graves, die sich als Vollzeit-Betreuerin um ihre Mutter kümmert, war alleine in ihrer Wohnung im Erdgeschoss und spielte dem Bericht zufolge GTA auf ihrer PlayStation. Das Auto, das von der Polizei verfolgt wurde, touchierte zuvor noch drei weitere Fahrzeuge, durchbrach anschließend den Zaun und krachte schließlich in ihre Wand. Das Haus bebte so stark, dass sie es physisch spürte.
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»Die Wohnungen haben gewackelt. Es war absolut furchtbar. Wenn es nur ein bisschen schlimmer gewesen wäre, würde ich hier nicht mehr sitzen«, schilderte Graves ihre Eindrücke. Von draußen hörte sie die Polizeibeamten schreien, jemand solle die Hände hochnehmen und die Waffe niederlegen. Die West Yorkshire Polizei teilte später mit, dass es sich um eine großangelegte Untersuchung im Zusammenhang mit Schusswaffen handelte und im Zuge des Vorfalls acht Festnahmen gemacht wurden.
An der Adresse in der Thornhill Road, Armley, in Leeds lebt Graves erst seit 2024. Dennoch hat sie bereits in der Vergangenheit Bedenken geäußert, da sie die Fahrweise einiger Menschen dort als zu rücksichtslos empfand.
»Diese Straße ist schon lange gefährlich. Sie wird ständig als Abkürzung genutzt – von Pendlern, dem Schulverkehr, Lieferwagen und Rasern, obwohl sie ein Wohngebiet mit Kindern, älteren und behinderten Bewohnern ist«, sagte Graves. Es gebe nur zwei 20-Meilen-pro-Stunde-Schilder zur Verkehrsberuhigung und ein paar Poller weiter unten auf der Straße. Eine von Graves selbst in Auftrag gegebene Studie untersuchte das Fahrverhalten von 830 Fahrzeugen und nannte die Straße eine »Todesfalle«.
Ein Weckruf für die Anwohner
Für die 44-Jährige war der Unfall der endgültige Anstoß, sich gegen die Zustände zu wehren. Sie erstellte eine Petition, um sich mit ihren Nachbarn für mehr Verkehrssicherungsmaßnahmen wie Bremsschwellen oder Fahrbahnverengungen einzusetzen. Sie will, dass die Stadtverwaltung die Gefahren in ihrer Straße ernst nimmt.
Graves' Befürchtung ist, dass es erst ein schlimmes Unglück geben muss, damit sich etwas ändert. »Die größte Sorge ist, dass erst etwas Tödliches passieren muss, damit sich das ändert«, bekräftigte sie. Emma Graves hat aus Angst immer noch Panikattacken, wenn sie draußen einen Wagen schnell beschleunigen hört.
Bisher hat die Petition über 120 Unterschriften gesammelt. Die Stadtverwaltung von Leeds hat auf den Vorfall reagiert. Ein Sprecher sagte, man werde die Situation gründlich prüfen, bevor man Schlussfolgerungen und Empfehlungen aussprechen werde. Außerdem habe man ein Treffen mit Graves vereinbart, um die Sache zu besprechen.

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