»Die Demo von Hellraiser: Revival hat ziemlich deftige Inhalte. Body-Horror, Gore, sexuelle Themen, Gewalt. Falls du dich unwohl fühlst, sag bitte sofort Bescheid. Und falls du deinen Termin absagen willst, dann ist das natürlich kein Problem!« So ähnlich lautete die Mail, die wenige Wochen vor der gamescom in mein Postfach flatterte. Und mir gingen natürlich gleich zwei Gedanken durch den Kopf:
- Nawww, wie lieb von den Entwicklern und der PR, dass sie sich nochmal vergewissern, ob es allen gut geht damit.
- Jetzt will ich aber auch richtig was sehen!
Selbstbewusst stapfe ich zum Anspieltermin, wo ich erneut mit einer Warnung vor den brutalen Inhalten und sogar Kotztütchen – kein Scherz! – begrüßt werde.
Was macht das Spiel zu Clive Barker's Hellraiser so brutal – und hat der Survivalhorror auch abseits von Gedärmen was auf dem Kasten? Ich habe knapp eine Stunde in der Hölle verbracht und kann euch erste Antworten liefern ... und erste Enttäuschungen verbuchen.
1:30
Für Clive Barker's Hellraiser: Revival kehrt eine der größte Horrorikonen aller Zeiten nach 20 Jahren zurück
Zwischen Lust und Schmerz
Ich schlüpfe in die Rolle von Aiden und beobachte ihn und seine Freundin Sunny erstmal ganz voyeuristisch beim Liebesspiel. Die beiden scheuen nicht vor Schmerz und Verletzungen zurück – und natürlich lässt auch der berühmt berüchtigte Würfel nicht lange auf sich warten. Fans der Filmreihe erkennen LeMarchands Box natürlich sofort. Unwissentlich, was er da überhaupt in den Händen hält, öffnet Aidan die Puzzlebox und damit die Büchse der Pandora.
Die Wände öffnen sich, das Schlafzimmer wird in blaues Licht getränkt – Vorhang auf für die ikonischen Zenobiten! Da das Spiel in der Anfangsphase zusammen mit Clive Barker höchstpersönlich konzipiert wurde, sehen die Höllengestalten genauso aus, wie wir sie aus den Filmen kennen.
Sunny ist nicht nur leichtes, sondern auch williges Opfer. Ruckzuck bohren sich die Haken der Zenobiten unter ihre Haut und sie wird von Kopf bis Fuß in zwei Teile gerissen. Jap, das hier ist ein Hellraiser-Spiel durch und durch ...
Aiden weiß zwar immer noch nicht, was er tut, stürzt sich aber todesmutig in den Spalt in seiner Wand und folgt Sunny in die Hölle. Hier beginnt die Demo.
Hallo, ich bin neu! Worum geht es in Hellraiser eigentlich?
Alles dreht sich um eine kleine, unscheinbare Box. Diese Puzzlebox kann das Tor zu einer anderen Dimension, die Welt der sogenannten Zenobiten, öffnen. Diese übernatürlichen Wesen versprechen jedem, der die Box lösen kann, ekstatische Emotionen und Empfindungen. Das große Aber: Für die Zenobiten gehören Lust und Leid zusammen – und so unterliegen alle Menschen sadistischen, endlosen Qualen. Angeführt werden die Zenobiten vom berühmten Pinhead.
Ein Spaziergang durch die Hölle
Wer sich direkt in Action und Ballereien stürzen möchte, muss sich noch etwas gedulden. Denn Hellraiser: Revival führt mich sehr langsam an das Spiel heran. Im ersten Abschnitt laufe ich durch die Hallen der Zenobiten-Welt. In den Wänden rascheln Insekten-artige Wesen. Die Gänge verändern sich vor meinen Augen, um mich immer weiter ins Labyrinth zu locken und zu verwirren. Und von irgendwoher höre ich Sunnys Stöhnen. Ist es also noch nicht zu spät, ihre Seele zu retten?
Nach einem kleinen Abstecher – zu dem wir gleich noch kommen – kehre ich erneut in dieses Labyrinth zurück. Diesmal bin ich aber nicht allein: Der zähnefletschende Chatterer ist mir dicht auf den Fersen. Ich laufe die engen Gänge panisch ab, auf der Suche nach einem Ausweg. Muss mich ducken, um an Ketten vorbeizukommen. Weiche aus, wenn der Boden unter meinen Füßen wegbricht.
Plötzlich steht der Chatterer vor mir und ich muss umkehren und einen neuen Weg suchen, der sich auf magische Art und Weise vor mir öffnet. Doch da steht er schon wieder! Nach einer halben Pirouette geht es in den nächsten Gang ... aber hier war ich nicht schnell genug. Der Chatterer hat mich eingeholt. Game Over. Und das Ganze nochmal von vorne. Und nochmal. Und nochmal ...
Das Labyrinth scheint wie in den Filmen auch im Hellraiser-Spiel ein wiederkehrendes Element zu sein. Wer aber schonmal seinen kleinen Zeh ins Horror-Subgenre der Walking-Simulationen getunkt hat, weiß, dass sich verändernde Gänge und Verfolger, die einem in die Quere kommen, nichts Neues sind.
Der Horror verfliegt auch spätestens nach dem zweiten Trial-and-Error-Versuch, weil ich dem Chatterer erneut in die Finger laufe und die Sequenz von vorne beginnen darf. Ich hoffe sehr, dass sich die Entwickler von Saber Interactive noch mehr für das restliche Spiel überlegt haben – schließlich bietet die Welt der Zenobiten so viel Potenzial!
In der Demo ist das Labyrinth zwar schon sehr stimmungsvoll und sieht dank UE5 fantastisch aus – so richtig überzeugt es mich aber noch nicht.
Kranke Spielchen
Die Demo macht einen kleinen Zeitsprung und ich finde mich in einer Zelle wieder. Angekettet an einen Stuhl – die Hand angenagelt an die Armlehne. Nackt, verletzlich. Die Zenobiten sind nämlich nicht die einzige Plage, mit der ich mich in Hellraiser herumschlagen muss. Sie haben noch fanatische Anhänger, die Jagd auf Aiden machen. Warum? Das erfahre ich in der Demo noch nicht. Ich hänge mich aber mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, es hängt mit der Puzzlebox und ihren Fähigkeiten zusammen.
Jetzt muss ich mich erstmal aus dieser unglücklichen Situation befreien: Mit einem einfachen Tastendruck reiße ich mich von einem Haken los. Mit dem nächsten Tastendruck ziehe ich den Nagel aus der Hand. Mit dem Nagel schneide ich Fäden durch, denn mein Arm ist an meinen Bauch angenäht. Ihr merkt schon: Das Hellraiser-Spiel spart nicht mit Gore und expliziten Darstellungen.
Nachdem ich mich endlich vom Stuhl gelöst habe, muss ich wie in einem Escape Room meinen Weg in die Freiheit finden. Ich verlasse meine Zelle, laufe alle Gänge und Räume ab, finde Notizen mit Story-Schnipseln. Ich wühle in Gedärmen von Leichen nach Puzzleteilen, die ich in Türschlösser einsetzen muss. Ich belausche Kultisten und schleiche mich im Schutz der Dunkelheit an ihnen vorbei. Ich finde einen menschlichen Schädel mit Knöpfen, löse das Rätsel und bekomme einen Schlüssel. Weiter geht's.
Zum Schluss stolpere ich in einen Raum, in dessen Mitte ein verrückter Künstler um sein neuestes – noch lebendiges – Werk herumtänzelt und ihr immer wieder neue Striche mit seinem Skalpell verpasst. Die überdrehte Art dieser Gestalt erinnert mich ein bisschen an die durchgedrehten Visionäre aus Bioshock – und davon möchte ich im fertigen Spiel gerne mehr sehen! Denn endlich bekommt das Spiel ein bisschen Persönlichkeit.
Und sonst so?
Einen entscheidenden Teil von Hellraiser: Revival habe ich noch gar nicht gesehen – die Kämpfe. Denn das Horrorspiel ist nicht nur ein Walking-Simulator, sondern will die Action besonders hintenraus noch ganz schön aufdrehen.
Aiden rüstet sich mit unterschiedlichsten Waffen aus, um gegen ganze Horden von Perverslingen der Sekte anzutreten. Im Trailer waren Baseballschläger, Messer und eine Heckenschere zu sehen. Aber auch die kleine Box soll mir noch zusätzliche Fähigkeiten verleihen.
Wie gut sich das spielt und – für mich noch viel wichtiger – wie gut das überhaupt zum Hellraiser-Universum und zum restlichen Spiel passt, kann ich nach der knapp einstündigen Demo noch nicht sagen.
Generell gehe ich mit einem gemischten Gefühl aus dem Anspieltermin. Ja, Hellraiser ist brutal, blutig, pervers, eklig – wenn ihr die Filme kennt, wird euch das nicht überraschen. Aber trotzdem fehlt mir noch das Alleinstellungsmerkmal. Was hat Hellraiser abseits von Gedärmen zu bieten? Um das herauszufinden, müssen wir uns alle aber noch ein wenig gedulden. Denn Hellraiser: Revival hat aktuell noch keinen Releasetermin.
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