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Der Herr der Ringe: Warum versteckt sich ein mächtiger Balrog unter Moria? Dahinter steckt der größte Krieg in der Geschichte Mittelerdes

In den Tiefen unter der Zwergenstadt Khazad-dûm haust ein Balrog von unvorstellbarer Macht. Doch was in Mittelerde könnte stark genug sein, um selbst diesen Dämon in Panik zu versetzen?

Der Balrog ist in Der Herr der Ringe eine gewaltige Gefahr für die Gefährten und bringt sogar Gandalf an den Rand seiner Kräfte. Bildquelle: Wizards of the CoastMagali Villeneuve. Der Balrog ist in Der Herr der Ringe eine gewaltige Gefahr für die Gefährten und bringt sogar Gandalf an den Rand seiner Kräfte. Bildquelle: Wizards of the Coast/Magali Villeneuve.

Furchtbar waren unter diesen Wesen die Valaraukar, die Feuergeißler, die man in Mittelerde die Balrogs nannte, Dämonen des Schreckens.

J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion, Valaquenta – Von den Maiar

Die Balrogs von Mittelerde sind uralte Wesen von enormer Macht, die schon in frühester Zeit der Finsternis verfielen und als getreue Diener Morgoths in längst vergessenen Kriegen kämpften. Im Silmarillion erfahren wir, dass es sich bei den Balrogs um Maiar handelt – also engelsgleichen Wesen, die mit den Valar, den obersten Göttern in Mittelerde, erschienen. Balrogs stehen somit auf einer Stufe mit Gandalf oder Sauron, die ebenfalls Maiar sind.

Doch warum versteckt sich ein Balrog, ein gottähnliches Wesen von uralter Macht, in den finsteren Eingeweiden des Nebelgebirges? Die Antwort darauf findet sich im größten Krieg Mittelerdes, der tausende Jahre vor den Ereignissen von Die Ringe der Macht und Der Herr der Ringe stattfand.

Video starten 5:06 Aus Schatten und Flammen erhebt sich der Balrog im Fan-Remake Battle for Middle-Earth: Reforged

Der Krieg des Zorns: Der größte Konflikt Mittelerdes

Gegen Ende des Ersten Zeitalters stehen die freien Völker Mittelerdes am Abgrund. Der dunkle Herrscher Morgoth hat fast den gesamten Kontinent unterworfen. Die Reiche der Elben und Menschen sind gefallen und viele legendäre Helden jener Zeit tot oder versprengt. Der Sieg Morgoths scheint unabwendbar.

Doch das Blatt wendet sich. Der Halbelb Eärendil (der Vater von Elrond) begibt sich auf eine verzweifelte Seefahrt, um in den Unsterblichen Landen vor die Valar selbst zu treten und um ihre Unterstützung zu bitten – mit Erfolg.

Eine gewaltige Streitmacht wird versammelt und zieht aus Valinor gegen Morgoth, um Mittelerde von seiner schrecklichen Herrschaft zu befreien. Geführt von Eönwë, dem Maia-Herold des Valar-Königs Manwë, und zahlreichen weiteren mächtigen Maiar, bildet das strahlende Heer des Westens die stärkste Armee, die die Welt je gesehen hat.

An ihrer Spitze marschieren die Vanyar, der edelste Elbenstamm Valinors, sowie jene Noldor, die einst im Westen verblieben waren und nun unter König Finarfin in den Kampf ziehen. Transportiert auf den legendären Schwanenschiffen der Teleri überqueren sie das Meer, wo sich ihnen schließlich auch die verbliebenen Menschenstämme der Edain sowie die Großen Adler anschließen.

Was ist mit den Valar? Die Valar selbst (also die Götter wie Manwë, Ulmo oder Aulë) blieben in Valinor und zogen nicht persönlich mit in den Krieg, aus Sorge, Mittelerde durch ihre gewaltige Macht vollständig in Stücke zu reißen.

Daraus entbrennt der blutige Krieg des Zorns, der sich über 42 Jahre hinzieht. Im Laufe des Konflikts entfesselt Morgoth alle Kräfte, die ihm zur Verfügung stehen. Unzählige Orks und Trolle, aber auch furchterregendere Wesen wie die Balrogs und sogar Drachen werden von ihm ins Feld geführt.

Sauron war im Krieg des Zorns der mächtigste und ranghöchste Diener Morgoths und befehligte als General seine Armeen. Bildquelle: New Line Cinema Sauron war im Krieg des Zorns der mächtigste und ranghöchste Diener Morgoths und befehligte als General seine Armeen. Bildquelle: New Line Cinema

Doch letztendlich unterliegen Morgoths Truppen und werden von der Streitmacht der Valar vernichtet. Die Balrogs, die als mächtige Soldaten in diesem Krieg kämpften, werden in großer Zahl erschlagen. Nur wenigen gelingt die Flucht und sie werden erbarmungslos gejagt, weshalb sie sich verstecken müssen:

Seine Balrogs wurden vernichtet, bis auf einige wenige, die entflohen und sich in unerreichbare Höhlen an den Wurzeln der Erde verbargen

J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion, Quenta Silmarillion – Von Eärendils Fahrt und dem Krieg des Zorns

Kein gewöhnlicher Krieg: Der Krieg des Zorns war so gewaltig, dass durch ihn der gesamte Nordwesten von Mittelerde (Beleriand) infolge der kolossalen Zerstörungen unterging.

Der Balrog von Moria, der im Dritten Zeitalter auch Durins Fluch genannt wird, ist einer dieser wenigen verbliebenen Balrogs. Er hat die vernichtende Niederlage Morgoths überlebt und sich in panischer Angst vor seinen Häschern tief im Nebelgebirge verkrochen. Der Balrog schlummert dort Jahrtausende, bis die Zwerge ihn im Dritten Zeitalter bei der Suche nach Mithril aufschrecken:

Die Zwerge schürften zu jener Zeit sehr tief unter dem Barazinbar nach Mithril, dem unschätzbaren teuren Metall, das mit jedem Jahr schwerer zu finden war. Dabei weckten sie einen Gräuel aus dem Schlaf, der sich seit seiner Flucht aus Thangorodrim hier auf dem Grund der Erde vor dem Heer des Westens verborgen hatte: ein Balrog aus Morgoths Gefolge.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Anhang A (Annalen der Könige und Herrscher – III Durins Volk)

Thangorodrim? Das war eine gewaltige Festung von Morgoth, die er auf drei Vulkangipfeln errichtete und die im Krieg des Zorns vollständig zerstört wurde.

Video starten 2:19 Obwohl der Ringkrieg gegen Sauron ebenfalls gewaltige Dimensionen erreichte, war er nur ein Schatten im Vergleich zum Krieg des Zorns.

Warum verharrte der Balrog über 5.000 Jahre in der Finsternis?

Der Balrog von Moria verblieb nach seiner Flucht ziemlich genau 5.424 Jahre unbemerkt in den tiefsten Höhlen unter dem Nebelgebirge.

Das wirft natürlich die Frage auf, warum dieses mächtige dämonische Wesen so lange Zeit versteckt blieb. Immerhin war die siegreiche Armee der Valar längst aus Mittelerde verschwunden und seit dem Zweiten Zeitalter wuchs auch langsam aber stetig die Macht Saurons, der seinem alten Meister Morgoth nacheiferte.

Darauf gibt es zwar keine konkreten Antworten, so genau hat Tolkien diesen Sachverhalt schlichtweg nicht behandelt, allerdings ergeben sich aus der Lore verschiedene stichhaltige Theorien, warum der Balrog verborgen blieb:

  • Pure Angst: Der Krieg des Zorns war für die Diener Morgoths keine einfache Niederlage, sondern endete in einem Vernichtungsfeldzug, durch den sogar ein Teil Mittelerdes unterging. Wer den Zorn der Valar, also den Göttern Mittelerdes, auf sich zieht, hat zu Recht Todesangst. Diese Angst trieb den Balrog tief in die Eingeweide des Nebelgebirges und hallte auch tausende Jahre später in ihm nach. Für das Leben eines Maiar sind diese Zeiträume zudem nur ein Wimpernschlag.
  • Tiefer Schlaf: Geschwächt vom Krieg und gehetzt von seinen Feinden ist der Balrog in seinem Versteck in einen jahrtausendelangen Ruhezustand verfallen, in dem er neue Kraft schöpfte. Abgeschirmt vom Rest der Welt ruhte der Balrog, bis er unsanft geweckt und von uraltem Zorn erfüllt wurde.
  • Zurückhaltung: Als die Zwerge den Balrog weckten, blieb er nicht passiv. Er versammelte Orks und Trolle und führte Krieg gegen die Zwerge. Anders als Sauron trachtete der Balrog allerdings nicht danach, ganz Mittelerde zu unterwerfen, sondern gab sich mit seinem neuen Territorium zufrieden. Vielleicht fehlte ihm ein Befehlshaber wie Morgoth, vielleicht war aber auch die Erinnerung an die letzte Niederlage noch zu frisch.

Ein uraltes Relikt aus einem fast vergessenen Krieg

Schlussendlich ist der Balrog (wie auch Sauron) ein Überbleibsel einer längst vergangenen, viel grausameren Epoche. Er stammt aus einer Zeit der Götterkriege, in der mächtige Maiar als Soldaten auf dem Feld unvorstellbare Schlachten austrugen und dabei einen Teil des Kontinents unwiederbringlich zerstörten.

Als Verlierer dieses gewaltigen Krieges wurde aus einem der fürchterlichsten Kämpfer Morgoths ein verängstigter Schatten, der sich tief im Fels vor dem Zorn seiner Häscher verbarg und – ähnlich wie manches andere mächtige Artefakt in Mittelerde – über die Jahrtausende schlicht in Vergessenheit geriet. Zumindest so lange, bis die Gier der Zwerge dieses verhängnisvolle Erbe des Ersten Zeitalters wieder ans Licht förderte – und damit ihr eigenes Schicksal besiegelte.

Jetzt seid ihr dran! Glaubt ihr, dass in den finstersten Winkeln Mittelerdes noch andere Balrogs versteckt sind, die nur darauf warten, entdeckt zu werden? Und wer könnte es in Mittelerde (neben Gandalf) überhaupt mit diesen Dämonen aufnehmen? Schreibt es gerne in die Kommentare, ich bin auf eure Meinung gespannt!


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