Zehn Jahre nach dem Kinostart des letzten Hobbit-Films erscheint nun mit Die Schlacht der Rohirrim
das neuste Film-Abenteuer aus dem Tolkien-Kosmos. Nach entbehrungsreichen Jahren mit Amazons Serie Die Ringe der Macht
will euch nun ausgerechnet ein Anime bildgewaltig nach Mittelerde zurückbringen.
Der Film ist als Prequel zu Peter Jacksons Originaltrilogie erdacht. Er erzählt die Geschichte von Helm Hammerhand, dem legendären König von Rohan, und seiner Tochter Héra, die ihr Land gegen die Invasion der finsteren Dunländer verteidigen.
Wir haben den Film bereits gesehen und verraten euch in unserer spoilerfreien Kritik, wieso Die Schlacht der Rohirrim
ein Muss für alle Herr-der-Ringe-Fans ist.
Kurz vor dem Kinostart hatten wir Gelegenheit, mit Regisseur Kenji Kamiyama zu sprechen. Der Japaner ist unter anderem für Anime wie Ghost in the Shell: Stand Alone Complex und Eden of the East bekannt.
Im Interview hat uns Kamiyama mehr über die Entstehungsgeschichte des Films und die Herausforderungen dabei verraten.
Eine komplett neue Heldin
Wie vielen Tolkien-kundigen Fans im Vorfeld schon aufgefallen ist, handelt es sich bei Film-Heldin Héra Hammerhand um eine Figur, die in den Büchern gar nicht vorkommt - zumindest fast nicht. Denn im Tolkien-Lore hat König Helm zwar eine Tochter, die wie auch im Film eine wichtige Rolle als Auslöser des Konflikts zwischen Rohan und Dunland spielt. Ihren Namen erfahren wir im Buch allerdings nicht.
Genau diese erzählerische Lücke fand Regisseur Kamiyama bei der Konzipierung von möglichen Film-Szenarien verlockend:
Das Werk von Tolkien ist wahrhaft gigantisch und wir standen vor der Herausforderung, einen in sich abgeschlossenen Film zu machen. Da kamen wir auf die Geschichte von Helm Hammerhand, einem Charakter, dessen Hintergrund sicher viele Leute interessieren würde, weil er für die späteren Ereignisse in Tolkiens Welt wichtig ist.
Im englischsprachigen Original taucht die Figur vielleicht auf zehn Seiten auf, in der japanischen Übersetzung nur auf sechs. Es wird nicht viel zu seiner Hintergrundgeschichte gesagt, nur ein paar Fakten - unter anderem zu Helms Tod und seiner Familie. Daher brauchten wir jemand mit einem frischen Blickwinkel, der die Geschichte quasi aus Zuschauersicht weitererzählt.
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Die Schlacht der Rohirrim: Macher des neuen Herr-der-Ringe-Films zeigen, wie der Anime entsteht
»Alles begann mit ihr«
Das sei die Grundlage für die Figur Héra gewesen, denn ihre Figur habe dem Film-Team den nötigen kreativen Freiraum gegeben, innerhalb des etablierten Tolkien-Universums eine eigene Geschichte zu erzählen.
Mehr Einblicke in den Entstehungsprozess des Films bekommt ihr übrigens im obigen Video. Kenji Kamiyama erzählt außerdem noch:
Mit Héras Beteiligung fängt die Geschichte ja überhaupt erst an; mit dem Heiratsantrag von Wulf, um die Allianz der Dunländer mit Rohan zu stärken. Und obwohl sie so ein wichtiger, zentraler Charakter ist, hat sie bei Tolkien keinen Namen. Wir wissen lediglich, dass Helm Hammerhand eine Tochter hatte. Es wird allerdings nirgends erwähnt, wie sie gelebt hat und gestorben ist.
Wir hatten allerdings eine lebhafte Vorstellung davon, was für eine Person sie gewesen sein muss. Sie regte unsere Fantasie an. Und da wussten wir, dass wir die Geschichte von Helm Hammerhand von ihrem Blickwinkel aus erzählen wollen.
Dass der ursprünglich auf 90 Minuten angelegte Film schlussendlich so lang geworden ist, liegt laut Kamiyama übrigens daran, dass man eben nicht nur Helm Hammerhands Geschichte erzählen wollte, sondern auch Héra und einigen Nebenfiguren im Skript genug Raum geben wollte, um sich zu entfalten.
Mit einem Augenzwinkern verrät Kamiyama, dass er zwischenzeitlich eine Version auf dem Tisch hatte, die sogar zweieinhalb Stunden lang war. Vielleicht gibt es hier ja wie bei Peter Jacksons Filmen in ein paar Jahren mal einen Extended Cut.
Ihr wollt mehr interessante Neuigkeiten aus Mittelerde lesen? Dann schaut doch mal bei den Texten in der obigen Linkbox vorbei. Darin verrät euch GameStar-Redakteur Jesko, wie es wirklich an den Herr-der-Ringe-Drehorten in Neuseeland aussieht. Außerdem erfahrt ihr, wie sich Die Schlacht der Rohirrim
in den internationalen Kritiken schlägt.