Das Volk von Rohan steht vor dem Untergang. Die Kamera fängt die angsterfüllen Gesichter der Frauen und Kinder ein, die im Inneren der Hornburg auf ihr Ende warten. Draußen tobt eine riesige Armee, die mit einem Belagerungsturm den Klammwall überwinden möchte.
Der König der Rohirrim hält eine Rede. Tod!
brüllt er, und seine Reiter brüllen zurück. Mittendrin in all dem Spektakel: Eine tapfere Schildmaid Rohans, die nach Ruhm und Anerkennung strebt und sich nicht mit dem Patriarchat zufriedengibt.
Moment mal! Ich wollte was zu War of the Rohirrim erfahren, nicht Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme noch einmal nacherzählt bekommen!
Ja … ich auch.
Worum geht’s in War of the Rohirrim?
Die Geschehnisse von War of the Rohirrim spielen rund 200 Jahre vor dem Ringfund durch Bilbo Beutlin. Der dunkle Herrscher Sauron feilt also noch im Geheimen an seinem Comeback und weder Gimli noch Aragorn sind geboren.
Dennoch rührt sich das Böse in Mittelerde. Auslöser dafür ist ein Streit zwischen Rohans König Helm Hammerhand und dem Dunländer Freca, der für Letzteren nicht gut ausgeht. Frecas Sohn Wulf schwört Rache und schon bald muss Helm Hammerhand um Reich und Volk fürchten.
Die Hauptfigur des Films ist aber nicht der König, sondern dessen Tochter Héra. Die versucht ebenfalls mit allen Kräften, ihr Volk zu retten und zugleich Herrin über ihr eigenes Schicksal zu sein.
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Herr der Ringe: Trailer zu War of the Rohirrim zeigt, wie es zum namensgebenden Krieg kommt
Endlich wieder in Mittelerde
Um es vorwegzunehmen: War of the Rohirrim ist ein guter Film geworden. Und, noch wichtiger für Fans wie mich, ein sehr unterhaltsames Herr-der-Ringe-Werk.
Von der ersten Sekunde an befinde ich mich in Mittelerde. Die tolle Musik, die düstere Farbgebung, die bekannten Orte wie Edoras - ich bin wieder zuhause! Die Stimmung der Peter-Jackson-Filmtrilogie kommt überraschend gut rüber. Überraschend
deshalb, weil War of the Rohirrim bekanntlich auf einen Anime-Look statt auf reale Darsteller setzt.
Die Optik war eines meiner größten Sorgenkinder im Vorfeld und auch nach dem Sehen des Films bin ich kein Fan davon. Das liegt weniger an den hübsch gezeichneten Charakteren, sondern vor allem an den seltsamen computergenerierten Effekten, die für viele Hintergründe eingesetzt werden. Wenn 2D-Héra auf ihrem 2D-Pferd durch ein 3D-Rohan reitet, sieht das einfach nicht schön aus.
Abseits der Optik gibt es eine interessante Überraschung: Die Hauptcharaktere enttäuschen, die Nebenfiguren brillieren.
Es ist eine wahre Freude, Helm Hammerhand, unfassbar gut vertont von Brian Cox, beim Regieren, Brüllen und Schellen verteilen zuzuschauen. Es ist hingegen ein Jammer, wenn Héra oder ihr Gegenspieler Wulf auf den Plan treten. Beide dürfen nicht aus dem Klischee-Korsett der hollywood'schen Erzählkunst ausbrechen und sind Stereotype, wie sie im Buche stehen.
Moment mal, das kenne ich doch irgendwoher?!
Den meisten Gesprächsbedarf habe ich aber bei der Handlung. War of the Rohirrim leidet an etwas, das ich in Anspielung an Star Wars das Episode-7-Syndrom
nenne.
War of the Rohirrim drückt enorm auf die Nostalgie-Tube. Das sorgt einerseits für eine zum Schneiden dichte Atmosphäre. Andererseits leidet darunter die eigene Identität. Teilweise werden ganze Einstellungen und Dialoge aus Die Zwei Türme und Die Rückkehr des Königs nachgeahmt, ohne an das Original heranzureichen.
Der Film brüllt mir ständig wie Mario Bart Kennste? Kennste?
zu und hofft damit, bei mir Emotionen zu wecken. Das Gegenteil ist aber der Fall: Ich hatte nur selten Gänsehaut, weil ich die großen Momente ja bereits so ähnlich (und in besser) aus den Realfilmen kannte.
Das ist schade, denn oft blitzt das große Potenzial der eigentlichen Geschichte auf. Die stärksten Momente hat der Film immer dann, wenn er eigene Akzente setzt. Die Anspielungen auf die bisherigen Filme fand ich anfangs noch nett, später habe sogar ich mit den Augen gerollt - das will was heißen!
Wenn ihr ein Fan von Der Herr der Ringe seid, werdet ihr trotz allem richtig viel Spaß mit War of the Rohirrim haben. Erwartet nur bitte kein neues Tolkien-Epos. Die Geschichte unterhält euch beim Popcorn oder Nachos futtern und ihr habt rund zwei Stunden eine vergnügliche Zeit. Aber nichts hiervon wird einen bleibenden Eindruck bei euch hinterlassen.
Stärken und Schwächen von War of the Rohirrim
Was uns an War of the Rohirrim gefallen hat
- Die Atmosphäre: War of the Rohirrim gelingt es dank gut geschriebenen Dialogen und einem gelungenen Pacing, dass ihr von Anfang bis Ende in der Welt versinkt und auch über so manchen Makel hinwegsehen könnt.
- Die Musik: Die neuen Kompositionen aus der Feder von Stephen Gallagher fügen sich harmonisch in die altbekannten Rohan-Themen von Howard Shore ein.
- Die Nebenfiguren: Helm Hammerhand macht seinem Namen alle Ehre. Aber auch Figuren wie seine beiden Söhne Haleth und Háma, die Kammerzofe Olwyn oder der dunländische General Targg sind vielschichtig und überraschen immer wieder durch ihre Taten und Worte.
- Der Plot: Die grundlegende Prämisse rund um den Konflikt zwischen Rohan und Dunland ist spannend und fängt uns immer wieder durch tolle Szenen ein, wenn wir gerade dabei sind, von der vielen Nostalgie gelangweilt zu sein.
Was uns an War of the Rohirrim nicht gefallen hat
- Die Hauptfiguren: Héra durchläuft leider keine Charakterentwicklung und ist von Beginn an die moralisch gefestigte, stets korrekt und heroisch agierende Kämpferin ohne Fallhöhe. Ihr Gegenspieler Wulf mutiert vom Anfangs nachvollziehbar handelnden, gebrochenen Mann ohne erkennbaren Übergang zum fanatischen Schurken jenseits von Gut und Böse, bei dessen Skrupellosigkeit selbst Darth Vader die Luft stocken würde.
- Der Look: Der Anime-Zeichenstil ist nicht das Problem, ganz im Gegenteil: Er hätte sogar umfassender genutzt werden sollen. Stattdessen kommt bei den Landschaften und vielen Objekten im Hintergrund ein unschöner CGI-Effekt zum Einsatz. Das daraus resultierende Mischmasch ist nicht stimmig.
- Die Nostalgie: Ja, es ist schön, wieder in Mittelerde zu sein. Aber hier sind die Macher eindeutig über das Ziel hinausgeschossen. Viele Szenen kennen wir so ähnlich bereits aus den Realfilmen. Und viele Cameos von Figuren und Monstern wirken einfach nur reingezwängt. Selbst die Erwähnung von Ringen darf nicht fehlen, seufz …
- Deus ex machina: Zu oft greifen die Drehbuchautoren in die Trickkiste, um scheinbar ausweglose Situationen zugunsten der Guten aufzulösen. Einmal ist okay, zweimal ist auch noch in Ordnung, aber War of the Rohirrim reizt es aus.
Fazit der Redaktion
Sören Diedrich
@GameStar_de
Als ich im Kino saß und der Abspann von War of the Rohirrim lief, habe ich ein seltsames Gefühlschaos durchlebt. Ich habe alles bekommen, was ich mir von einem neuen Herr-der-Ringe-Kinofilm gewünscht habe: tolle Musik, spannende Figuren, endlich wieder Mittelerde-Feeling, eine packende Atmosphäre. Seit zehn Jahren hatten Tolkien-Fans keinen besseren Grund mehr, um mal wieder ins Kino zu gehen!
Trotzdem war ich auch ernüchtert. Der epochale Soundtrack kann gar nicht so laut durch die Boxen schallen wie es nötig wäre, um die gewöhnungsbedürftige Optik zu übertünchen. Von den Figuren sind nur die wirklich interessant, die in der zweiten Reihe stehen - und dadurch kommen sie leider zu kurz.
Vor allem Héra leidet unter der Mutlosigkeit der kreativen Verantwortlichen. Sie wollen mir eine starke Frau zeigen, trauen ihr aber gleichzeitig nicht zu, abseits der Xena-Warrior-Princess-Klischees ihre eigenen Höhen und Tiefen zu durchleben und dadurch zu einer greifbaren und sympathischen Figur heranzureifen.
Unterm Strich überwiegt bei mir aber die Zufriedenheit. Ich habe einen unterhaltsamen Herr-der-Ringe-Film erwartet, ich habe ihn bekommen. Ist es ein Meisterwerk? Mitnichten! Aber genau wie auch meinen Kollegen Jesko hat mich War of the Rohirrim als Vollblut-Tolkien-Nerd sogar mehr abgeholt als Amazons Ringe der Macht.
Klar könntet ihr auch auf den Streaming-Release warten. Ich rate euch aber: Schaut euch War of the Rohirrim auf der großen Leinwand mit gutem Soundsystem an. Ihr werdet es nicht bereuen, wenn ihr mit der richtigen Erwartungshaltung das Ticket löst!
Fazit der Redaktion
Jesko Buchs
@Sora5513
Die Schlacht der Rohirrim ist ein netter Film - und das meine ich genau so, wie ich es schreibe. Herr-der-Ringe-Fans erwartet hier ein richtig wohliger Nostalgietrip. Schon ab dem ersten Kameraflug über die felsigen Weiten von Rohan zu den Klängen des bekannten Musikthemas von Howard Shore zieht mich der Film in seinen Bann.
Tatsächlich macht Schlacht der Rohirrim optisch und musikalisch einiges richtig. Die Animationen sind fast durchweg gelungen, der Soundtrack des Neuseeländers Stephen Gallagher fügt sich nahtlos in die Klangwelten der Originaltrilogie ein und zitiert diese an den richtigen Stellen.
Erzählerisch hat das Rohan-Prequel dagegen wenig Neues zu bieten, sondern kupfert an zu vielen Punkten nahezu unverändert bei Peter Jacksons Originaltrilogie ab. Das beschert dem Fan in mir zwar viele angenehme Wiedererkennungsmomente inklusive Gänsehaut. Zu lange darüber nachdenken sollte man allerdings nicht, denn dann bemerkt man, dass man das alles schon einmal irgendwo gesehen hat.
Schlecht ist die Schlacht der Rohirrim damit nicht. Im Gegenteil, ich finde ihn sogar deutlich gelungener als die Hobbit-Trilogie oder Amazons Ringe der Macht. Doch um an Peter Jacksons mit 17 Oscars prämierte Kinotrilogie hereinzureichen, hätten die Macher erzählerisch deutlich mehr auffahren müssen. Schönes Wohlfühlkino zu Weihnachten ist Die Schlacht der Rohirrim aber allemal.
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