Wer in den letzten Jahren in den sozialen Medien unterwegs war, hat sie mit Sicherheit schon einmal gesehen: riesige Trinkbecher aus Stahl, die unten schmal und oben breit sind, über einen Haltegriff und einen Strohhalm verfügen und mit Freude von Menschen aus aller Welt in Kameras gehalten werden.
Es handelt sich dabei um den sogenannten Stanley Cup. Er gehört zu den größten Lifestyle-Trends der vergangenen Jahre.
Wir stellen euch die Geschichte hinter dem Hype vor, egal, ob ihr den Trinkbecher schon kennt oder ob ihr bei dem Namen noch immer an die Eishockey-Trophäe denkt.
Das ist der Stanley Cup
- Die Trinkbecher kann auf eine über 100-jährige Geschichte verweisen. 1913 gründete William Stanley Jr. die Marke Stanley und brachte eine widerstandsfähige Thermosflasche auf den Markt.
- Diese konnte Getränke über Stunden warm halten und war deshalb etwa bei Bauarbeitern oder in der Landwirtschaft schnell beliebt.
- 2016 wurde dann das Modell »Quencher« eingeführt, also eben jene Becherform, die heute so viel Aufmerksamkeit bekommt. Das gilt allerdings nur für die Form, nicht für das Modell.
Der Becher hält Getränke wahlweise warm oder kalt und passt trotz des enormen Fassungsvermögens von 40 Unzen (etwa 1,2 Liter), in die Becherhalter der meisten Autos. Er kostet 47 US-Dollar beziehungsweise 50 Euro in Deutschland.
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Stanley Quencher H2.0 FlowState: Das bietet der Trinkbecher
Der Quencher war aber ein ziemlicher Reinfall und wurde 2019 sogar schon wieder eingestellt.
So kam der Erfolg: Ein Internet-Blog, ein gewiefter Manager und letztlich ein einzelnes TikTok-Video wendeten aber das Blatt und machten den einfachen Trinkbecher zu einem Riesenerfolg.
Woher kommt der Hype?
Stanley hatte den Quencher also eigentlich schon wieder aufgegeben. Der Blog The Buy Guide erkannte in dem Produkt allerdings großes Potenzial, vor allem für Influencer-Marketing.
Nachdem erste Erfolge gefeiert werden konnte, wurde die Produktion doch weitergeführt.
Der Hype nahm also langsam an Fahrt auf. Die Zielgruppe hatte sich allerdings stark verändert. Statt vor allem Männer aus der Arbeiterklasse anzuvisieren, richtete sich das Marketing vermehrt in Richtung von jungen Frauen und Müttern aus.
So wurden etwa neue, bunte Farbvarianten auf den Markt gebracht:
Ein wichtiger Schritt erfolgte 2020, als Terence Reilly zum neuen Präsidenten von Stanley wurde.
- Reilly hatte vorher bei der Schuhmarke Crocs gearbeitet und die ehemals als hässlich abgestempelten Gummi-Sandalen auf die Laufstege der Modewelt gebracht.
- In den Folgejahren stieg der Umsatz von Stanley beträchtlich.
Ende 2023 kamen dann Glück und Unglück auf eine überraschende Art und Weise zusammen und verstärkten den Hype ungemein. Die TikTokerin Danielle Lettering postete ein kurzes Video auf der Social-Media-Plattform.
Darin zeigte sie ihr komplett ausgebranntes Auto. Alles, was übrig ist, ist ihr Stanley Cup, der ziemlich unversehrt in der Mittelkonsole steht. Sie nimmt ihn heraus und stellt fest, dass sogar noch Eiswürfel darin sind.
Das Video haben wir hier eingebunden:
Link zum TikTok-Inhalt
Das Video wurde von Reilly aufgegriffen und verbreitete sich extrem schnell. Von da an war der Hype quasi nicht mehr aufzuhalten.
Wie groß ist der Hype?
Stanley bietet den Trinkbecher mittlerweile nicht nur in vielen Farben und Limited Editions an. Es gibt auch Kooperationen, etwa mit dem Fußballer Lionel Messi oder der Café-Kette Starbucks.
Neue Veröffentlichungen sind in der Regel innerhalb von Minuten ausverkauft und Fans der Marke campieren teilweise vor Läden, ähnlich wie beispielsweise bei neuen iPhones oder Spiele-Konsolen.
Doch damit nicht genug: Daneben gibt es auch eine ganze Reihe von Accessoires für den Stanley Cup. Dazu zählen unter anderem Tragetaschen, aufsetzbare Snackschalen, perfekt passende Eiswürfelformen oder Handyhüllen.
Der Stanley Cup ist kein einfacher Trinkbecher mehr. Er ist ein Lifestyle-Produkt und Statussymbol. Es gibt ganze Kanäle auf Social Media, die sich nur mit den Bechern beschäftigen und Leute, die ganze Regale mit ihren Modellen füllen können. Zur Erinnerung: Pro Becher werden knapp 50 Euro fällig.
Das Design wird natürlich auch von anderen Herstellern nachgeahmt und viele Accessoires stammen ebenfalls von Drittherstellern. Werbung braucht es dabei kaum, die Leute halten ihre Stanley Cups mit Freude auch umsonst in die Kamera.
Vom Gebrauchsgegenstand zum Statussymbol
Spannend ist dabei, dass gerade ein an sich so »langweiliger« Gegenstand wie ein Trinkbecher so einen Hype auslösen kann.
Der von vielen zelebrierte Überkonsum des Stanley Cups steht dabei sogar gewissermaßen im Gegensatz zum eigentlichen Produkt.
Stanley selbst nutzt beispielsweise den Hashtag #BUILTFORLIFE, als etwa »für ein ganzes Leben gemacht«.
Ursprünglich sollten die Thermosflaschen eben genau das sein, Gebrauchsgegenstände, die im besten Fall ein Leben lang halten, auch, wenn sie widrigen Bedingungen ausgesetzt sind.
Fünf, zehn oder sogar noch mehr dieser Trinkbecher zu besitzen, ist also im Grunde vollkommen unnötig und auch der eigentlich vorbildlich nachhaltige Aspekt der wiederbefüllbaren Becher wird durch immer neue Sondereditionen und Plastik-Accessoires zumindest teilweise konterkariert.
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