Ich habe zwei eher unbekannte Alternativen zum Kindle-Abo getestet und mich jetzt dazu entschieden, es endgültig zu kündigen

In meinem App-Test zur Onleihe und Libby habe ich die größten Mythen überprüft und gerade wegen einer Behauptung meine neue Lieblingsapp für E-Books entdeckt.

Ich habe die Online-Bibliothek-Apps Libby und Onleihe getestet und gleich mein Kindle-Abo gekündigt. (Bildquelle: Amazon GameStar Tech) Ich habe die Online-Bibliothek-Apps Libby und Onleihe getestet und gleich mein Kindle-Abo gekündigt. (Bildquelle: Amazon / GameStar Tech)

Was für einige noch wie ein netter Geheimtipp klingt, ist in Wahrheit längst eine bärenstarke, legale Alternative zu Schattenbibliotheken und kostenpflichtigen Abo-Modellen: Digitale Bibliotheken.

Die virtuellen Büchereien können genutzt werden, um wie in einer echten Bibliothek, Bücher, Hörbücher, Filme und andere Medien auszuleihen – auch wenn die Dateien dabei vollkommen digital sind.

Dadurch spielen Plattformen wie Libby oder die Onleihe ihre Stärke vor allem auf E-Readern und mobilen Endgeräten aus, da sie sich vor allem auf E-Books und Hörbücher fokussieren.

Video starten 0:48 Kindle: So stellt ihr die Ansicht auf Querformat um

Trotz des einfachen Prinzips herrscht in der GameStar-Community und auf Reddit oft Rätselraten, wie sich der Platzhirsch Onleihe vom Konkurrenten Libby unterscheidet.

Oft wird gefragt, ob das Angebot überhaupt mit Kauf-Abos mithalten kann und wie es um den Geräte-Support steht – genau das habe ich mich auch gefragt und beide Apps für euch getestet.

Eine digitale Bibliothek mit Ausleih- und Rückgabefunktion: Das steckt hinter den Apps

Sowohl bei Libby als auch der Onleihe braucht ihr kein Abo bei irgendeinem großen Tech-Konzern, sondern lediglich einen normalen Bibliotheksausweis. Diesen bekommt ihr bei euren örtlichen Büchereien und Bibliotheken, wobei ihr in den Apps gezielt nach euren Anlaufstellen suchen könnt.

Wie teuer das Ganze wird, hängt von eurem Standort und den Vorgaben eurer Bücherei ab. Bei mir sind es beispielsweise nur 8 Euro pro Jahr, wohingegen ihr in Großstädten wie München bis zu 20 Euro zahlen müsst.

Die höheren Kosten liegen darin begründet, dass die Auswahl in eurer Bibliothek tendenziell etwas größer ist und ihr kürzere Wartezeiten habt, bevor ein Buch wieder zur Verfügung steht.

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Ja, richtig gehört. Ihr müsst wie in einer echten Bibliothek schauen, ob die Medien, die ihr euch ausleihen wollt, nicht bereits von einer anderen Person geliehen wurden. Das ist keine Spielerei, sondern hängt mit den Lizenzrechten zusammen.

Um konkurrenzfähig zu sein und euch ein entsprechendes Angebot zu bieten, schließen sich kleinere Büchereien daher häufig zu regionalen Verbünden zusammen. Durch meine Wohnlage habe ich beispielsweise Zugriff auf den Franken-Verbund, der einen Zusammenschluss aus 22 Bibliotheken darstellt.

  • Bei beiden Apps ist das Leihsystem gleich:
    • Digitale Warteliste: Ist ein gewünschtes Medium aktuell vergriffen, setzt ihr euch einfach auf die virtuelle Vormerkliste.
    • Automatische Rückgabe: Ihr müsst keine Fristen im Kopf behalten – nach Ablauf der Leihzeit löschen sich die Dateien von selbst, wodurch Mahngebühren unmöglich sind.
    • Problemlose Verlängerung: Schafft ihr es mal nicht rechtzeitig bis zum Fristende, lässt sich die Leihdauer ganz unkompliziert verlängern.
    • Vorzeitige Rückgabe: Wer schneller fertig ist, kann das Medium vorab manuell zurückgeben, um die Wartezeit für die nächsten Leser zu verkürzen.

Mythos vs. Realität: Das unterscheidet die Dienste voneinander

Sowohl in den GameStar-Kommentaren als auch auf anderen Plattformen bin ich während meiner Recherche immer wieder auf Missverständnisse rund um die Bücherei-Apps gestoßen. Deshalb verrate ich euch im Folgenden, was hinter den zwei größten Mythen steckt.

Mythos 1: »Ist Libby nicht einfach der Nachfolger der Onleihe?«

Die Wahrheit: Nein. Libby ist eine eigenständige, internationale Plattform der US-Firma OverDrive. Viele deutsche Bibliotheken bieten heute einfach beide Dienste parallel an, auch wenn die Inhalte sich unterscheiden.

Mythos 2: »Die Onleihe funktioniert nur auf deutschen E-Readern, Libby läuft hier gar nicht.«

Die Wahrheit: Das hängt vom verwendeten Endgerät ab. Während die Onleihe auf deutschen E-Readern meist vorinstalliert ist, sperren manche Systeme die Installation von Libby und Onleihe aus.

Das gilt für die verschiedenen E-Reader:
Tolino

Die Onleihe ist fest auf deutschen E-Readern wie dem Tolino integriert. Libby läuft auf klassischen Tolinos hingegen nicht ohne Umwege – wie dem integrierten Browser via Adobe DRM.

Kindle

In Deutschland geht ihr mit einem Kindle bei beiden Diensten leer aus. Den bekannten Kindle-Support von Libby gibt es leider nur bei Geräten aus den USA.

Android-Reader (z.B. Onyx Boox)

Wenn ihr einen offenen E-Reader besitzt, der externe Apps zulässt, könnt ihr euch über den App Store sowohl die Onleihe-App als auch die Libby-App ganz einfach installieren.

Onleihe vs. Libby im App-Test: Für mich gibt es keinen klaren Gewinner, nur Vorzüge für bestimmte User

Um den App-Test machen zu können, habe ich mir einen Bibliotheksausweis gekauft, mit dem ich Zugriff auf den Franken-Verbund habe. Dadurch kann ich nur einen Test für meine entsprechende Bibliotheksauswahl durchführen, weshalb sich eure Erfahrung von meiner unterscheiden kann.

Die Onleihe-App: Der solide Klassiker für E-Books, Hörbücher, Zeitschriften und Co.

Die Anmeldung bei der Onleihe ist denkbar einfach und ich brauche nicht mehr als meine Bibliotheks-Ausweisnummer sowie das dazugehörige Passwort. Zusätzlich kann ich meinen Account mit einer E-Mail und einem Benutzernamen verknüpfen, um die Anmeldung noch einfacher zu machen.

Auf der Startseite springen mir sofort die Neuzugänge ins Auge. Beliebte Titel sind zwar meistens schon vergriffen, lassen sich aber unkompliziert vormerken.

Aber auch dann solltet ihr Geduld mitbringen, denn bei der Onleihe gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Vor allem bei Top-Titeln sind Wartezeiten von über einem Monat keine Seltenheit.

Bei meinem »Onleihe«-Zugang gibt es über 56.000 Medien in verschiedenen Sprachen. (Bildquelle: GameStar Tech Aaron Hofmann) Bei meinem »Onleihe«-Zugang gibt es über 56.000 Medien in verschiedenen Sprachen. (Bildquelle: GameStar Tech / Aaron Hofmann)

Die App arbeitet mit dynamischen Themen-Kategorien, die sich aktuellen Ereignissen anpassen. Passend zum Pride Month gibt es beispielsweise eine Auswahl rund um LGBTQ-Themen. Sobald ich die ersten Medien angesehen oder ausgeliehen habe, wird mir zudem ein personalisierter Abschnitt angezeigt.

Unter dem Reiter Meine Medien ist alles übersichtlich aufgeteilt: Ausleihen, Vormerkungen und der Merkzettel für künftige Lektüren.

Bei der Mediensuche merke ich jedoch den ersten Haken, der mit einem lokalen Angebot kommt. Während die Suche zwar flexibel ist, besitzt meine Bibliothek keine Lizenzen für Filme und nur begrenzte englischsprachige Bücher – was mich nicht stört, aber dennoch eine Einschränkung ist.

Mein Highlight sind die Tageszeitungen und Magazine. So kann ich mir die neueste Ausgabe der GeoEpoche, die ich mir sonst ab und zu im Laden gekauft hätte, kostenlos auf das Gerät laden.

Die Libby-App im Test: Das kann der internationale Bibliotheks-Ansatz aus den USA

Auch bei Libby klappt der Login über Bibliotheksausweis und Passwort problemlos – auch wenn es hier keine E-Mail-Verknüpfung gibt.

Der erste optische Eindruck ist allerdings gewöhnungsbedürftig: Die Benutzeroberfläche wirkt auf mich im Vergleich zur Onleihe überladen und unübersichtlich.

Die App bricht bewusst mit dem oft als spießig-konservativ empfundenen Image von Bibliotheken, was bei mir anfangs jedoch eher für Irritation gesorgt hat.

Ein Beispiel: Ein Banner mit einem Fußball-Symbol und dem Slogan Lesen. Hören. Punkten. soll mir sagen, dass es passend zur aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft eine Sonderseite mit über 70 Titeln gibt.

Die eigentliche inhaltliche Übersicht versteckt sich etwas weiter unten unter der Rubrik Schwerpunkte, die mir sagen soll, welche Medien mich in der App erwarten.

Die »Libby«-App unterscheidet sich nicht nur in ihrer Gestaltung stark von der »Onleihe«, sondern auch in ihren Inhalten. (Bildquelle: GameStar Tech Aaron Hofmann) Die »Libby«-App unterscheidet sich nicht nur in ihrer Gestaltung stark von der »Onleihe«, sondern auch in ihren Inhalten. (Bildquelle: GameStar Tech / Aaron Hofmann)

Das Sortiment unterscheidet sich fundamental von der Onleihe: Mein Verbund listet hier zwar nur knapp 12.500 Titel, aber mehr als die Hälfte davon ist auf Englisch – bei der Onleihe sind es rund 56.000 Medien.

Bei der Anzahl der deutschen Bücher bin ich allerdings enttäuscht. Klar fokussieren sich die Bibliotheken in der App mehr auf internationale Inhalte, dennoch gibt es bei mir gerade einmal 78 deutschsprachige E-Books.

Zudem finde ich hier aktuelle internationale Trends und virale Buchreihen – wie die Game Changer beziehungsweise Heated Rivalry-Serie von Rachel Reid. Weitergehend setzt mein Verbund bei Libby massiv auf Audio, weshalb es viermal so viele Hörbücher wie E-Books gibt.

Welche App ist nun der Testsieger?

Diese Frage lässt sich von mir nur schwer beantworten. Gestaltungstechnisch ist die Onleihe für mich der klare Sieger, jedoch sind die vielen Hörbücher und englischsprachigen Inhalte für mich ein absolutes Highlight bei Libby.

In der Gesamtauswahl ist aber natürlich die Onleihe klar im Vorteil, da sie schon länger existiert und weiter verbreitet ist. Allein im Vergleich der E-Books hat die digitale Bibliothek aus Deutschland an die 50.000 E-Books, wohingegen der amerikanische Konkurrent mit nur 1000 Bücher fast schon klein wirkt.



Da das Angebot letztendlich stark vom Budget und den Verträgen der eigenen Heimatbibliothek abhängt, lautet meine Empfehlung: Nutzt einfach beide Apps parallel.

Weil beide Dienste automatisch in eurer normalen Bibliotheksmitgliedschaft enthalten sind, kostet es euch keinen Cent extra, das Beste aus beiden Welten zu kombinieren.

Aaron Hofmann

Anmerkung des Autors: Früher habe ich meine E-Books aus den unterschiedlichsten Quellen bezogen und als Sachbuch-Fan viel auf kostenlose Uni-Bibliotheken zurückgegriffen.

Die Online-Bibliotheken bieten für mich eine fantastische, legale und extrem günstige Alternative zu teuren Abo-Modellen oder bekannten Schattenbibliotheken.

In meinem Fall sichere ich mir für einen lächerlich geringen Betrag von gerade einmal 8 Euro im Jahr eine gigantische Medienauswahl und unterstütze gleichzeitig meine Bücherei vor Ort.

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