Es gibt gute Gründe, die für physische Bücher anstelle von E-Books sprechen. Mit solchen könnt ihr euch nicht nur eine schöne Sammlung aufbauen, sie liefern beim Lesen auch eine ganz andere Haptik, die einfach authentisch ist.
Am Ende des Tages sind E-Reader eben doch nur Tablets – wenn auch mit augenfreundlichem E-Ink-Display. Physische Bücher lassen sich außerdem aus örtlichen Stadtbibliotheken ausleihen; wusstet ihr jedoch, dass dies inzwischen auch mit E-Books geht?
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Tablet oder Notizbuch? Das steckt im reMarkable Paper Pro Move
Hierzulande gibt es die sogenannte Onleihe und sie funktioniert nur mit E-Readern aus dem deutschen Buchhandel.
Solltet ihr also die Vorteile von E-Books schätzen, aber den Nutzen eurer örtlichen Bibliothek vermissen, lohnt sich der Kauf eines Tolino oder Pocketbooks mehr als der eines Kindle – aber die haben ihre eigenen Vorteile.
Was ist die Onleihe?
Die Onleihe ist im Grunde der digitale Arm eurer örtlichen Stadtbibliothek. Anstatt physisch in die Regale zu greifen, leiht ihr euch eBooks, ePaper oder Hörbücher einfach per App, Browser oder kompatiblen E-Reader aus.
Um den Dienst nutzen zu können, müssen nur zwei Dinge erfüllt sein:
- Mitgliedschaft in der örtlichen Bibliothek
- Diese muss Teil des Onleihe-Programms sein
Auf der Onleihe-Homepage könnt ihr selbst überprüfen, ob eure Bibliothek Teil des Programms ist, aber am besten erkundigt ihr euch direkt bei dieser.
Der Grund: Meine Stadtbibliothek hier in Schwäbisch Gmünd wurde über die Homepage der Onleihe nicht gefunden, weil sie eine eigene Webseite besitzt.
Onleihe vs. Kindle Unlimited: Der Unterschied
Während Kindle Unlimited ein kommerzielles Abo-Modell von Amazon ist – eine Art Netflix für Bücher, bei dem ihr gegen eine monatliche Gebühr unbegrenzten Zugriff auf einen bestimmten Katalog habt –funktioniert die Onleihe nach dem klassischen Leihprinzip mit jährlichem Beitrag an eure örtliche Bibliothek.
Hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Merkmal | Onleihe | Kindle Unlimited |
|---|---|---|
| Anbieter | Öffentliche Bibliotheken | Amazon |
| Kosten | Meist ein kleiner Jahresbeitrag (ca. 10 - 30 €) | Monatliches Abo (ca. 11,75 €) |
| Geräte | Tolino, PocketBook, Tablet, Smartphone, PC | Kindle-Geräte, Tablet, Smartphone, PC |
Bei der Onleihe durchsucht ihr das E-Book-Kontingent eurer Bibliothek und leiht euch die Bücher aus, die verfügbar sind oder ihr setzt euch eine Benachrichtigung dafür, wann es zurückgegeben wird.
Anschließend habt ihr bis zu 21 Tage Zeit, das Buch zu lesen; danach wird es automatisch zurückgegeben – sprich, ihr verliert Zugriff auf die Datei. Ein Gang in die Bibliothek ist nicht notwendig.
Warum muss ich auf eine digitale Datei warten?
Es klingt im 21. Jahrhundert fast paradox: Warum ist ein E-Book »vergriffen« oder muss von einem anderen Nutzer »zurückgegeben« werden, bevor ihr es lesen könnt? Schließlich ist es doch nur eine Datei, die man unendlich oft kopieren könnte?
Der Grund dafür ist nicht technischer, sondern lizenzrechtlicher Natur. Um die Verlage und Autoren zu schützen, gilt das Prinzip »One Copy, One User«:
- Eine Bibliothek kauft für ein E-Book eine bestimmte Anzahl an Lizenzen (zum Beispiel drei Exemplare eines Bestsellers).
- Das Urheberrecht schreibt vor, dass ein digitales Buch wie ein physisches Buch behandelt werden muss. Eine Lizenz erlaubt also genau einer Person gleichzeitig den Zugriff.
- Sobald die Leihfrist abläuft, erlischt der digitale Schlüssel auf dem Gerät des Nutzers und die Datei wird für den nächsten in der Warteschlange wieder freigeschaltet.
Die Onleihe ist offiziell nur mit zwei E-Reader-Unternehmen kompatibel
Offiziell ist diese Funktion ausschließlich über E-Reader von Tolino und Pocketbook verfügbar.
Ich nutze das Feature auf einem Tolino Vision Color und obwohl der Vorgang etwas umständlich wirkt, funktioniert es reibungslos.
- Der Tolino muss auf dem aktuellsten Stand sein.
- Unter den Beta-Funktionen ruft man den Webbrowser auf.
- Dort öffne ich die Onleihe-Webseite meiner Stadtbibliothek.
- Ich melde mich mit meinen Bibliotheks-Daten an.
- Jetzt kann ich Bücher aussuchen und ausleihen.
Zwar gibt es keine App im klassischen Sinne, aber durch die Einbindung des Browsers bleibt man unabhängig vom Ökosystem eines einzelnen Herstellers.
Einmal angemeldet, landen die Bücher direkt in der Bibliothek – inklusive praktischer Anzeige der verbleibenden Tage direkt unter dem Cover.
Die Tolino-E-Reader zeigen an, wie lange ihr das Buch noch lesen könnt und es gibt die Option, sie früher zurückzugeben. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Sollte ein Buch nicht zu euch passen, habt ihr außerdem die Möglichkeit, es früher zurückzugeben, damit sich eine andere Person darüber freuen kann.
Meine örtliche Stadtbibliothek erlaubt mir, bis zu 15 E-Books gleichzeitig auszuleihen. Diese Menge kann sich aber zu anderen unterscheiden, da sie von den Bibliotheken festgelegt wird.
Ein wichtiges Kaufargument für deutsche E-Reader: Die Onleihe erlaubt es mir, meine Mitgliedschaft in der Stadtbibliothek sinnvoll zu nutzen und neue Bücher zu entdecken.
Für gerade einmal 18 Euro im Jahr bekomme ich so Zugriff auf tausende Bücher und unterstütze dabei sogar die Arbeit von Menschen in meiner Stadt.
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Der Kindle ist in anderen Bereichen stark
Bei Kindle Unlimited habt ihr (ironischerweise) auch eine begrenzte Anzahl an gleichzeitig geliehenen Büchern. 20 Stück dürft ihr zur selben Zeit besitzen. Allerdings müsst ihr sie nicht nach einem vorgegebenen Zeitraum zurückgeben und könnt euch beim Lesen die Zeit lassen.
Solange ihr das monatliche Abo bezahlt, habt ihr zeitlich unbegrenzten Zugang zu diesen Büchern, wenn sie auch im Sortiment von Kindle Unlimited bleiben. Dafür ist der Dienst deutlich teurer als die Mitgliedschaft in deutschen Bibliotheken.
Ein weiterer Pluspunkt für Kindle sind die breit verfügbaren Leseproben. Ihr könnt in nahezu jedes Buch auf Amazon hineinschnuppern; so kann man auch neue Bücher für sich entdecken.
Ich für meinen Teil genieße die Auswahl, die mir das Onleihe-Feature bietet und dafür bezahle ich gerne einen jährlichen Beitrag, der gerade mal so hoch ist wie eine Mahlzeit in einem Restaurant.
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