Seit Jahren tippe ich meine Notizen fast ausschließlich in Apps. Vor einer Weile habe ich zwar wieder angefangen, von Hand zu schreiben und mir dafür extra einen hochwertigen Füller für mein Journal zugelegt, für alltägliche Notizen blieb ich der Tastatur jedoch treu.
Dass ich jetzt auch bei meinen Notizen wieder regelmäßig zum Stift greife, verdanke ich ausgerechnet einem Tablet: einem E-Ink-Tablet.
Was ist das iFLYTEK AINOTE 2?
Das iFLYTEK AINOTE 2 ist ein Android-Tablet mit einem E-Ink-Bildschirm. Das ist dieselbe Display-Technologie, die auch in bekannten E-Readern, wie etwa dem Amazon Kindle, steckt.
Primär hat das Gerät den Zweck, als digitaler Notizblock zu dienen. Mit einem Stylus, der magnetisch am Gehäuse hält und keine zusätzliche Stromversorgung benötigt, könnt ihr handschriftlich schreiben.
Darüber hinaus lässt sich so ein Tablet auch wunderbar zum Lesen einsetzen. Weil das Betriebssystem auf Android basiert und der Google Play Store vorinstalliert ist, stehen außerdem sämtliche Apps zur Verfügung, wie man sie auch schon vom Smartphone kennt.
Im optionalen Case sieht das Gerät aus wie ein normales DIN-A4-Notizbuch. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Besonders positiv hat mir die Verarbeitung und das Design vom Tablet gefallen. Es ist unglaublich dünn, leicht und hochwertig. Der Rahmen besteht aus Aluminium und die seitlichen Bildschirmränder sind dünn, aber nicht so sehr, dass man nirgendwo mehr greifen könnte.
Der untere Rand ist jedoch deutlich dicker und ein aufgedrucktes Design täuscht vor, dass der Bildschirm größer ist, als er eigentlich ist.
Technische Daten auf einen Blick:
- Bildschirm: 10,65-Zoll E-Ink, 1920 x 2560, 300 ppi
- CPU: RK3576 Octa-Core
- Speicher: 4 GB RAM + 64 GB ROM
- Konnektivität: Bluetooth 5.4, Wi-Fi 6
- Audio: 4 Mikrofone, keine Lautsprecher
- Akku: 4.000 mAh
- Anschlüsse: USB-C 3.0, Pogo-Pins für Accessoires
- Maße: 247 x 178 x 4,2 mm
- Gewicht: 295 g
- Stylus: Wacom passiver elektromagnetischer Stift
- Preis: Ab 600 Euro
Als digitales Notizbuch
Ein farbloser E-Ink-Bildschirm: Das Hauptmerkmal des iFLYTEK AINOTE 2 ist ganz klar der E-Ink-Bildschirm. Der Hersteller hat sich hier für ein monochromes Display entschieden, was zuerst nach einem Nachteil klingt, aber nicht unbedingt einer ist.
Farblose E-Ink-Bildschirme sind gegenüber farbigen in puncto Schärfe, Kontrast und Weißdarstellung weiterhin überlegen (was sich jedoch bald ändern könnte). Wenn ihr ausschließlich Text und simple Grafiken festhalten wollt, dann freut ihr euch darüber.
Einschränkend wird es, wenn ihr in euren Notizen gerne mit farbigen Diagrammen, Markierungen und Fotos arbeitet – dann geht ihr leer aus.
Ghosting ist bei solchen Bildschirmen weiterhin ein Thema, das hier allerdings elegant gelöst wird. Ein Doppeltipp auf den Bildschirm aktualisiert den gesamten Bildschirminhalt und Geisterbilder verschwinden.
Keine Beleuchtung: Während ich im Fehlen der Farbe noch etwas Positives herausziehen kann, finde ich es enttäuschend, dass der Bildschirm nicht beleuchtet ist. Gut, ein echtes Notizbuch hat auch keine Beleuchtung, aber bei einem so teuren Tablet habe ich das schon vermisst. Wollt ihr abends etwas schreiben oder lesen, müsst ihr also eine Leselampe bereithalten.
Ein Schreibgefühl, wie auf Papier: Es macht unglaublich viel Spaß, auf diesem Tablet zu schreiben und das gleich aus mehreren Gründen:
- Die Oberfläche ist matt und sehr fein texturiert, wie bei einem Blatt Papier. Der Stylus gleitet nicht so rutschig über den Bildschirm, wie etwa bei einem iPad.
- Die Kombination aus E-Ink-Bildschirm, dem Stift, der matten Oberfläche und dem Fehlen eines sichtbaren Parallax-Effektes, gaukelt mir sehr glaubhaft die Illusion vor, als würde ich wirklich auf Papier schreiben.
- Eine Kleinigkeit, die ich sehr schätze, ist die Radiergummi-Funktion des Stiftes. Man muss ihn nur umdrehen, wie bei einem Bleistift. Das fühlt sich natürlich an.
- Mein Arm und meine Hand werden die meiste Zeit beim Schreiben zuverlässig ignoriert. Komplett fehlerfrei war die Erkennung dennoch nicht ganz, da es zweimal zu unbeabsichtigten Eingaben kam. In meinem Nutzungszeitraum von etwa zwei Wochen ist das dennoch ein guter Wert.
- Genau wie bei Wacom-Tablets erkennt das iFLYTEK AINOTE 2 unterschiedliche Druckstärken und stellt die Linien dicker oder dünner dar.
- Über das Schnellmenü (wie bei Android-Tablets, erreichbar, indem man am oberen Bildschirmrand nach unten wischt), lässt sich im Handumdrehen der Stift wechseln oder die Stärke einstellen.
- Eine Eingabe-Latenz habe ich im alltäglichen Gebrauch nicht wahrgenommen (unter 20ms laut Herstellerangabe).
Alles in allem motiviert mich das Gerät dazu, wieder öfter von Hand zu schreiben. Es ist zwar nicht effizienter als Tippen, aber es macht Laune!
Kalender-App: Mit der vorinstallierten Kalender-App kann ich handschriftlich Routinen, Aufgaben und Termine eintragen. Bei Bedarf können die Aufschriebe von handschriftlicher Schrift in Druckschrift umgewandelt werden, was überraschend zuverlässig funktioniert. Die KI korrigiert dabei sogar Rechtschreibfehler eigenständig.
Ein einfacher Launcher, maßgeschneidert für Notizen: Obwohl die Software auf Android basiert, erinnert die Benutzeroberfläche nur entfernt daran. Stattdessen ist ein Launcher installiert, der das Erstellen und Bearbeiten von Notizen so reibungslos wie möglich machen will.
Auf der linken Seite findet ihr die unterschiedlichen Ordner für eure Aufschriebe, Schnellzugriff für Kalender und Reader und den App-Drawer. Auf der rechten Seite befinden sich die Notizen. Entweder in einer Listen- oder in einer Kachelansicht.
Notizen-Synchronisierung: Bis zu 50 angelegte Notizbücher werden mit dem AINOTE-Konto synchronisiert. So habe ich sie auch bei mir, wenn ich nur mit dem Handy unterwegs bin. Es gibt hier jedoch eine nervige Einschränkung: Die Notizen lassen sich auf meinem Smartphone betrachten, teilen und drucken, aber nicht bearbeiten. Alternativ lassen sie sich als PDF, TXT oder DOC exportieren.
Aufnahmefunktion: Mit dem eingebauten Mikrofon lassen sich Notizen oder auch ganze Meetings einsprechen. Das Tablet transkribiert das Gesprochene und eine KI kann den Inhalt bei Bedarf ordentlich zusammenfassen. Das Problem: Das funktioniert offline nur mit einem zusätzlichen Abo.
KI-Taste: Mit einer physischen KI-Taste lässt sich jederzeit ein KI-Chatfenster mit GPT-5.2 öffnen. Es stehen auch weitere Modelle zur Verfügung, die allerdings kostenpflichtig sind. Ihr könnt der KI per Spracheingabe zum Beispiel Fragen zu eurem Dokument stellen, es zusammenfassen oder übersetzen lassen.
Die Notizen, Aufnahmen und Besprechungsprotokolle sollen laut dem Hersteller in der Amazon-Web-Service-Cloud privat und geschützt gespeichert werden. Trotzdem würde ich es vermeiden, besonders sensible Daten mit der KI auszutauschen.
Das Abo von iFLYTEK in der Übersicht:
| Funktion | AINOTE Starter-Plan (Kostenlos) | AINOTE Pro-Plan (5,99 $ / Monat) |
|---|---|---|
| Online-Transkription | unbegrenzt | unbegrenzt |
| Offline-Transkription | ❌ Nein | ✅ Ja (in vier Sprachen) |
| Online-Übersetzung | unbegrenzt | unbegrenzt |
| Sprecher-Erkennung | ✅ Ja | ✅ Ja |
| KI-Modelle | GPT-5 | GPT-5, Gemini 3 Pro (immer auf dem neuesten Stand) |
| Notizen-Synchronisierung | Begrenzt (Cloud-Sync nur für Notizbücher der letzten 50 Tage) | Unbegrenzt |
| Notizen ansehen (App & PC) | ✅ Ja | ✅ Ja |
| Notizen bearbeiten (App & PC) | ❌ Nein | ✅ Ja |
| Bildschirmübertragung (Screencasting) | ✅ Ja | ✅ Ja |
Als Kindle-Alternative
Der über 10-Zoll große E-Ink-Bildschirm lässt sich wenig überraschend auch hervorragend zum Lesen verwenden. Ferner bietet das Gerät einige wichtige Vorteile gegenüber Kindle und Co.:
- Mehr Bildschirmfläche: Das ist nicht nur nützlich für klassische Bücher, sondern besonders hilfreich für das Lesen von PDFs, Artikeln oder Mangas. Auch für Menschen mit Sehschwächen kann die größere Bildschirmfläche ein Segen sein.
- Android und Play Store: Im Vergleich zum Kindle oder anderen geschlossenen Systemen, habe ich bei E-Readern auf Android-Basis Zugriff auf sämtliche Apps des Play Stores. So kann ich die Kindle-App, Onleihe, Readly, Libby oder sonstige Lese-Apps verwenden.
- Markierungen und Notizen in E-Books: Mit dem Stylus lassen sich Notizen und Markierungen schnell innerhalb der Bücher anfertigen. Markierte Textpassagen lassen sich später gesammelt in einer Ansicht anzeigen.
Es gibt jedoch auch drei große Nachteile, die ihr vorher auf dem Schirm haben solltet, solltet ihr dieses Tablet zum Lesen verwenden wollen:
- Keine Bildschirmbeleuchtung: Genau wie bei der Verwendung als Notizbuch vermisse ich beim Lesen die Beleuchtung schmerzlich. Wer abends lesen möchte, sollte eine Leselampe parat haben.
- Weniger gut geeignet für Comics: Mangas sehen auf dem Gerät zwar fantastisch aus, weil sie größtenteils auf Farbe verzichten, aber bei Comics und Graphic Novels vermisse ich die Farben durchaus.
- Kein Wasserschutz: Viele E-Reader sind inzwischen wie Smartphones gegen Feuchtigkeit und Kleinpartikel geschützt. Notizen-Tablets, wie dieses, sind das oft nicht und der iFLYTEK AINOTE 2 ist da keine Ausnahme.
Die Akkulaufzeit ist übrigens E-Ink-typisch exzellent, wobei ihr auch hier mit einem kleinen Downgrade leben müsst. Während ihr einen Kindle nur etwa alle vier bis sechs Wochen aufladen müsst, muss der iFLYTEK AINOTE 2 alle zehn bis 14 Tage an die Steckdose – je nach Nutzungsverhalten gibt es natürlich große Unterschiede.
Alternativen:
Teurer Spaß, der trotzdem Laune macht
Dass mich nach all den Jahren mit reinen Notiz-Apps ausgerechnet ein Tablet dazu motiviert, wieder mehr von Hand zu schreiben, hätte ich vorher nicht gedacht. Aber das iFLYTEK AINOTE 2 hat genau das geschafft: Es macht einfach wieder Laune, Notizen per Hand festzuhalten.
Das Schreibgefühl kommt durch die matte Oberfläche und das direkte Ansprechverhalten verblüffend nah an echtem Papier heran. Dazu kommt der Vorteil von Android und dem Play Store, wodurch das Gerät auch abseits von Notizen ein sehr flexibler E-Reader für PDFs oder Lesestoff ist.
Trotzdem bleibt der Preis ab 600 Euro eine gewaltige Hürde. Bei so einer Summe stört mich die fehlende Bildschirmbeleuchtung im Alltag sehr. Wer abends auf der Couch noch schreiben oder lesen will, braucht zwingend eine Leselampe. Auch dass manche Funktionen offline nur mit einem zusätzlichen Abo funktionieren, ist bei diesem Einstiegspreis schlicht ärgerlich.
Trotz dieser Minuspunkte hat das Note 2 bei mir voll ins Schwarze getroffen. Mein Füller bleibt weiterhin für mein Journal reserviert, aber bei meinen täglichen Notizen greife ich mittlerweile echt gerne zum Stylus statt zur Tastatur.

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