Drei Jahrzehnte lang war Intel der unbestrittene König der Desktop-Prozessoren. Das charakteristische »Intel Inside«-Logo und der Vier-Sekunden-Jingle (auch als »Intel Bong« bekannt) des österreichischen Komponisten Walter Werzowa machten Intel zu einer der bekanntesten Marken der Technologiebranche.
Die 1991 gestartete Kampagne revolutionierte das sogenannte »Ingredient Branding« und machte aus einem B2B-Zulieferer eine Haushaltsmarke. Die Zeiten der Dominanz neigen sich aber wohl allmählich dem Ende, wie auch der neue CEO Lip-Bu Tan erklärt:
»Intel ist nicht mehr in den Top 10 der führenden Chiphersteller«.
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Keine Kehrtwende, sondern ein Marathon
Diese Aussage tätigte der Intel-Chef im Rahmen einer neuerlichen Runde an Entlassungen, die rund 20 Prozent der Fabrikarbeiter betrifft. Kurz darauf wandte sich Tan in einer internen Memo (via OregonLive) an die gesamte Belegschaft, um den Blick in die Zukunft zu werfen.
Intel-Kunden seien demzufolge immer unzufriedener mit den Produkten, die das Unternehmen auf den Markt wirft – während man zeitgleich hinter den Branchenführern wie Nvidia, Broadcom und ja, auch AMD hinterherhinkt.
Die genannten Konkurrenten seien Intel schlicht enteilt, flexibler und schneller unterwegs, gerade im Hinblick auf die Welle an KI-Investitionen.
Entsprechend sieht Tan die Prioritäten ganz woanders, um Intel wieder auf Kurs zu bringen: Die 18A-Fertigung soll vielleicht nicht der Heilsbringer im Alleingang, aber zumindest ein Stabilisator für das schlingernde Schiff werden.
Intels 18A-Fertigung ist Unternehmensangaben zufolge der größte Fortschritt der Transistorentechnologie seit über einem Jahrzehnt. Statt der bisherigen FinFET-Transistoren kommt RibbonFET mit einer Strukturbreite von 1,8 Nanometern zum Einsatz.
Daraus soll eine um 30 Prozent gesteigerte Transistorendichte resultieren, was wiederum (als Beispielrechnung) gegenüber dem Vorgänger 36 Prozent weniger Stromverbrauch bei gleicher Leistung bedeutet.
Allerdings gibt es auch hier Probleme zu beobachten. In den vergangenen Monaten sprachen Experten im Kontext der Yields (die »Ausbeute funktionierender Chips«) von etwa 20 bis 30 Prozent – viel zu wenig, um eine Massenproduktion zu starten.
Immerhin sieht auch Tan die »Robustheit für unsere internen Kunden« als Ziel für 18A an; Intel selbst wird wohl zumindest teilweise auf Marktführer TSMC zurückgreifen.
Hintergrund: Das Intel-Katastrophenjahr 2024
Intel, das noch 2023 solide Gewinne erwirtschaftete, rutschte 2024 in dramatische Verluste ab. Der negative Höhepunkt lag im dritten Quartal 2024, als ein Rekordverlust von 16,6 Milliarden US-Dollar gemeldet wurde. Die Auswirkungen dieser finanziellen Schwierigkeiten sind weitreichend:
- Intel kündigte schon nach dem damaligen Seuchenquartal die Entlassung von mehr als 15.000 Mitarbeitern an; das entsprach über 15 Prozent der gesamten Belegschaft.
- Der damalige Chef Pat Gelsinger wurde von seinen Aufgaben entbunden, zudem wurde die Dividendenzahlung ausgesetzt und Kapitalausgaben um 20 Prozent reduziert.
- Auch der Unternehmenswert verdeutlicht die Krise: War Intel noch Anfang 2024 mit rund 200 Milliarden US-Dollar bewertet, ist es zum Juli 2025 noch die Hälfte.
Weg von den reinen Zahlen und hin zum »Bauchgefühl des Marktes«, das sich infolge der 2024 verfügbaren Intel-CPUs entwickelt hat, sieht die Lage ebenfalls nicht gut aus, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen.
Waren die 13. und 14. Generation von Intel noch von massiven Degradingproblemen geplagt, kommt die aktuelle Arrow-Lake-Serie alias Core Ultra 200 in mehrfacher Hinsicht nicht in Fahrt.
Von Problemen mit Easy-Anti-Cheat, gedrosselter Leistung und nicht konkurrenzfähiger Effizienz sind die Baustellen vielfältig genug, um auch im Consumer-Markt für Stottern zu sorgen.
Auch die PC-Spieler scheinen sich einig
Inzwischen äußert sich die bröckelnde Intel-Dominanz auch in den Zahlen, die PC-Spieler seit Ankunft der ersten X3D-Prozessoren von AMD äußern: Allmählich verliert Intel signifikante Marktanteile, wenn es nach der monatlichen Steam-Umfrage (via PCGamesN) geht.
Achtung: Natürlich kann diese nicht den gesamten Markt abbilden. Innerhalb des für uns Spieler relevanten Bereichs sind die Steam-Umfragen aber stets ein guter Anhaltspunkt für die Beliebtheit von Hardwarekomponenten.
- Vor fünf Jahren waren laut diesen Steam-Umfragen rund 76 Prozent der genutzten CPUs von Intel. 2022 kamen schließlich die ersten X3D-Chips von AMD, die sich seitdem konstant die Krone der besten Gaming-CPU sichern konnten.
- Im Juni 2024 (also mitten in der Intel-Krise) sah man diese Leistung bereits erste Früchte tragen: Die Steam-Umfragen sahen hier nur 66 Prozent Intel-Anteile.
In den zwölf Monaten darauf folgte der in diesem spezifischen Kontext beispiellose Absturz: Mittlerweile sind nur noch 60 Prozent Intel-CPUs bei den Steam-Spielern vertreten – Tendenz weiter fallend, denn AMD schläft natürlich nicht und hat es inzwischen sogar geschafft, dass die aktuellen Ryzen 9000X3D-Chips flächendeckend unterhalb der UVP verfügbar sind.
Intel Inside kehrt übrigens zurück
Immerhin sind die ersten vorsichtigen Zeichen der Besserung zu sehen: Arrow Lake zeigt sich immer weniger fehleranfällig; und Lip-Bu Tan traut sich neben der Hoffnung auf 18A auch, einen Ausblick auf das darauffolgende 14A-Verfahren zu geben.
Auch der eingangs erwähnte Intel Bong spielt eine Rolle: Im Rahmen einer Werbekampagne zum Unternehmen gab es den legendären Jingle tatsächlich noch einmal zu hören
Für die kommende Panther-Lake-Generation soll die Tonfolge wieder verstärkt ins Kundenbewusstsein gerufen werden. Ob sich zur Erinnerung an goldene Zeiten auch die Rückkehr zu alter Stärke gesellen wird, bleibt abzuwarten.
Was denkt ihr über Intels aktuelle Krise? Wird das Unternehmen die Kurve kriegen oder ist AMDs Aufstieg nicht mehr aufzuhalten?
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