Katastrophe Brexit - Wieso Videospieler Großbritanniens EU-Austritt fürchten sollten

Die Briten wollen die Europäische Union verlassen. Was hat das mit Videospielen zu tun? So einiges. Denn für die traditionsreiche Videospielindustrie des Vereinigten Königreichs könnte das eine Katastrophe sein.

von Michael Förtsch,
23.10.2018 08:00 Uhr

Es war der Entscheid einer knappen Mehrheit der Briten, dass das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten wird. Das könnte das Leben von Videospielstudios deutlich schwerer machen. Aber wie sich die Insel von der EU lösen wird... tja, darüber wird immer noch gestritten.Es war der Entscheid einer knappen Mehrheit der Briten, dass das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten wird. Das könnte das Leben von Videospielstudios deutlich schwerer machen. Aber wie sich die Insel von der EU lösen wird... tja, darüber wird immer noch gestritten.

Viele hatten nicht daran geglaubt. Aber beim Referendum am 23. Juni 2016 stimmten 51,89 Prozent der Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union - den Brexit. Würde heute nochmal gewählt, würde die Entscheidung wohl anders ausschauen.

Wie nämlich mittlerweile klar ist, wurde von den Brexit-Befürwortern gelogen und betrogen. Auch das durch den jüngsten Facebook-Datenskandal berüchtigte Unternehmen Cambridge Analytica soll seine Finger im Spiel gehabt haben. Aber vor allem: Viele der Abstimmenden wussten nicht im Ansatz darüber Bescheid, was der EU-Austritt für sie und das Königreich eigentlich bedeuten würde.

Sicher ist jedoch: Sollte die Abstimmung nicht - wie durch ein Wunder - wiederholt werden, wird der Brexit zahlreiche Menschen und viele Unternehmen hart treffen. Darunter sind auch viele Firmen, Männer und Frauen, die uns auf besondere Weise am Herzen liegen. Nämlich urbritische Videospielstudios und ihre Teams, die uns teilweise schon seit Jahrzehnten mit interaktiven Erlebnissen beglücken.

Viel Tradition

Tatsächlich ist Großbritannien wohl die erfolgreichste und ruhmvollste europäische Videospielnation überhaupt. Mit Früh- und Kultwerken wie Elite, Dungeon Keeper, Baphomets Fluch, Populous, Lemmings und Tomb Raider ist das Königreich ein nicht wegzudiskutierender Pfeiler der Videospielhistorie.

Heute ist die Inselnation zuvorderst die Heimat des Grand-Theft-Auto-Studios Rockstar North, des Batman-Arkham-Machers Rocksteady, der No-Man's-Sky-Entwickler von Hello Games, der Little-Big-Planet-Jungs- und Mädels von Media Molecule, der Days-Gone-Machern von Sony Bend, des Football-Manager-Entwickler Sports Interactive, des Sea-of-Thieves-Studios Rare und zahlreichen mehr - nicht zuletzt etlicher Indie-Entwickler.

Wusstet ihr schon, dass ...

… einige der ältesten Videospielstudios in Großbritannien sind? Seit fast 36 Jahren ist Jeff Minter mit seinem Studio Llamasoft im Geschäft, das sowohl Atari- und C64-Klassiker wie Gridrunner als auch das - auf einer urbanen Legende basierende - Polybius für Oculus Rift entwickelt hat. Nur wenige Jahre jünger, nämlich 31 und 30 Jahre, sind die Total-War-Macher Creative Assembly und Climax Studios, die an den Silent-Hill- und Warcraft-Reihen mitgewirkt haben.

… die britische Spieleindustrie 2009 mehr Umsatz machte als die britische Filmindustrie? Die Briten sind überhaupt die Nummer 3 der Nationen in Sachen Spielentwicklung, wenn es nach Umsatz geht.

... dass in Großbritannien das erste Open-World-Videospiel entwickelt wurde? Die Weltraumsimulation Elite bot schon 1984 auf dem BBC Micro ein offenes Universum - selbst wenn das heute ziemlich leer und unspektakulär wirken mag.

»Aber der Brexit wird es für uns alle schwieriger machen«, sagt David Braben, Gründer des Elite-Dangerous- und Planet-Coaster-Studios Frontier. »Viele Designer und Programmierer kommen aus dem Ausland zu uns, das ist es, was unsere Studios auch ausmacht. Es gibt viel Unsicherheit darüber, ob die Leute bleiben können und ob andere nach dem Brexit noch hierherkommen wollen.«

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