Heinrich hat in Kingdom Come: Deliverance 2 ganz schön Glück, denn ziemlich viele Leute rund um Burg Trosky sind ziemlich nett zu ihm, dafür dass er anfangs als abgerissener Lump durch die Gegend stolpert. Einer von ihnen zeigt sich ganz besonders hilfsbereit: Hauptmann Knorren aus Semin.
Entscheidet ihr euch für den Weg über den Schmied zur Hochzeit, dann zieht ihr mit Knorren auf eine gefährliche Mission, bei der er euch gleich zwei nützliche und rührende Geschenke überreichen kann: seinen Holzknüppel, dem er seinen Spitznamen verdankt, und seinen grün-weiß bemalten Wappenschild.
Doch wusstet ihr, dass er nicht immer ein gutmütiger, wenn auch grantelnder alter Herr war? Knorren war früher nämlich ein Schwerverbrecher, dem der Galgen drohte!
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Kingdom Come: Deliverance - Der Trailer zeigt das Rollenspiel nicht nur als Brettspiel, sondern auch in der Realität
Vom Verurteilten zum besten Freund des Lords
Die wahre Lebensgeschichte von Knorren ist tief in einer Nebenquest versteckt, bei der ihr Wildhüter Vostatek helft, einen Wilderer aufzuspüren. Um an den seltenen Dialog zu kommen, müsst ihr in einem bestimmten Wilderer-Lager einen Bogen finden. Geht dazu in nordwestlicher Richtung vom Schnellreisepunkt Steinturmsee, bis ihr im Wald auf das verlassene Camp stoßt.
Dort hängt ein Wilderer-Bogen neben einem Hirschgeweih an einer Holzwand. Nun könnt ihr diese Waffe Vostatek zeigen, der daraufhin erzählt, er hätte Knorren früher mal mit so einem Bogen gesehen. Heinrich solle es aber gut sein lassen, das sei lange her. Das schaltet einen versteckten Dialog mit dem Hauptmann von Semin frei, wenn ihr ihn anschließend besucht.
In gewohnt direkter Heinrich-Art kann man ihn fragen: »Warst du mal ein Wilderer, Knorren?« und ihm dann mit genug Redekunst entlocken, dass das wirklich der Wahrheit entspricht. Er habe früher aus Hunger illegal gejagt – aber auch, weil es so aufregend gewesen sei. Damit hat Knorren ein Verbrechen begangen, das zu seiner Zeit mit dem Tode bestraft wurde. Haben wir ja fast an unserem geliebten Herrn Hans erleben müssen.
Warum war Wilderei eigentlich so schlimm? Todesstrafe für ein bisschen unerlaubtes Jagen, ist das nicht übertrieben? Im Spiel selbst wird der historische Hintergrund nicht so ausführlich erklärt, aber Wilderei war im Grunde das Gleiche, wie den Herrn des jeweiligen Landes direkt zu bestehlen. Nur der hatte nämlich das Jagdrecht für sein Gebiet.
Neben dem Frevel des Diebstahls war Wilderei aber auch geächtet, weil die (erlaubte) Jagd dazu beitrug, die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch, Fett, Sehnen, Leder und anderen wichtigen Rohstoffen sicherzustellen. Dezimierten Wilderer die Jagdbeute zu sehr, konnte das schlimme Konsequenzen für alle haben.
Ausgenommen vom Verbot waren normalerweise Ratten, Mäuse und phasenweise Wölfe, also alles, was zum gefährlichen Schädling erklärt wurde. Dafür durften dann auch die einfachen Bauern Fallen aufstellen. Manchmal gab es sogar extra Belohnungen dafür.
Auch Knorren wurde beim Wildern erwischt, wie er uns erzählt. Lord Semin hat ihm dann eine Wahl gelassen: Dienst tun oder zum Galgen gehen. Die Wahl fiel Knorren natürlich leicht, und er bewies sich im Laufe der Jahre als so tüchtiger Soldat, dass er schließlich zum Hauptmann aufstieg. Und außerdem Lord Semins bester Freund wurde, wie man in der gemeinsamen Banditenjagd-Quest mit den beiden alten Kriegern erlebt.
Wenn Heinrich Knorren verspricht, die Geschichte auf sich beruhen zu lassen, lehrt der Hauptmann ihn kostenlos noch ein bisschen Überleben-Skill.
Das erklärt natürlich auch, warum Knorren sehr streng mit dem Räuberbaron Gules umgeht, den man mit ihm gemeinsam gefangen nimmt, gleichzeitig aber ohne Widerrede zulässt, dass der Räuber in den Wachdienst von Semin aufgenommen wird. Immerhin hat Knorren selbst so auch eine zweite Chance im Leben bekommen.
Obwohl ich monatelang gefühlt mehr Zeit in KCD2 als im echten Leben verbracht habe und immer die Schmiedequest wähle, kannte ich diese kleine Geschichte bisher nicht. Und das, wo Knorren doch zu meinen liebsten Nebenfiguren gehört! Seinen Schild habe ich im ersten Durchgang bis zum Spielende bei mir getragen, um ihm zu gedenken. Es ging damals beim Testspielen nämlich leider nicht gut mit ihm aus …
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