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Kingdom Come 2: Ist euch aufgefallen, wie selten es blaue Kleidung im Spiel gibt? Dahinter steckt ein historischer Grund

Wer Heinrich in Blau einkleiden möchte, muss dafür eine ganze Weile bei den Schneidern suchen. Dass die Farbe im Vergleich so schwer zu bekommen ist, liegt wie so vieles an der realen Geschichte.

Wer Heinrich in Königsblau packen will, muss dafür mehrere Händler abklappern und Truhen ausräumen. Oder natürlich das Outfit klauen. Wer Heinrich in Königsblau packen will, muss dafür mehrere Händler abklappern und Truhen ausräumen. Oder natürlich das Outfit klauen.

Kingdom Come: Deliverance 2 zeigt, wie bunt das Spätmittelalter wirklich war. Statt wie viele Hollywood-Werke auf dreckige Kleidung in Grau- und Brauntönen, setzt das Spiel auf knallige Farben für Hosen, Hemden, Gugeln, Mäntel, Hüte und sogar Rüstungen. Das gibt die historische Realität viel treffender wieder – Menschen haben schon immer Farben geliebt!

Im Rollenspiel steht uns eine breite Palette zur Wahl. Doch Blautöne (und das nahe verwandte Lila) sind vergleichsweise selten zu finden. Ihr ahnt es schon, das hat historische Gründe. Nehmen wir mal den Farbpinsel unter die Lupe.

Stephanie Schlottag
Stephanie Schlottag

Dass Redakteurin Steffi einen sattblauen Hintergrund für ihr Autorenbild gewählt hat, liegt (leider) nicht daran, dass sie super reich wäre. Nein, sie kam zum letzten Fototag in der Redaktion einfach im grünen Pulli daher und wurde deshalb eben von einen Bluescreen gepackt, damit nicht Teile von ihr unsichtbar sind.

Blau ist allerdings ganz zufällig auch ihre Lieblingsfarbe. Es muss aber einen Grünstich haben, denn nichts ist schöner als das tiefe Petrol der Isar am Sylvensteinsee.

Blau ist nicht gleich Blau

In der Kunst war Blau schon seit der Antike weit verbreitet, im Heiligen Römischen Reich vor allem im Kontext mit der Heiligen Mutter Maria, die oft mit einem blauen Umhang dargestellt wird. Mit Kobalt tief blau gefärbte Kirchenfenster, Fresken, Buchmalerei – Blau war keineswegs ein unbekannter Anblick, allerdings eines der teuersten Pigmente und daher meist teuren Werken vorbehalten.

Das eigentliche Blaufärben von Kleidung war im Heiligen Römischen Reich theoretisch nicht schwer, denn die dafür geeignete Pflanze Färberwaid ist hier heimisch. Allerdings sorgten zwei Faktoren dafür, dass sich sattes Blau im Spätmittelalter zur teuren Farbe Wohlhabender entwickelte.

Färberwaid ergibt nämlich auf heller Wolle oder Leinen einen milden Blauton mit Lila-Stich. Und dann dauert der Prozess, das Färbemittel herzustellen, auch noch mehrere Monate, weil die Pflanze zwischendurch fermentiert werden muss.

Es gibt die Theorie, dass der Begriff »Blaumachen« sich davon herleitet, weil die Färber zwischendurch so lange warten mussten. Sprachwissenschaftlich ist das aber umstritten, und rein aus historischer Sicht finde ich es auch unwahrscheinlich. Diese erzwungene Wartezeit haben die Handwerker garantiert nicht mit Rumsitzen verbracht, sondern halt erstmal anderes Zeug gefärbt.

Musa trägt eine nachtblaue Kopfbedeckung und Tunika. In seiner Heimat, dem Königreich von Mali, war Indigo als Farbstoff leicht verfügbar. Musa trägt eine nachtblaue Kopfbedeckung und Tunika. In seiner Heimat, dem Königreich von Mali, war Indigo als Farbstoff leicht verfügbar.

Trotz des Zeitaufwands war derart hergestellte blassblaue Kleidung durchaus weit verbreitet, in Britannien in früheren Jahrhunderten sogar die traditionelle Kleidung der Diener.

Ab dem 13. Jahrhundert setzte sich dann vom französischen Königshof eine Mode durch, in der sich Hochadlige mit sattblauer Kleidung präsentieren, also einem viel stärkeren und schwer herstellbaren Farbton, für den man Indigo aus Afrika oder Indien brauchte. Solche Stücke sehen wir auch im Spiel und können sie durchaus selbst erwerben – aber man kommt schwerer dran als an Klamotten in Rot, Grün oder Weiß. 

Was Sinn ergibt, wenn wir ins Geschichtsbuch gucken: Im Jahr 1403 befinden sich England und Frankreich mitten im Hundertjährigen Krieg. Damit sind zwei Hauptproduzenten blauer Stoffe zeitweise an ganz anderen Fronten beschäftigt, Handelskarawanen werden öfter überfallen, Preise steigen. So lässt sich der Blaumangel in KCD2 historisch recht glaubhaft erklären. Gleich drei wichtige Charaktere tragen die Farbe aber als Markenzeichen.

Wer trägt Blau im Spiel und warum?

Katharina: Die scharfzüngige und intelligente Begleiterin von Jan Zizka trägt ein auffallendes blaues Kleid, dessen Schnitt eher Fan-Service als eine solide historische Grundlage bedient. Die Farbe ist für ihren Stand als Gemeine eher ungewöhnlich, aber es stellt sie natürlich optisch wunderbar heraus, was wiederum zu einem wichtigen Hauptcharakter passt.

Dafür. dass sie als einfache Magd in Trosky arbeitet, ist Katharinas Kleid ungewöhnlich tiefblau. Naja, vielleicht hat Zizka das seiner besten Frau mal spendiert. Dafür. dass sie als einfache Magd in Trosky arbeitet, ist Katharinas Kleid ungewöhnlich tiefblau. Naja, vielleicht hat Zizka das seiner besten Frau mal spendiert.

Johann II von Liechtenstein: In der Community wurde der österreichisch-mährische Adlige liebevoll »Blueberry«, also Blaubeere getauft. Das liegt an seinem komplett blauen Outfit, alles aus dem gleichen edlen Stoff, selbst der Hut passt dazu. Johann stammt aus einer bedeutenden Familie und ist ein enger Vertrauter von Markgraf Jobst, daher verwundert es nicht, dass er sich so teure Kleidung leistet, selbst wenn er damit fast nur in einem Kellerversteck sitzt.

Johann II von Liechtenstein stellt seinen Status gerne zur Schau. Johann II von Liechtenstein stellt seinen Status gerne zur Schau.

Jobst von Luxemburg: Der Cousin von König Wenzel und Sigismund trägt das königliche Tiefblau. Passenderweise, immerhin ist er einer der mächtigsten Männer im Heiligen Römischen Reich und wird später sogar für kurze Zeit dessen Krone tragen. Zwar dürfte der Krieg mit seiner eigenen Dynastie ordentlich Löcher in seine Schatzkammern gerissen haben, aber null überraschend, dass er sich dennoch in der teuersten Farbe zeigt.

Jobst von Luxemburg oder auch Jobst von Mähren ist einer der höchsten Adligen im Heiligen Römischen Reich. Unter seinem Königsblau verbirgt er gewaltige Ambitionen. Jobst von Luxemburg oder auch Jobst von Mähren ist einer der höchsten Adligen im Heiligen Römischen Reich. Unter seinem Königsblau verbirgt er gewaltige Ambitionen.

Was haben alle drei »blauen« Hauptcharaktere gemeinsam? Eine interessante Parallele, die mir beim Schreiben dieses Artikels aufgefallen ist: Alle drei oben genannten Blaulinge sind Charaktere mit tiefen Geheimnissen. Katharina hält ihre Vergangenheit ebenso geheim wie ihre wahren Emotionen. Johann von Liechtenstein ist ein Spion, der mehr Fäden in der Hand hält, als in seinem schicken Gewand stecken. Und Jobst ist der undurchschaubarste Machthaber, mit dem wir es im Spiel zu tun bekommen.

Blau ist auch die Symbolfarbe für Ruhe, Heimlichkeit und versteckte Tiefen. Also aus reiner Design-Sicht sehr passend für dieses nur auf den ersten Blick völlig ungleiche Trio! Man könnte die Geheimnis-Theorie noch ausweiten auf Nebenfiguren wie Musa von Mali (der als dunkelhäutiger Muslim für die meisten Bewohner Böhmens ein Rätsel darstellt) und den Knochenteufel (bei dem man nie weiß, wie tief seine Verschlagenheit reicht), die blaue Elemente in ihrer Kleidung zeigen.

In welcher Farbe habt ihr euren Heinrich am liebsten ausgestattet? Da spaltet sich die Community ja in mehrere Lager, was ihm am besten steht – und in die Tollkühnen, die einfach zusammenwürfeln, was den höchsten Charisma-Wert ergibt. Mein Heinrich war tatsächlich immer bevorzugt in Blau gekleidet, zumindest im ersten Durchgang. Beim zweiten war es Rot-Schwarz (danke für die Inspiration, Sir Bartosch aus Trosky). Und fürs nächste Mal plane ich Gelb und Schwarz nach Leipa-Art.


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