Kingdom Come: Deliverance schreibt sich historische Glaubwürdigkeit in Großbuchstaben auf die Fahne. Waffen, Rüstungen, Kleidung – all das wurde mit viel Liebe zum Detail, passend zum spätmittelalterlichen Setting nachgebaut. Doch Entwickler Warhorse hat auch ein paar Easter Eggs eingebaut. Zum Beispiel unter den königlichen Roben von Sigismund.
Lead Character Artist Anna Pačesová hat mir erklärt, warum sie ihm erstaunlich moderne Unterhosen verpasst hat und wie herausfordernd es ist, glaubhafte Charaktere zu erstellen. Ganz besonders, wenn sie eine reale Vorlage haben.
Viel Arbeit, damit ein Charakter echt (gut) aussieht
Ihr wisst es eh: Sigismund ist der Grund, warum die gesamte Geschichte von KCD überhaupt ins Rollen kommt. Er fällt mit Kumanen-Truppen in Böhmen ein, nachdem er seinen Halbbruder König Wenzel gefangen genommen hat. So verliert Protagonist Heinrich seine Eltern, was ihn zur Suche nach Rache und Gerechtigkeit antreibt. Schon im ersten Spiel zeigt sich Sigismund am Anfang kurz in Person, im zweiten Teil gibt er sich für eine ganze Hauptmission die Ehre.
Die Idee, mal bei Warhorse nachzufragen, wie sie eigentlich an das Design bekannter Charaktere wie Sigismund herangegangen sind, kam mir bei einem meiner vielen Aufenthalte in Prag. Genau gesagt, als ich vor einer Statue von Karl IV. stand, also Sigismunds Vater. Und die Ähnlichkeit zum Ingame-Modell des Sohnemanns ist verblüffend, schaut selbst:
Aber es war dann doch deutlich komplizierter als einfach eine Statue zu scannen und das dann als Maske zu benutzen. Das diente als grundlegende Inspiration, denn von Sigismund gibt es viele Darstellungen, die wahrscheinlich recht nahe an sein wahres Aussehen kommen – Münzen, Bilder, illustrierte Manuskripte und so weiter.
Zum Beispiel wissen wir dadurch sehr sicher, dass Sigismund tatsächlich rote Haare hatte (woher auch sein berühmter Spitzname »liška ryšavá«, also »roter Fuchs« stammte). An solche bekannten Markenzeichen hielt sich KCD2 absichtlich, aber mit Anpassungen, um einen glaubhaften echten Menschen darzustellen. Zeitgenössische Abbildungen waren oft schmeichelhaft und hätten unnatürlich ausgesehen, wenn man sie direkt übernommen hätte.
Einen weiteren Einfluss auf das Aussehen haben in KCD oft die jeweiligen Schauspieler, auch im Fall von Sigismund (dargestellt von Ondřej Vetchý).
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Gleichzeitig sollten sich alle Charaktere passend zu ihrer historischen Rolle anfühlen und eben nicht wie eine kunstvolle Darstellung im Kostüm. Pačesová nennt ein paar Beispiele für Faktoren, die sie und ihr Team dabei im Auge behalten haben: Welchen sozialen Stand hat der Charakter? Wie würde sich das auf Haartracht und Gesicht auswirken – mit Falten? Augenringen? Absichtlich wurden kleine Asymmetrien bei Zähnen oder Haut eingearbeitet.
Wie »real« ist das Ergebnis also am Ende, wollte ich von Warhorse wissen. Die Antwort:
In der Spieleentwicklung ist der Begriff »historisch korrekt« sehr komplex. Wir streben eher nach Authentizität als nach einer Museums-Rekonstruktion. Würde man die Realität allzu genau nachbilden, könnten die Spieler sie tatsächlich als weniger glaubwürdig empfinden, da das moderne Publikum unbewusst eine gewisse Klarheit und visuelle Erzählhinweise erwartet. Manchmal gehen wir aus Gründen der Verständlichkeit sogar noch einen Schritt weiter als die Realität.
Anna Pačesová, Warhorse StudiosSigismund hätte Gucci geliebt
Bei Sigismund habe sich beispielsweise viel bei seinem Outfit geändert. Ursprünglich war wohl mal ein märchenhafteres Gewand für ihn geplant. Am Ende wurde es dann doch dunkler und geerdeter, um besser zum dargestellten aufbrausenden Temperament von Sigi zu passen. Dazu hat uns Warhorse zwei Konzeptbilder geschickt:
Womit wir beim Unterhosen-Easter-Egg angekommen sind. Ganz am Ende des Spiels sehen wir Sigismund im recht luftigen Schlafgewand und bekommen dabei seine königliche Unterwäsche zu Gesicht. Da hat sich Pačesová nämlich ein Späßchen erlaubt und sich vom ikonischen Gucci-Muster inspirieren lassen. Was historisch betrachtet natürlich Quark ist – aber auch ziemlich lustig.
Ob Warhorse sich für das nächste Kingdom Come auch wieder so viel Mühe bei den Charakterdetails gibt? Wir gehen mal davon aus, aber das Studio will sich viel weniger Zeit lassen als mit KCD2. Das nächste Rollenspiel erscheint nämlich laut aktuellem Plan schon 2028. Mehr dazu hier:
Wie haben euch die Charaktere in Kingdom Come: Deliverance 2 gefallen? Ich persönlich mag vor allem, wie farbenfroh viele Gewänder sind, was viel näher am historischen Mittelalter ist als das Schwarz-Grau-Leder, das besonders die späteren Staffeln von Game of Thrones salonfähig gemacht haben. Aber schreibt mir gern mal eure Meinung dazu in die Kommentare!
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