Eine Spielstätte, nur vier Monate Zeit und doch theoretisch auf Platz 10 der umsatzträchtigsten Filme 2025. In den USA setzte sich laut eines Berichts von The Hollywood Reporter ein fast 100 Jahre alter Film als Außenseiter gegen aktuelle Schwergewichte durch.
Wir nehmen euch mit auf eine Zeitreise, die zugleich in die Vergangenheit und in die Zukunft führt. Denn der Erfolg könnte sich als wegweisend für unseren Umgang mit alten Filmen erweisen.
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Xbox nutzt den Sphere in Las Vegas und es sieht einfach nur beeindruckend aus
In 4D auferstanden zum Kassenschlager
Wer auf die Box-Office-Liste (USA) für das vergangene Jahr schaut, wird den Zauberer von Oz nicht finden. Der Grund für das Weglassen des Werkes, das bis Ende Dezember 260 Millionen US-Dollar eingespielt hat, ist simpel, sollte aber nicht von seiner Wirkung auf die Branche ablenken. Bei dem Film handelt es sich um eine Neuauflage des 1939 in den Kinos erstmals anlaufenden Werkes – allerdings mit einem speziellen Kniff.
Wir haben hier weder ein normales Remaster in höherer Auflösung, noch ein echtes Remake vor uns. Vielmehr handelt es sich um eine bisher weltweit einzigartige Aufarbeitung, die nur in der Sphere in Las Vegas gezeigt wird – für bis zu 20.000 Zuschauer pro Aufführung.
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- Zweck: Multifunktionshalle für Konzerte, Shows und Filme
- Bau und Kosten: Der Bau begann 2018 und wurde 2023 abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2,3 Milliarden US-Dollar.
- Ausmaße: 112 Meter hoch und 157 Meter breit (Halbkugel). Sie gilt als größte sphärische Struktur der Welt mit einer Grundfläche von 11,4 Fußballfeldern.
- Außenseite: Die als Exosphere bekannte äußere Fläche misst 81.300 Quadratmeter und ist vollständig mit LEDs (ca. 57,6 Millionen, etwa 1,2 Millionen Pixel) bedeckt – auch hier die größte weltweit. Stellt sie euch als einen gigantischen, rundlichen Bildschirm vor. Sie wurde erstmals am 4. Juli 2023 beleuchtet und zeigt dynamische Animationen, Werbung und Events.
Abgeschaltet (links) wirkt die Sphere erstaunlich mondän, ja fast schon langweilig. Doch sobald ihre LEDs zum Leben erwachen, stülpt sie sich eine unendliche Zahl von Kostümen über, zum Beispiel den Mars. (Bildquelle: Wikimedia Commons, Y2kcrazyjoker4 und The Sphere, YouTube).
- Das Innere, Bild: Das Innere der Sphere wird vom Stand September 2025 weltweit einzigen 16K-Bildschirm ausgemacht - 15.000 Quadratmeter Bildschirmfläche (etwa 2-mal die Grundfläche vom Kölner Dom). Ferner verfügt er über eine Wölbung, da er sich an die Innenseite der Kugel schmiegt. Eine spezielle Kamera wurde extra für die Sphere entwickelt, Big-Sky.
Das Innere, Ton: Für den Ton kommen 167.000 Lautsprecher zum Einsatz, die es ermöglichen, einzelne Zonen der Publikumsränge mit individuellen Sprachversionen zu beschallen (Beamforming-Technologie). - Kapazität und Tricks: Die Arena bietet Platz für maximal 17.600 Sitzplätze (rund 20.000, wenn teilweise gegen Stehplätze ausgetauscht), die auch mit 4D-Elementen bespielt werden können, zum Beispiel Windeffekte, Kunstschnee oder weiche Objekte, die synchronisiert mit den Geschehnissen auf der Leinwand herabfallen (wie etwa Äpfel von einem sich schüttelndem Baum).
Und hier liegt auch zugleich das Fehlen auf der obigen Liste sowie der enorme finanzielle Erfolg begründet.
Denn der Ende August 2025 gestartete Film lockte inzwischen mehr als 2 Millionen Zuschauer in die Unterhaltungs-Halbkugel, die jeweils mindestens 120, aber meist deutlich jenseits der 200 US-Dollar gezahlt haben. Pro Tag kommen so wohl um die 2 Millionen US-Dollar zusammen, wie Bloomberg vermeldet.
Denn vor allem in den Vereinigten Staaten mauserte sich der Film in den Jahrzehnten nach einem verhaltenen Start an den Kinokassen Ende der 1930er Jahre inzwischen zum kulturellen Phänomen. Allerdings ging es bei dessen Dreharbeiten alles andere als ungefährlich zu.
Wir haben bereits hier ausführlich über das Hightech-Werk berichtet, das wir in Deutschland übrigens als »Das zauberhafte Land« kennen:
Neuauflage als Wegweiser in die Zukunft
4D ist wörtlich gemeint: So erleben die Zuschauer den legendären Tornado mit Haut und vor allem Haaren. Denn an letzteren zerrt der Wind, erweckt von wuchtigen Ventilatoren. Derweil sorgen Nebelwerfer für das eingetrübte Ambiente und der Sound drischt aus fast 170.000 Lautsprechern auf die Zuschauer ein.
Wer einen groben Eindruck bekommen möchte, findet ihn hier auf YouTube:
Link zum YouTube-Inhalt
In der Las Vegas Sphere erkundet Judy Garland noch bis zum 31. März 2026 Oz. Allerdings endet die Geschichte dieser Neuinterpretation hier wohl kaum – geschweige denn die von für das LED-Rund neu auflebenden Klassikern Vielmehr dürften wir den Beginn einer Ära bezeugen.
Denn die Köpfe hinter der Neuauflage denken bereits über weitere Neuauflagen von älteren Filmen nach, wenn sie auch nicht derart weit in die Vergangenheit zurückgreifen: Gespräche mit Disney über Star Wars und mit Warner Bros. bezüglich Harry Potter laufen.
The Sphere könnte vielleicht aber alsbald ihren global einzigartigen Status verlieren. Die Betreiber wittern potenzielle Kundschaft auf anderen Kontinenten. Eine Schwester-Sphäre jenseits des Atlantiks ist geplant, in Abu Dhabi.
Eventuell wäre ja auch einer der ultimativen 90er-Blockbuster hier willkommen: Jurassic Park. Aber dann bitte mit aktuellen Sounds: Auch wenn der Spielberg-Hit nicht so alt wie der Zauberer von Oz in seinem Original daherkommt, ist er doch inzwischen aus wissenschaftlicher Sicht veraltet. Bis heute dominiert er auch wegen der charakterlichen Dinogeräusche die Erinnerungskultur rund um Dinosaurier.
Doch neue Studien zeigen, dass der T-Rex sowie alle seine Zeitalter-Genossen weit unheimlicher klangen als ihr uriges Brüllen im Film – seid gewarnt: Albtraumfutter!
Würdet ihr euch Werke eines Schlags wie die Reise nach Oz oder andere Klassiker in einem 4D-Dome wie The Sphere anschauen? Wären vielleicht auch Filme wie Jurassic Park eurer Meinung nach etwas, was gut auf/mit solch einer Leinwand, den Effekten und dem Sound rüberkommen würde? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.
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