Von Motivation und Geduld
Trotz seiner Macken entfaltet Forest Village eine packende Sogwirkung. Es macht einfach verdammt viel Spaß, uns von einem Haufen baufälliger Hütten zu einer respektablen Siedlung hochzuarbeiten und der gnadenlosen Natur Schritt für Schritt die Errungenschaften der Zivilisation abzutrotzen.
Wir legen Felder an, fördern Stein und Erz für eindrucksvollere Bauten zutage, statten unsere Bürger mit Kleidung vom Schneider und Werkzeug vom Schreiner aus und schicken sie für noch mehr Produktivität in die Schule - es gibt immer was zu verbessern!
Auch wenn's manchmal etwas dauert. Der Spielfluss von Forest Village hat seine Durchhänger. Zu oft hatten wir nichts anderes zu tun, als bei zehnfacher Geschwindigkeit darauf zu warten, dass ein wichtiges Bauprojekt abgeschlossen wurde oder wir die benötigte Menge einer bestimmten Ressource angehäuft hatten.
Sehr interessant ist dafür das - wieder aus Banished bekannte - Arbeitermanagement. Wir können nicht einfach unbegrenzt Produktionsgebäude bauen, denn jedes müssen wir auch bemannen können. Also heißt es effizient sein. Im Winter etwa, wenn ohnehin alles brachliegt, ziehen wir die Bauern von den Feldern und Apfelgärten ab und schicken sie stattdessen zum Brennholz-Schlagen.
Außerdem sollten wir für ausgewogene Ernährung, gescheite Ausrüstung, Unterhaltung und ein bequemes Heim sorgen, um ihre Effizienz steigern. Optimieren, tüfteln, verbessern, so gehört sich das für ein Aufbauspiel!
Zu früh aus dem Early Access
Bei all seinen Stärken fühlt sich Forest Village aber noch nicht wie eine finale Release-Version an. Vor allem in Sachen Komfort und Transparenz könnte es noch einigen Feinschliff vertragen. Tooltips verraten etwa nicht vor dem Bau, welche Ressourcen ein Gebäude für seine Produktion braucht.
Beim Bäcker gewiss Mehl aus der Mühle, richtig? Falsch, nur für Luxusgebäck! Brot fabriziert er direkt aus Weizen vom Feld. Auch das Tutorial verschweigt einige tiefere Zusammenhänge, die wir so erst in der harten Trial&Error-Schule lernen müssen.
Auch vom Umfang her füllt sich Forest Village etwas dürftig an - der Fairness halber aber auch nicht weniger als Banished. Es gibt keine Kampagnen oder Szenarien, nur das Endlosspiel auf mäßig unterschiedlichen Zufallskarten. Wer einmal ein voll ausgebautes Dorf besitzt, hat eigentlich alles gesehen. Und dreisterweise sind einige der größten Neuerungen der offiziellen Release-Version sogar noch unvollständig.
Faszination Mittelalter:Warum uns dieses Szenario so begeistert
Wir können jetzt eindrucksvolle Bergfriede und Burgmauern bauen - aber die sind weitgehend nutzlos, weil weder der Bergfried-Forschungsbaum noch die geplanten Wikinger-Angriffe fertig sind, vor denen uns die Wälle schützen sollen. Mit Mod-Support können die Fans ihre eigenen Erweiterungen basteln, aber trotzdem hätte da auch von offizieller Seite mehr drin sein sollen.
So ist Forest Village zwar ein unterhaltsamer Banished-Klon, der trotz seiner Macken eine ähnliche Survival-Faszination entfaltet - aber auch keinen riesigen Schritt nach vorne schafft.
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