Der mit Spannung erwartete, aber auch schon kritisch beäugte Shooter Marathon findet sich plötzlich im Zentrum eines handfesten Plagiats-Skandals wieder. Eine Künstlerin erhebt schwere Vorwürfe: Ihre Designs seien ohne Erlaubnis oder Nennung im Spiel gelandet.
Die Vorwürfe im Detail
Stellt euch vor, ihr seht eure kreativen Werke plötzlich in einem AAA-Titel wieder, ohne dass jemand gefragt oder euch dafür entlohnt hätte. Genau das behauptet die freischaffende Künstlerin, die unter dem Pseudonym ANTIREAL auftritt.
Sie wirft Bungie vor, dass die kürzlich gezeigte Alpha-Version von Marathon geradezu »zugepflastert« sei mit Elementen, die direkt aus ihren Poster-Designs stammen – und das teilweise aus dem Jahr 2017.
ANTIREAL untermauert ihre Anschuldigungen mit detaillierten Vergleichsbildern: Darauf zeigt sie frappierende Ähnlichkeiten zwischen ihren ursprünglichen Werken und Inhalten, die in Ingame-Umgebungen und sogar in Promotion-Materialien für Marathon zu sehen sind.
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Es geht hier nicht um vage Inspirationen: Die Künstlerin spricht von direkt übernommenen visuellen Elementen, Schriftarten, Layout-Strukturen und ganzen Icon-Sequenzen. Ein besonders dreistes Beispiel, das sie anführt, ist die Verwendung ihres eigenen Logos und spezifischer Textelemente wie »ALEPH Dark-space haulage logistics« oder eines Rechtecks mit der Aufschrift »ANTIREAL DAILY SERIES«, die nahezu identisch im Spiel auftauchen sollen.
Die verständlicherweise verärgerte Künstlerin kommentiert dies trocken:
Offensichtlich war meine Arbeit gut genug, um für Ideen geplündert und ohne Bezahlung oder Nennung im ganzen Spiel verteilt zu werden. [...] Ich habe weder die Mittel noch die Energie, um rechtlich dagegen vorzugehen, aber ich habe schon längst aufgehört zu zählen, wie oft große Unternehmen es einfacher fanden, einen Designer dafür zu bezahlen, meine Arbeit zu imitieren oder zu stehlen, als mir eine E-Mail zu schreiben.
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Ein ehemaliger Mitarbeiter soll schuld sein
Die Vorwürfe schlugen natürlich hohe Wellen, und Bungie sah sich gezwungen, schnell zu reagieren. In einer offiziellen Stellungnahme räumte das Studio ein, dass es tatsächlich zu einer nicht autorisierten Verwendung von Künstler-Decals in Marathon gekommen sei.
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Die Schuld dafür wird einem »ehemaligen Bungie-Künstler« zugeschoben, der diese Elemente in eine Textur-Sammlung eingefügt haben soll, die letztendlich im Spiel landete.
Das aktuelle Art-Team, so Bungie weiter, habe von dieser Übernahme nichts gewusst. Man untersuche nun intern, wie dieser Fehler passieren konnte. Das Studio betont, dass man solche Angelegenheiten sehr ernst nehme und bereits Kontakt mit ANTIREAL aufgenommen habe, um »das Richtige für die Künstlerin zu tun«.
Zudem kündigte Bungie eine gründliche Überprüfung aller Ingame-Assets an und will strengere Kontrollen implementieren, um die Beiträge aller Künstler korrekt zu dokumentieren und solche Vorfälle zukünftig zu vermeiden.
Pikante Details
Für viele Beobachter kommt diese Erklärung jedoch etwas zu einfach daher. Äußerst pikant ist nämlich der Umstand, dass Joseph Cross, der Art Director von Marathon, der Künstlerin schon seit Längerem auf Social-Media-Plattformen folgt.
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Das wirft die Frage auf, wie unwissend das Team tatsächlich gewesen sein kann, wenn die Inspirationsquelle so offensichtlich und dem leitenden kreativen Kopf bekannt war.
Zudem ist es nicht das erste Mal, dass Bungie mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert wird. Auch in der Vergangenheit gab es bereits ähnliche Fälle im Zusammenhang mit Destiny 2, bei denen das Studio Fehler einräumen und sich mit den betroffenen Künstlern einigen musste.
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