Seit Monaten triumphiert Marvel Rivals als Heilsbringer. Die Konkurrenz macht den auch bitter nötig: Call of Duty ist mittlerweile so mit Mikrotransaktionen vollgekleistert, dass Activision sogar beim Waffenwechsel ingame Werbung schaltet. Ubisoft stellt mit Hyperscape, XDefiant und Co. mehr Spiele ein, als sie auf den Markt bringen. Sony fällt erst mit Concord blutig auf die Nase, jetzt strauchelt Bungie mit Marathon schon, bevor der Shooter überhaupt erschienen ist. Und Overwatch 2? Das dümpelt nach wie vor bei katastrophalen 23 Prozent positiven Steam Reviews herum.
Marvel Rivals hingegen ... läuft. Die Spielerzahlen erreichen zwar nicht mehr die Rekordhöhen von Januar 2025 (644.000 gleichzeitig aktive Spielerinnen und Spieler), aber zum Tageshöchststand sind immer noch über 140.000 Leute online. Das reicht für einen konstanten Platz in Steams Top 10. Und mehr noch: Marvel Rivals handhabt Service vorbildlich.
Jeder neue Charakter, jeder neue Patch seit Release hat das Spiel beträchtlich verbessert. Rivals drangsaliert mich nicht mit zeitlich befristeten Events, sondern bleibt in einem gesunden Rahmen. Die Skins sind zwar schweineteuer, aber spärlich und komplett optional. Battle Passes haben kein Zeitlimit, sondern können für immer durchgespielt werden.
Ja, Marvel Rivals spielt bei sämtlichen Service-Game-Marotten mit, aber trotzdem habe ich stets das Gefühl: Hier geht's in erster Linie um ein möglichst gutes Spiel, danach erst um ein möglichst lukratives.
Doch jede Erfolgssträhne muss mal enden. Mit dem Start der aktuellen Season 2.5 setzt sich Marvel Rivals zum ersten Mal so richtig in die Nesseln. Und dort muss es dringend wieder raus.
Was ist los bei Marvel Rivals?
Es lässt sich schwer mit dem Finger auf den einen Tropfen zeigen, der das Fass zum Überlaufen bringt, denn auf dem Papier bringt die aktuelle Season tolle Neuerungen – allen voran der frische spielbare Schurke Ultron, ein fliegender Support-Charakter mit einem ziemlich abwechslungsreichen Fähigkeitenarsenal.
1:11
Marvel Rivals enthüllt Emma Frost und Ultron, liefert bald mehr Helden in hoher Geschwindigkeit
Doch viele für sich genommen sinnvolle Neuerungen der letzten Wochen führen jetzt dazu, dass die Balance des Spiels viel zu sehr in eine Richtung kippt. Die Community nennt es: Das Flyer Meta. Dahinter steckt simpel gesagt einfach nur die Tatsache, dass aktuell vor allem fliegende Helden und Schurken gespielt werden.
Link zum Reddit-Inhalt
Was vor ein paar Wochen noch harmlos damit begann, dass die Mutantin Storm gebufft wurde, ist mittlerweile ein Flächenbrand: In jedem Match fliegen Storm, Human Torch, Ultron und Iron Man über die Map und verwandeln das Match in eine Schießbude mit Nackenschmerzen.
Dieses Meta lässt sich kontern, keine Frage. Platziert einen Hawkeye, Bucky, eine Hela sowie andere Scharfschützen an guten Punkten und sie pflücken die Flyer aus dem Himmel.
Problem an der Sache: Erstens gibt es einfach nicht so viele gute Schützen, weil Marvel Rivals zweitens nie ein echter Shooter war. Das ändert sich gerade; und es tut dem Spiel nicht gut.
Marvel Rivals verengt sich an den falschen Stellen
Ich liebe Marvel Rivals, weil es sich gerade nicht spielt wie Call of Duty. Wenn mir an einem Tag mal das Zielwasser fehlt, spiele ich keinen Punisher, sondern stürze mich eben als Wolverine mit Klauen in die Gegner. Rivals bietet eine hervorragende Rollenverteilung. Meine Team-Mitglieder Jolina und Paul fungieren als Tank, sie halten als Emma Frost und Magneto die Frontlinie.
Ich als Schadensmaschine wiederum musste bisher schauen, was das Match von mir verlangt. Stürzen sich sogenannte Diver wie Venom auf unsere Heiler, dann platziere ich als Namor meine Geschütz-Tintenfische (fragt nicht) und konzentriere mich auf die Defensive. Schlitzt ein Wolverine die Tanks, dann rasiere ich ihm als Winter Soldier die Koteletten. Und falls die Feinde mit Scharfschützen arbeiten, dashe ich als Psylocke einfach hinter die gegnerische Linie.
Ich spiele Marvel Rivals seit über 300 Stunden, weil sich kein Match exakt wie das davor anfühlt. Selbst innerhalb einer einzigen Rolle gibt es so viele Erfordernisse, Spielweisen, Synergien, Absprachen ... und das Fyler Meta raubt dem Spiel viel davon.
Jetzt biege ich in jedem Match aus dem Spawn um die Ecke und laufe in ein Geschossgewitter aus Projektilen, weil Iron Man, Ultron, Storm und Human Torch gleichzeitig in die Flure sprotzeln. Jedes Match bin ich damit beschäftigt, als Bucky permanent meine Spezialfähigkeit zu hämmern, mit der sich Fyler kurzzeitig auf den Boden ziehen lassen. Nahkampf-Tanks wie der Hulk oder The Thing haben indes quasi nichts mehr zu tun, weil sie die schwirrenden Gegner gar nicht erreichen können.
Plötzlich wird Marvel Rivals gleichförmig. Alle Partien arten in ein Fernkampfduell aus, die taktische Vielfalt geht verloren. Klar, im Ranked Modus kann ich dagegensteuern, indem ich fliegende Helden wie Iron Man vor dem Match banne, aber erfahrungsgemäß tummelt sich bloß ein winziger Teil der Spielerschaft im kompetitiven Ranked Multiplayer.
Die meisten Leute bleiben im Casual und erleben hier ein Marvel Rivals, das sich deutlich schlechter und eindimensionaler spielt als in den Wochen davor. Zum Glück lässt sich das durch Patches und Co. fixen, doch das sollte rasch passieren. Die Stimmung auf Reddit sieht gerade alles andere als rosig aus.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.