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Filmkritik zu Matrix Resurrections: Bittere Pille

Resurrections setzt die eigentlich seit fast 20 Jahren abgeschlossene Matrix-Trilogie fort. Aber hat es das wirklich gebraucht? Wir liefern euch die Antwort in unserer Filmkritik.

von Vali Aschenbrenner,
21.12.2021 17:23 Uhr

Matrix Resurrections: Gelungene Fortsetzung oder irrelevanter Nostalgie-Trip? Matrix Resurrections: Gelungene Fortsetzung oder irrelevanter Nostalgie-Trip?

Ist das noch ein Déjà-Vu oder schon ein Glitch in der Matrix? Obwohl die legendäre Filmtrilogie der Wachowski-Schwestern längst als beendet galt, startet mit Resurrections am 23. Dezember 2021 der vierte Film der Reihe in den Kinos. Mit Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss, aber ohne Laurence Fishburne oder Hugo Weaving.

Doch wie gut ist Matrix Resurrections überhaupt? Wir klären in unserer Filmkritik, warum uns der neueste Film von Regisseurin Lana Wachowski kein Woah entlockt und wir lieber im Traumland geblieben wären.

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Um was geht es in Matrix 4 überhaupt?

Die Story: An dieser Stelle wollen wir am besten so gut wie gar nicht ins Detail gehen. Denn je weniger ihr über die Handlung von Matrix Resurrection wisst, desto besser. Die größte Stärke des Films stellen nämlich die ersten 20 bis 30 Minuten dar, in denen wir noch nicht wissen, was genau der Weg in den Kaninchenbau überhaupt für uns bereithält.

Wir fassen aber für euch zumindest zusammen, was aus den Trailern hervorgeht. Die könnt ihr übrigens guten Gewissens ansehen, wurde darin doch größtenteils auf wichtige Plot-Details verzichtet. Stattdessen vermitteln die Teaser viel eher den Eindruck, Matrix 4 wäre eine Mischung aus Sequel und Reboot.

Im Film selbst kehren natürlich zahlreiche alte Bekannte zurück: Allen voran Keanu Reeves als Thomas Anderson a.k.a. Neo und Carrie-Anne Moss als Trinity. Beide scheinen nach den Geschehnissen von Revolutions abermals Teil einer von Maschinen kontrollierten Simulation zu sein. Darüber hinaus gibt es aber auch Wiedersehen mit weiteren alten Bekannten - mal auf vertraute, mal auf überraschende, mal auf enttäuschende Art und Weise.

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Für wen ist Matrix 4 interessant?

Wer The Matrix nicht kennt, ist hier falsch: Vorwissen solltet ihr unbedingt mitbringen. Denn Resurrections baut nicht nur auf dem ersten Film von 1999 auf, sondern ebenso auf die beiden Fortsetzungen Reloaded und Revolutions. 

Wir raten euch sogar dazu, eure Erinnerungen an die drei Vorgänger eventuell nochmal aufzufrischen. Denn bei den zahlreichen Erwähnungen von mal mehr, mal weniger wichtigen Namen und Ereignissen verlieren selbst alteingesessene Fans gerne mal den Überblick.

Außerdem schert sich Resurrections nicht darum, für den Plot relevante Hintergrundinformationen für Matrix-Neulinge zu erläutern. Die nichtsdestotrotz expositionslastigen und dadurch recht überladenen Dialoge erklären stattdessen lang und breit komplett neue Entwicklungen sowie Hintergrundinfos, die in ihrer Fülle schon mal überfordern statt unterhalten. 

Schluckt keine Pillen, die euch fremde Männer in Toiletten anzudrehen versuchen. Schluckt keine Pillen, die euch fremde Männer in Toiletten anzudrehen versuchen.

Eine Fortsetzung … die es nicht gebraucht hätte: Resurrections setzt also eine Filmreihe fort, die längst abgeschlossen war. Wirklich gebraucht hätte es das Sequel allerdings nicht. Denn was Matrix tatsächlich Neues wagt, kommt im Film viel zu kurz und wird wenig bis gar nicht ausformuliert. Stattdessen werden vor allem alteingesessene Fans bedient, indem Altbekanntes zitiert und teilweise sogar kopiert wird.

Nur wenige Ideen können dabei zünden: Beispielsweise ist allemal interessant, wie sich Neos Opfer in Revolutions auf die Existenz beziehungsweise Koexistenz von Mensch und Maschine ausgewirkt hat. Wie der Krieg weiter verlaufen ist, was aus liebgewonnenen Helden wie Morpheus oder der letzten Bastion der Menschheit Zion wurde.

Das meiste Pulver verschießt Resurrections aber bereits in seinem ersten Drittel. Dem weiteren Filmverlauf mangelt es dafür an interessanten Ideen, einer spannenden Story, großen Charaktermomenten oder einfach nur Actionsequenzen, die das Dasein von Matrix 4 rechtfertigen würden. Resurrections bleibt vor allem austauschbar und wirkt gar willkürlich. 

Denn auch wenn Reloaded und Revolutions ihre ganz eigenen Probleme hatten, gab es hier immerhin spannende Kämpfe oder Schießereien, die ein paar wenige nennenswerte Highlights der Fortsetzungen darstellten. Resurrections befriedigt aber nicht mal dieses grundlegende Bedürfnis der Fans, viel mehr werden die Auseinandersetzungen dieses Films von einer hektischen Kamera und einem übermotivierten Schnittgewitter überschattet.

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Stärken und Schwächen von Matrix Resurrections

Was uns an Matrix 4 gefallen hat

  • Die Meta-Spielerei: Die ersten 20 bis 30 Minuten von Resurrections sind ganz klar die stärksten. Hier gilt - wie bereits erwähnt - die Regel: je weniger ihr wisst, desto besser. Um zumindest ein Fünkchen konkreter zu werden: Matrix 4 gibt sich auf einer Meta-Ebene recht augenzwinkernd, stellt seine eigene Daseinsberechtigung infrage und überrascht den Zuschauer mit ein paar cleveren Kniffen. Leider wird diese Idee nicht konsequent genug zu Ende gedacht - später dazu mehr - weswegen der Film im weiteren Verlauf auch stark nachlässt.

Was uns an Matrix 4 nicht gefallen hat

  • Das Schnittgewitter: In Matrix 4 steckt gewiss die ein oder andere gelungene Choreographie … wenn man sie denn erkennen würde! Resurrections leidet nämlich unter einen immer wiederkehrenden Problem moderner Actionfilme: Das eigentliche Geschehen wird unter zu vielen und vor allem hektischen Bildschnitten begraben. Bei Matrix 4 kommt erschwerend hinzu, dass mindestens die Hälfte der Prügel- und Schießereien auf engstem Raum stattfinden, worunter der Überblick zusätzlich leidet.
  • Die fehlende Identität: The Matrix schrieb seinerzeit Filmgeschichte. Unter anderem lag es an dem ikonischen Look, den der erste Film von 1999 geprägt hatte. Lederkluften und schwarze Sonnenbrillen waren die Fortnite-Tänze oder Tiktok-Challenges der 2000er-Jahre und unumgänglich. Auch die Farbgebung ließ die Matrix-Trilogie wie aus einem Guss wirken: Blau für die echte Welt, grün für die Matrix. Beide Aspekte fehlen nun in Resurrections oder werden maximal zitiert. Dadurch wirkt Matrix 4 wesentlich losgelöster, aber vor allem austauschbar.
  • Die Inkonsequenz: Matrix 4 ist in vielerlei Hinsicht inkonsequent. Sei es in Bezug auf die zuvor noch von uns positiv hervorgehobene Meta-Spielerei, die sich im Laufe des Films im Sand verläuft. Oder auf zahlreiche Ideen und Motive der ursprünglichen Trilogie, die über Bord geworfen oder schlichtweg irrelevant werden - wie zum Beispiel religiöse Motive oder Gesellschaftskritik. Im schlimmsten Fall macht sich Resurrections über seine eigenen Vorgänger lustig. Und das dürfte definitiv nicht jedem Fan schmecken.

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