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Was ist das für eine Dystopie: Maurice Weber taucht in den Zensur-Skandal rund um Steam, Mastercard & Co. ein und ist entsetzt

Die Debatte um den Einfluss von Zahlungsdienstleistern auf Plattformen wie Steam und Itch.io geht weiter. Jetzt hat sich unser YouTube-Kollege Maurice Weber das Problem mal angeschaut.

Unser Strategieexperte und Branchenkenner Maurice nimmt in einem neuen YouTube-Video den Zensur-Skandal bei Steam und Co. unter die Lupe. Unser Strategieexperte und Branchenkenner Maurice nimmt in einem neuen YouTube-Video den Zensur-Skandal bei Steam und Co. unter die Lupe.

Es ist das Aufreger-Thema der vergangenen Wochen in der Gaming-Community: Auf Druck von Zahlungsanbietern wie Visa und Mastercard haben die Plattformen Steam und Itch.io zahlreiche Erotikspiele aus ihren Stores verbannt. Viele Nutzer fragen sich nun, wie weit die Macht der Zahlungsanbieter gehen sollte und ob es sich dabei schon um eine Form von Zensur handelt.

Auch unser ehemaliger GameStar-Kollege und jetziger YouTuber Maurice Weber stellt sich in seinem neuesten Video diese Frage und stellt fest, dass der Einfluss der Zahlungsdienstleister noch richtig üble Konsequenzen haben könnte. Wir fassen seine wichtigsten Erkenntnisse für euch zusammen; das Video findet ihr gleich unter diesem Absatz.

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Kurzes Recap: Alles begann am 16. Juli, als die Tracking-Website SteamDB meldete, dass zahlreiche Erwachsenenspiele von Steam entfernt wurden. Gleichzeitig tauchte eine neue Regel für Entwickler auf, die Inhalte verbietet, welche möglicherweise gegen die Richtlinien und Standards verstoßen, die von Steam zugehörigen Zahlungsabwicklern, Kartennetzwerken und Banken festgelegt wurden.

Eine äußerst vage Formulierung, wie auch Maurice findet. Entsprechend wusste niemand so richtig, von wem die Änderung ausgegangen war. Spieler hatten jedoch rasch Visa und Mastercard im Verdacht; doch die Konzerne dementierten.

Valve klärte später auf, dass Mastercard zwar nicht direkt mit ihnen kommunizierte, gegenüber Drittanbietern im Zahlungsprozess (Banken, etc.) aber auf Risiken für die Marke Mastercard durch illegale Inhalte aufmerksam gemacht habe. Niemand wollte also schuld sein; ein Akteur schob die Verantwortung zum anderen.

Collective Shout und No Mercy

Ein entscheidender Auslöser für die Image-Sorgen bei Mastercard und die schließliche Sperrung der Spiele will nach eigenen Angaben die australische Aktivistengruppe Collective Shout gewesen sein, die sich gegen die Pornifizierung der Kultur einsetzt. Sie starteten eine Kampagne gegen das Spiel No Mercy, das im März auf Steam und Itch.io erschien und dessen Beschreibung explizite Inhalte wie Inzest und sexuelle Unterwerfung andeutete.

Nach Sperrungen in Australien, England und Kanada nahmen die Entwickler das Spiel selbst von Steam.

Collective Shout nutzte diesen Erfolg und forderte am 11. Juli in einem offenen Brief an diverse Zahlungsfirmen, alle Zahlungsabwicklungen bei Steam und Itch.io einzustellen, da sie angeblich Hunderte weitere verwerfliche Spiele gefunden hätten. Wenige Tage später änderte Steam seine Regeln. Collective Shout feiert dies als ihren Sieg, auch wenn ein direkter Beweis für die Ursache-Wirkungs-Beziehung fehlt.

Video starten 15:42 Das sind die 15 derzeit meistgewünschten Spiele auf Steam

Warum reagieren die Zahlungsdienstleister so?

Die schnelle Reaktion der Zahlungsdienstleister könnte auch durch einen Gerichtsfall in den USA beeinflusst sein: Dort wird der Pornhub-Betreiber MindGeek wegen Kinderpornografie verklagt, wobei auch Visa in die Verantwortung gezogen wird. Mastercard und Visa kappten daraufhin alle Verbindungen zu Pornhub.

Das Kernproblem liegt in der vagen Formulierung der Regeln der Zahlungsdienstleister. Mastercard hat Regeln, die jede Transaktion verbieten, die nach alleinigem Urteil der Firma [...] den Firmenwert beschädigen oder sich negativ auf die Marke auswirken könnte. Visa hat ähnliche Regeln und meint damit auch legale Erwachseneninhalte.

Der CEO von Visa Japan bestätigte, dass es manchmal nötig sei, auch legale Transaktionen zu verbieten, um die Marke zu schützen. Eine Aussage, die Maurice als beunruhigend findet, da sie förmlich zu völlig beliebigen Sperrungen einlädt.

Welche Konsequenzen sind zu erwarten?

Diese Entwicklung schafft massive Unsicherheit für Spieleentwickler, da ihre Titel jederzeit von Steam entfernt werden können, wenn sie einer Zahlungsfirma oder Aktivistengruppen negativ auffallen. Die Regeln sind laut Maurice lächerlich vage und Entwickler müssen sich die Regeln der Zahlungsdienstleister selbst zusammensuchen.

Maurice befürchtet, dass dies ein erster Schritt auf einer rutschigen Bahn ist. Schon jetzt sollen in Gesprächen von Gaming-Plattformen mit Zahlungsdienstleistern Spiele wie Duke Nukem, GTA oder Saints Row als potenziell nicht regelkonform aufgekommen sein.

Die aktuelle Lage verdeutlicht ein fundamentales Problem: Infrastrukturell essenzielle Firmen wie Zahlungsdienstleister besitzen eine enorme Macht, die sie nutzen können, um unliebsamen Dingen nach purem Empfinden einfach den Hahn zuzudrehen.

Es stellt sich die dringende Frage, wer die Grenzen des Akzeptablen in der digitalen Welt definieren soll – die Gesellschaft in einem demokratischen Prozess oder intransparente Großkonzerne und einzelne Aktivistengruppen. Die Spielebranche muss sich auf einen langen Kampf um ihre Freiheit einstellen.

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