In Medieval Dynasty sterben Trödlern die Questgeber weg

Preview: Medieval Dynasty kennen wir als Mittelalter-Sandbox, das Spiel will aber auch Story-Freunde ansprechen. Wir wissen inzwischen, wie beides zusammenpasst.

von Fabiano Uslenghi,
29.08.2020 17:00 Uhr

Genre: Rollenspiel | Entwickler: Render Cube | Plattformen: PC | Release: 17. September (Early Access)

Medieval Dynasty wird nicht so wie andere Mittelalter-Spiele. Hier erlebt ihr das Zeitalter nicht nur als Rollenspiel, sondern auch als Survivalspiel, Aufbaustrategie und Lebenssimulation. Und damit noch nicht genug, die polnischen Entwickler von Render Cube wollen sogar eigene Geschichten erzählen.

Wir haben in vorherigen Previews schon ausführlich darüber berichtet, was ihr in Medieval Dynasty eigentlich so alles machen könnt und wie gut das Spiel den Genre-Mix gebacken bekommt. Allerdings gab es in unseren spielbaren Versionen nur sehr rudimentäre Nebenquests. Jetzt haben uns die Entwickler genau erklärt, was es mit der Story in Medieval Dynasty auf sich hat und wie das alles überhaupt zusammenpasst.

Das Problem mit einer Hauptquest

Tatsächlich stellte die Frage nach einer Hauptquest die Entwickler vor eine große Herausforderung: Wie soll man eine lineare Geschichte erzählen, wenn man die Zeit nicht anhalten kann. Denn anders als in einem Rollenspiel wie Kingdom Come: Deliverance, vergehen in Medieval Dynasty Monate und sogar Jahre. Das Spiel setzt immerhin voraus, dass wir eine eigene Dynastie aufbauen und mehrere Generationen begründen:

Leben wie im Mittelalter? - So funktioniert die Mittelalter-Simulation Medieval Dynasty 12:08 Leben wie im Mittelalter? - So funktioniert die Mittelalter-Simulation Medieval Dynasty

Deshalb gibt es auch keine wirkliche Hauptquest. Die Entwickler können nämlich gar nicht garantieren, dass sich jeder Spieler streng an deren Verlauf hält. Die Zeit hinterlässt in der Welt nämlich Spuren. Am deutlichsten natürlich an den Lebewesen. Jedes Tier, jeder NPC und auch wir selbst altern. Und irgendwann klopft Gevatter Tod an die Tür.

Für den Entwickler ergab sich dadurch nur eine Konsequenz: Wenn das Spiel nachvollziehbar bleiben soll, müssen die Questlinien mit ihren Auftraggebern sterben. Wer also rumtrödelt oder eine Quest lange nicht annimmt, wird sie irgendwann verlieren. Spätestens, wenn der Questgeber den Löffel abgibt. Nur ein paar wenige Aufgaben können auch danach noch an den Erben übergehen.

Was für Quests gibt es?

Laut der Entwickler sind für das fertige Spiel so viele Questlinien geplant, dass man unmöglich alle in einer einzigen Lebenszeit abschließen kann. Die Questreihen erstrecken sich nämlich über Jahrzehnte und ein Voranschreiten ist von besonderen Bedingungen abhängig, die sich auch überschneiden können. Unterteilen kann man die Aufgabe in drei Typen:

Quests

Diese großen Handlungen sollen das erzählerische Highlight sein und sind immer an einen bestimmten NPC gebunden. Wie viele es davon genau gibt, konnten die Entwickler noch nicht sagen. Es werden aber »viele«. Für den Early Access sind erstmal vier sehr große angedacht. Allein für die erste Quest sollen in den Testrunden einige Spieler bis zu 30 Stunden benötigt haben.

Nebenquests

Diese Aufgaben werden dauerhaft zufallsgeneriert und sind zum Teil auch von der aktuellen Verfassung unseres Helden abhängig. Hier werden keine einzigartigen Geschichten erzählt, sondern immer ähnliche Aufträge von anderen NPCs angeboten.

Events

Diese Aufgaben tauchen zufällig auf und wir können sie ignorieren. Geplant sind einerseits Story-Events, wie ein König, der von uns Abgaben fordert oder dessen Armee wir versorgen müssen. Aber auch unglückliche Vorfälle zwischen den Jahreszeiten. So kann plötzlich die ganze Ernte verdorren oder ein Sturm beschädigt unsere mühselig aufgebauten Dorfhütten.

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Worum geht es genau?

Wie die Quests jetzt alle im Detail verlaufen, wurde uns aus Spoilergründen noch nicht verraten. Wir kennen aber schon die Vorgeschichte. Unser Held taucht nämlich jetzt nicht mehr plötzlich ohne Ziel in der Spielwelt auf. Er flieht vor dem Krieg in ein friedliches Tal und sucht seinen Onkel Iorden. Dort angekommen, erfährt er dann aber von dessen Ableben. Kastellan Uniegost erlaubt ihm aber, etwas Land zu bebauen.

Dabei handelt es sich um die Questlinie von besagtem Uniegost, und wohl die einzige der großen Aufgaben, die jeder Spieler absolvieren wird (aber nicht muss). Im Detail geht es in den Quests oft darum, von einem Dorf ins nächste zu wandern. Es wird aber auch actionreichere Aufgaben geben wie ein Zielschießen mit dem Bogen oder der Kampf gegen wilde Tiere. Für bestimmte Aufgaben müssen wir sogar die Kontrolle über unseren Sohn übernehmen (ebenfalls ein neues Feature), selbst wenn der noch klein ist. Der kann dann nämlich Orte erreichen, für die wir zu groß sind und auf - ähm, Schweinen reiten.

Wie abwechslungsreich die Dörfer von Medieval Dynasty ausfallen, muss sich noch zeigen. Wie abwechslungsreich die Dörfer von Medieval Dynasty ausfallen, muss sich noch zeigen.

Questlinien vom Romanautor

Es wird spannend zu sehen, wie groß der Erzählerische Anspruch dann wirklich ist. Auf Nachfrage wurde uns bestätigt, dass der Aufwand nicht mit den Vorgängern Farmer Dynasty oder Lumberjack Dynasty zu vergleichen ist. Das Team konnte wohl sogar einen (noch geheimen) Bestseller-Autoren gewinnen, der sich hervorragend mit der historischen Epoche auskennt. Zudem wünscht man sich, alle Dialoge zu vertonen. Ob das gelingt, ist aber aufgrund der schieren Masse noch fraglich.

Mit dem Start des Early Access am 17. September werden viele der geplanten Inhalte außerdem noch ausstehen und erst nach und nach dazukommen. Wer aber am liebsten seine Zeit mit Questen verbringt, wird dazu auch in der Vorabversion genug Gelegenheiten bekommen.

Fabiano Uslenghi
@StillAdrony

Render Cube scheint die Sache mit der Story wirklich ernst zu nehmen. Ich gebe zu, dass ich sehr skeptisch war, ob so ein Spiel wirklich eine vollwertige Geschichte am Ende hinbekommt. Doch die Entwickler wirken fest entschlossen. Sollte das alles klappen und die Aufgaben tatsächlich spannende und abwechslungsreiche Storys erzählen, dann bekäme Medieval Dynasty damit nochmal eine ganz neue Facette für andere Spielertypen. Wir rechnen jetzt zwar nicht mit einem Narrativ im Stile von Kingdom Come oder gar The Witcher 3. Doch dieses Niveau streben die Entwickler ja auch nicht an, zumal Medieval Dynasty auch kein reines Rollenspiel ist. Dass Medieval Dynasty so konsequent Questgeber abkratzen lässt, ist ein Feature, dass man seit Morrowind eigentlich gar nicht mehr kennt. Ich bin sehr gespannt.

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