Wir machen uns Open-World-Spiele oft selbst kaputt - was hilft?

Elena findet, wir spielen Open-World-Spiele oft völlig falsch. Aber sie hat ein paar Tipps, wie wir in Zukunft mehr Spaß mit riesigen Spielwelten haben.

von Elena Schulz,
15.09.2020 15:00 Uhr

Mit einem beherzten Sprung gelange ich auf die Spitze eines Astes und die Welt öffnet sich vor mir. Ein Adler kreischt hoch im Himmel. Der Wind umschmeichelt mich mit einer Melodie. Vor mir erstreckt sich die weitläufige Ägäis von Assassin's Creed Odyssey bis an den Horizont mit Inseln voller Nebenmissionen, Banditencamps, Festungen, Herausforderungen, Schatztruhen und Loot. Ich werfe mich schnell ins Meer vor mir. Aber ich ertrinke nicht und all die Icons verschwinden leider auch nicht.

Jaja, Ubisoft-Formel blabla. Ihr kennt die alte Leier mittlerweile genauso gut wie das ewige Hin und Her zwischen Assassinen und Templern. Aber hier soll es nicht darum gehen, wie Entwickler das in Zukunft besser machen könnten. Stattdessen gebe ich euch ein paar Tipps, mit denen ihr selbst drögen Open-World-Spielen neues Leben einhauchen könnt.


Die Autorin:
Elena Schulz (@Ellie_Libelle) hat Game Art und kurzzeitig auch Japanologie studiert. Sie liebt es in offenen Spielwelten nach versteckten Details und Geheimnissen am Wegesrand zu suchen, statt den Karotten der Entwickler nachzulaufen. Deshalb ignoriert sie in Ghost of Tsushima gerade auch die einfallenden Mongolen und schießt lieber Fotos, spielt Flöte und versucht ihre Japanisch-Kenntnisse aufzubessern.

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1. Geht zu Fuß

Lasst die Schnellreise links liegen und geht spazieren. Mischt euch unter die Leute in Novigrad, lauscht den Vögeln im dichten Wald von Kingdom Come oder taucht im Alten Griechenland nach versunkenen Ruinen. Ihr kommt vielleicht später ans Ziel, entdeckt aber viel mehr.

In The Witcher 3 findet ihr zum Beispiel eine Bühne am Wegesrand, vor der ein Mann obszöne Tanzeinlagen für die Damenwelt aufführt oder eine Familie in einem Dorf, die sich rülpsend verständigt - über diese kuriosen Details habe ich sogar einen Artikel verfasst. Wer immer nur von A nach B springt, verpasst das Beste an offenen Welten.

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2. Schluss mit Zwängen

Nur noch diese Festung, nur noch diese Quest... Halt, Stopp! Open Worlds arten gerne in stumpfes Abarbeiten aus. Aber was bringen Belohnungen und von Icons gesäuberte Karten, wenn ich danach nur frustriert und genervt bin?

Also transportiert doch mal keine Otternasen, Lerchenzungen oder drölftausend Steine durch die Pampa für eine Rüstung mit zwei Prozent mehr Verteidigung, sondern macht, worauf ihr wirklich Lust habt - zum Beispiel die Hauptstory oder nur spannende Nebengeschichten. Die Open World ist für den Spieler da, nicht umgekehrt.

Die Zukunft der Open World heißt Künstliche Intelligenz - Wie sich offene Welten verändern werden PLUS 0 Die Zukunft der Open World heißt Künstliche Intelligenz - Wie sich offene Welten verändern werden

3. Setzt euch eigene Ziele

Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Ja was will ich denn überhaupt? Mein Tipp für die neugewonnene Freiheit: Werdet selbst zum Quest Designer. Ich bin in AC Odyssey mit dem Ziel losgezogen, gelungene Bilder mit dem Fotomodus zu knipsen. Oder lasst euren Blick schweifen, bis er an einem Berg, Turm oder etwas anderem in der Ferne hängenbleibt und lauft einfach dorthin.

Oder ihr stellt euch vor spielerische Herausforderungen: Kollege Dimi entdeckte vor kurzem zum Beispiel eine eigene Community, die versucht, den Parkour in den Assassins-Creed-Spielen zu perfektionieren. Warum nicht an der eigenen Klettertechnik feilen? Begleitet mal einen NPC einen Tag lang, haltet euch in GTA 5 an die Verkehrsregeln und so weiter.

4. Legt (laaange) Pausen ein

Bei Open-World-Spielen helfen mir Pausen, nicht die Lust zu verlieren. Teilweise rühre ich Spiele wie Assassin's Creed oder Watch Dogs Wochen, Monate oder gar Jahre nicht mehr an, nur um dann irgendwann zurückzukommen und die Welt neu für mich zu entdecken - mit frischen Augen und wieder so viel Spaß wie am Anfang.

Dabei spielt euch der Service-Trend in die Hände: Assassin's Creed Odyssey hat nach dem Release zum Beispiel noch Nebenmissionen, Spezialaufträge, Bosse und wirklich spannende Story-DLCs erhalten, die mich sogar die Welt der Götter erkunden lassen. Hätte ich mich schon Monate vorher durch das Spiel gequält, hätte ich es dafür nicht nochmal installiert - und viel verpasst.

Allein für die DLCs lohnt es sich, ins Alte Griechenland von AC Odyssey zurückzukehren. Allein für die DLCs lohnt es sich, ins Alte Griechenland von AC Odyssey zurückzukehren.

5. Lernt die Spielwelt kennen

War man schon mal in LA, erlebt man Los Santos in GTA 5 plötzlich ganz anders. Oder man hat wie ich Japanologie studiert und quiekt deshalb jedes Mal freudig laut, wenn ein Schrein in Ghost of Tsushima besonders authentisch aussieht (Tue ich nicht, ich will nur meinen Punkt verdeutlichen!). Im Fall von Assassin's Creed hat uns sogar ein Archäologe für GameStar Plus bestätigt, wie authentisch Vieles nachgebaut wurde:

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Also warum nicht mal ein paar Wikinger-Dokus schauen oder ein Buch lesen, bevor man sich im Herbst in AC Valhalla stürzt? Oder ihr werft einen Blick auf das fantastische Historiendrama The Last Kingdom auf Netflix. Je mehr ihr über Zeit und Szenario wisst, desto mehr Neues gibt es auch in den Spielwelten zu entdecken.

Was sind eure Tipps, wie man mehr Spaß mit Open-World-Spielen haben kann? Schreibt sie mir in die Kommentare!

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