Baldur's Gate 3 muss mitreißender werden als die Klassiker

Meinung: Baldur's Gate 3 wird der Nachfolger für zwei der besten RPGs aller Zeiten. Für Fabiano die perfekte Gelegenheit, das ganze Genre zu modernisieren.

von Fabiano Uslenghi,
11.02.2020 12:55 Uhr

Baldur's Gate ist bis heute legendär. Das heißt aber nicht, dass wir in Baldur's Gate 3 nicht auf ein paar Änderungen hoffen können. Baldur's Gate ist bis heute legendär. Das heißt aber nicht, dass wir in Baldur's Gate 3 nicht auf ein paar Änderungen hoffen können.

Ich kann es eigentlich immer noch nicht so ganz glauben. Wir bekommen Baldur's Gate 3! Und das auch noch von dem Entwicklerstudio, das uns Divinity: Original Sin 2 beschert hat. Allein der Gedanke daran vertreibt in der Regel alle meine düsteren Emotionen und lässt mein Rollenspiel-Herz vor Freude Saltos schlagen.

Doch dann muss ich mich auch wieder zügeln, denn die Vergangenheit hat gezeigt: Die Rückkehr eines Videospiel-Klassikers kann ziemlich schiefgehen. Und gerade bei Baldur's Gate wird es schwer, jeden Fan wirklich zufrieden zu stellen. Die einen wollen wahrscheinlich ein Spiel, das sich so nah wie möglich an den Vorgängern orientiert. Andere haben Bock, mal was ganz anderes zu erleben.

Doch Baldur's Gate 3 - davon bin ich überzeugt - sollte beides leisten. Es könnte das erst kürzlich wieder von den Toten erwachte Genre der Iso-Rollenspiele ins nächste Jahrzehnt führen. Aber dafür muss es an seinem Appeal feilen, oder anders: Baldur's Gate muss mitreißender werden!

Der Autor: Da Fabiano den Großteil seine Freizeit nicht nur mit Computer-Spielen, sondern auch in Pen&Paper-Welten verbringt, sind klassische Rollenspiele der Marke Baldur's Gate für ihn seit Jahren die wichtigsten Releases des Jahres. Hier finden beide Hobbys zueinander und ermöglichen ihm, die fabelhaftesten Abenteuer zu erleben. Allerdings hat er auch nichts dagegen, wenn Spiele nicht jeden Aspekt seiner Fantasie überlassen. Deshalb wünscht er sich für Baldur's Gate 3, dass die epischen Kämpfe endlich auch so aussehen, wie er sie sich sonst immer nur in seinem Kopf ausmalt.

Das XCOM 2 für klassische Rollenspiele

Meine Hoffnung ist, das Larian mit Baldur's Gate 3 das bewirkt, was XCOM 2 für die Rundenstrategie auslöste. XCOM 2 hat es mit recht einfachen Mitteln geschafft, rundenbasierte Gefechte deutlich spannender zu inszenieren als jemals zuvor. Und eroberte dem Nischengenre eine deutlich größere Spielerschaft.

Lustigerweise reichten bereits ein paar Kamerafahrten und Nahaufnahmen, damit die Feuergefechte nicht mehr wie ein Spieleabend bei den Großeltern wirkten. Auch Larian hat in Divinity: Original Sin 2 gezeigt, wie spektakulär Kämpfe sein können. Die boten nämlich nicht nur taktische Tiefe, sondern dank knalliger Effekte auch die nötigen Schauwerte.

Wie mitreißend eine Schlacht in Iso-RPGs ist, ist bis heute sehr von seinem Effektfeuerwerk abhängig. Wie mitreißend eine Schlacht in Iso-RPGs ist, ist bis heute sehr von seinem Effektfeuerwerk abhängig.

Jetzt ist noch unklar, ob Baldur's Gate 3 ebenfalls auf Rundenbasis wechselt, oder die altbewährte Pausefunktion behält. In beiden Fällen sollte aber noch deutlich mehr Flair möglich sein. Ich will sehen, wie Klingen aufeinanderprallen, wie Feinde versuchen, die Hitze eines Feuerballes abzuschirmen. Vielleicht auch mal Spinnen, die nicht nur am Boden rumlungern, sondern Wände und Decken erklimmen.

Kurzum: Ich will, dass Baldur's Gate 3 mir das Gefühl gibt, dass CRPGs auch 2020 noch mit Bombast überraschen können. Sich weiterentwickeln und vielleicht sogar die Zielgruppe vergrößern.

Es geht immer besser

Denn ganz gleich, wie sehr ich das Genre der Oldschool-Rollenspiele liebe: Mit ihrer altbackenen Präsentation erreichen sie vor allem die Leute, die ohnehin schon 1998 an Bord waren. Und wenn das Genre auch im nächsten Jahrzehnt weiterhin existieren soll, darf es nicht stehen bleiben. Pillars of Eternity 2 war ein hervorragendes Rollenspiel, verkauft hat es sich aber trotzdem nicht. Ein Schicksal, das Baldur's Gate 3 nicht widerfahren darf!

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Dabei müssen Oldschool-Rollenspiele gar nicht ihre Identität aufgeben, um neue Spieler für sich zu begeistern. Dragon Age: Origins ist der beste Beweis dafür. Bioware hat damals sehr erfolgreich eine moderne Version von Baldur's Gate aus dem Ärmel gezaubert und wenn heute über ein neues Dragon Age geredet wird, lauscht die ganze Welt.

Etwas ähnliches muss auch Larian mit Baldur's Gate 3 gelingen. Deutlich aufgepeppte Kämpfe wären da ein wichtiger Schritt. Sowohl für die Qualität des Spiels, als auch seine Außenwirkung. Wenn schon in den Trailern wirklich zu sehen ist, wozu auch klassische Rollenspiele in der Lage sind, dann wird das zwangsweise zu einer größeren Spielerschaft führen.

Die Kunst wird darin bestehen, Neuheiten zu liefern, ohne den Charm der Klassiker dafür zu opfern. Vielleicht eine Forderung, der niemand gerecht werden kann. Aber ich traue es den Entwicklern bei Larian durchaus zu, hier die richtige Balance zu finden.


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