21. Oktober 2007: Boah, was ein cooles Ende! Mal schauen, wie es weitergeht!
, denke ich mir an diesem (mutmaßlich verregneten) Herbsttag. Kimi Räikkönen hat sich zum bis dato letzten Ferrari-Weltmeister in der Formel 1 gekürt. Ich bin 17 Jahre jung, taufrischer Azubi der Stadtverwaltung Wiesbaden, Single und habe soeben Metroid Prime 3: Corruption auf der Nintendo Wii durchgespielt.
6. November 2025: Boah, was ein cooles Spiel! Ich will nicht aufhören!
, denke ich mir an diesem (definitiv verregneten) Herbsttag. Mit meinen 35 Jahren werde ich inzwischen von Schulkindern im Bus gesiezt. Ich bin Spieleredakteur, mit Frau und Tochter gesegnet und habe soeben endlich Metroid Prime 4: Beyond auf der Nintendo Switch 2 gespielt.
18 Jahre mussten wir Fans auf ein neues Metroid Prime warten! Die Welt hat sich verändert, ich habe mich verändert, aber Samus Aran ist genau die Gleiche geblieben. Dabei hat Nintendos hauseigene Kopfgeldjägerin ebenfalls eine harte Zeit durchgemacht. Erstmals auf der E3 2017 angekündigt, wurde die Entwicklung 2019 komplett von vorn begonnen, inklusive Entwicklerwechsel.
Nintendo hat mich nach Frankfurt eingeladen, damit ich Metroid Prime 4 in Ruhe anspielen kann. Die Frage, die mich im Vorfeld als Fan umtreibt: Gelingt Samus das große Comeback?
Zwei Spielstunden später jauchzt mein Herz Ja!
, mein Kopf aber schreit Obacht!
Ein typischer Tag für Samus Aran
Die Handlung? Ach, Alltag im Metroid-Universum: Aliens greifen an, viel Peng, Peng, Explosionen. Krach! Wumm! Knall! Irgendwo geht was kaputt. Menschen sterben, Aliens auch. Samus schießt, springt, rollt und öffnet Türen. Sie verprügelt den Boss. Ein Portal öffnet sich, Samus wird eingesaugt.
Unsere Heldin erwacht auf dem fremden Planeten Viewros. Sie hat auf wundersame Weise all ihre Fähigkeiten verloren - also alles wie immer in Samus' Leben.
18 Jahre voller Fortschritte bei Storytelling und Spieldesign sind augenscheinlich an der Grundrezeptur von Metroid Prime spurlos vorbeigegangen und zugegeben: ich lieb's! Die Story-Prämisse kommt so schlicht daher, dass sie als Anachronismus in der heutigen Zeit schon wieder cool ist.
Wer Metroid kennt, der weiß zudem: Oft sind es die fremdartigen Umgebungen, die die eigentliche Geschichte erzählen. Wie in den drei Vorgängern lässt sich nämlich wieder alles abscannen, was nicht niet- und nagelfest ist. Türen, Steine, Pflanzen, Gegner, Tiere, …
Fragen wie Was ist hier passiert?
, Wo muss ich hin?
oder Wer hat hier gelebt?
werden so beantwortet. Lesefüchse werden mit einer tiefen Hintergrund-Lore belohnt. Wer hingegen lieber ballert, findet sich aber auch ohne ausgiebige Lektüre der stetig anwachsenden Reisebroschüre zurecht.
Im folgenden Gameplay-Zusammenschnitt meiner Anspielsession müsst ihr weder lesen noch schießen, sondern einfach nur gucken. Aufgenommen wurde das Material mit aktiviertem HDR, bei der Konvertierung wurde es auf den SDR-Farbraum heruntergerechnet.
2:00
Metroid Prime 4: Gameplay-Szenen aus dem großen Switch-2-Highlight im Dezember 2025
Ich bin wieder 17!
Das Gameplay von Metroid Prime 4 trifft bei mir voll ins Schwarze. Von der Sekunde an, in der ich den Pro Controller der Switch 2 in die Hand nehme, bin ich wieder der 17-Jährige Grünschnabel. Ich bin baff, wie stark ich auch heute noch auf das Oldschool-Gameplay anspringe.
Ich stehe in einem Dschungel. Schwindelerregend hohe Bäume lassen das gleißende Sonnenlicht kaum durch. Überall um mich herum zirpen und zwitschern die Bewohner dieser fremdartigen Umgebung, von denen mich fast alle umbringen wollen.
Mit meiner vielseitig einsetzbaren Armkanone ballere ich mir den Weg frei, bis ich vor uralten Ruinen stehe. Darin zu finden: mordlüsterne Aliens und haufenweise Rätsel. Mit dem neuen Psy-Sensor in Samus Helm löse ich kleine Knobeleien, um Türen zu öffnen und Schalter zu aktivieren.
Oft genügt es, per Psy-Kraft einen Mechanismus zu betätigen oder ein Muster mit dem Finger nachzuzeichnen. Ist das revolutionäres Game-Design? Nein. Macht es in Kombination mit dem restlichen Gameplay teuflisch viel Spaß? Oh ja!
Auf meiner Reise durch den Dschungel und die Tempelanlage komme ich bereits an vielen versteckten Items vorbei, die ich Metroidvania-typisch anfangs noch nicht erreichen kann, weil mir die dafür benötigten Fertigkeiten fehlen. Ich spüre sofort das aufgeregte Kribbeln im Bauch bei dem Gedanken daran, diese Spielwelt im Schlafanzug auf der Couch bis in den hintersten Winkel zu erforschen.
Vielversprechend: Der Mix aus Shooter-Einlagen und kurzen Rätseln hält sich in dem von mir gespielten Abschnitt die Waage, sodass das Geschehen weder zu einer monotonen Schießbude, noch zu einer einschläfernden Knobleltortur ausartet.
Nostalgie-Bonus: Wenn Samus eine neue Fähigkeit aufsammelt, ertönt die Metroid-typische Melodie. Ihr wisst schon. Ahhhaahhahhahaaahhahhaa… okay, das funktioniert nicht. Dann eben so:
0:22
Nostalgie pur: Wir lernen in Metroid Prime 4 eine Fähigkeit und die Melodie kennt jeder Fan
Ihr merkt: Metroid Prime 4 erfindet das Rad nicht neu, im Gegenteil. Statt auf moderne Gaming-Konventionen aufzusatteln, liefern Nintendo und das Entwicklerteam bei den Retro Studios unkomplizierte Shooter-Action und lineares Leveldesign nach alter Machart. Wie schon Doom: The Dark Ages im Mai 2025 versetzt mich auch Metroid Prime 4 zurück in die gute, alte Zeit™.
Für Fans ist das eine super Nachricht. Nach 18 Jahren fühlt sich das an wie nach Hause kommen. Wer hingegen auf eine Story-Inszenierung nach heutigen Triple-A-Maßstäben und zeitgenössische Komfortfunktionen hofft (die 3D-Karte ist genauso umständlich wie früher und ich weiß nicht, ob ich seufzen oder mich freuen soll), wird hier wohl nicht glücklich.
Das große Fragezeichen
Die linearen Metroidvania-Abschnitte werden, so weit lehne ich mich vor dem Test bereits aus dem Fenster, allererste Sahne. An dieser Front habe ich nach meinem Anspieltermin nicht mehr den geringsten Zweifel, dass uns hier ein spielerischer Hochgenuss als krönender Abschluss für das fulminante erste Lebensjahr der Switch 2 erwartet.
A-b-e-r. ABER. Aaaabbbeeerrr. Jetzt kommt, haltet euch fest, das Aber
: Es gibt da ja noch den Open-World-artigen Bereich der Spielwelt. Also den Part des Alien-Planeten, den Samus auf ihrem brandneuen Sci-Fi-Motorrad mit dem etwas fremdschämwürdigen deutschen Namen Vi-O-La bereist.
Nintendo-Spiele und das sinnvolle Befüllen von Open Worlds - bei dieser Kombi hapert es gerne mal. Mario Kart World ist das jüngste mahnende Beispiel. Fans fragen sich deshalb verständlicherweise: Braucht's das in einem Metroid?
Und jetzt ratet mal, welchen Bereich des Spiels ich nicht ausprobieren durfte? Richtig. Ich bin deshalb ehrlich: Mir schwant da nichts Gutes. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch. Ich hoffe es sogar, denn alles, was ich sonst von Metroid Prime 4 gespielt habe, schreit geradezu nach einem Hit.
Bildhübsch, solange ihr nicht genau hinschaut
Ein Hit ist die Grafik der Switch-2-Fassung hingegen nur bedingt. Das Spiel schaut klasse aus - aber ihr dürft nicht stehenbleiben und genau hinschauen. Das klingt schräg, ich weiß. Lasst es mich anders ausdrücken:
Auf den ersten Blick sieht Metroid Prime 4 umwerfend aus. Die Beleuchtung ist todschick, die Effekte knallen, jeder Schauplatz strotz vor kleinen Details und all das auf der Switch 2 in 4K/60 FPS oder 1080p mit rasanten 120 Bildern die Sekunde.
Dass es sich im Kern aber um ein Spiel für die Switch 1 handelt, wird deutlich, sobald ihr innehaltet und euch den Stein zu eurer Rechten oder die Wandtextur zu eurer Linken mal genauer anschaut. Oder die etwas grobpixeligen Schatten. Aber wer macht das schon, wenn euer Auge ständig mit neuen Panoramen und fremdartigen Schauplätzen verwöhnt wird?
Die Audio-Kulisse hingegen gibt sich keine Blöße. Sowohl die Waffensounds als auch die Umgebungsgeräusche sowie der orchestrale Sci-Fi-Soundtrack mit viele bekannten Metroid-Melodien bringen mein Fan-Herz dazu, im Takt mitzuschlagen.
Ob das gesund ist oder nicht, steht in den Sternen. Ich hingegen freue mich jetzt erst einmal auf den 4. Dezember 2025, wenn ich endlich wieder Siebzehn sein darf.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.