Auch, wenn ein großer Teil der Spielerschaft es gerne mal ignoriert: Minecraft kann man tatsächlich durchspielen. Der Abspann läuft, sobald man den Enderdrachen im End um die Ecke bringt.
Aber um es überhaupt dahin zu schaffen, bedarf es einiger Vorbereitungen. Der Weg in die alternative Dimension ist komplex und dann muss man für den Bosskampf auch entsprechend ausgerüstet sein. Für normale Spielerinnen und Spieler vergehen bis dahin gerne mal mehrere Dutzend Stunden.
Über diesen lächerlichen Zeitaufwand kann ein besonderer »Spieler« aber nur herzlich lachen. Er braucht satte 2 Milliarden Jahre, um den Kampf gegen den Enderdrachen zu gewinnen. Dieser »Spieler« ist Minecraft selbst.
Vom Gedankenexperiment zur Simulation
Ja, Minecraft kann sich selbst durchspielen – zumindest, wenn alle Sterne richtig stehen, wie in der Simulation des Youtubers Redlogic . Er wollte wissen, ob die Bewohner einer Minecraft-Welt ganz ohne Zutun eines Spielers dazu in der Lage sind, den Enderdrachen zu bezwingen und das Spiel damit selbst zu beenden. Das ganze Video seht ihr hier:
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Die Idee dahinter geht auf ein Gedankenexperiment des Kanals Retrogamingnow zurück, war bis dato aber vor allem hypothetisch: Die Welt in Minecraft ist lebendig, befolgt eigene physikalische Regeln und seine Kreaturen interagieren auf unterschiedlichste Weise miteinander und mit der Umwelt. Daraus entstehen Ketten von Zufällen, die die Welt nachhaltig verändern können.
Eine bestimmte Aneinanderreihung von Zufällen kann schließlich eben auch das Ende des Spiels herbeiführen und Redlogics Simulation liefert jetzt Daten, die das Gedankenexperiment unterfüttern. Für die Stochastik-Liebhaber unter euch: Redlogic nutzte eine Monte-Carlo-Simulation, um die enormen Spannen von mehreren Milliarden Jahren rechnerisch zu überbrücken.
So beendet man Minecraft normalerweise
Um überhaupt ins End zu gelangen, muss man als Spielerin oder Spieler ein Endportal finden. Dieses ist zufällig unter der Erde in einer Festung platziert. In der Regel muss man es aber erst noch in Gang setzen, bevor die Reise ins End losgehen kann. Dazu benötigt man sogenannte Enderaugen, die in den Rahmen eingesetzt werden. Ein paar davon sind meist schon drin, den Rest muss man sich selbst craften.
Ist das Portal wieder in Betrieb, wird man ins End gebeamt und stellt sich dem Enderdrachen. Das wütende Kerlchen wird allerdings kontinuierlich von Kristallen auf hohen Obsidiantürmen geheilt. Diese gilt es mit gezielten Bogenschüssen und waghalsigen Klettereinlagen zu zerstören, bevor es dem gigantischen Flugtier an den Kragen geht.
Im Kampf gegen den Enderdrachen kann man zu allerlei taktischen Tricks greifen, Hauptsache, sie machen Schaden. Ist man seinen tödlichen Angriffen erfolgreich entkommen und bringt seine Lebensleiste auf Null, löst er sich in leuchtendem Wohlgefallen auf. Bei der Rückkehr in die Oberwelt starten die Credits.
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Eine Reihe von Zufällen
Nicht jede Minecraft-Welt kann sich selbst durchspielen. Da ohne Spielerin oder Spieler niemand fehlende Enderaugen ins Endportal einsetzen kann, muss der Zufall dafür sorgen, dass ein vollständig bestücktes Portal von selbst spawnt. Das kann auch tatsächlich passieren, die Chance dafür liegt allerdings bei 1 zu einer Billion. Redlogics Simulation musste also erst einmal die richtige Welt generieren.
Ein weiteres Kernelement der Simulation ist das Verhalten von Endermen. Die großgewachsenen Kreaturen können nämlich Blöcke aufheben, transportieren, platzieren und damit neue Kreaturen erschaffen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, machen wir mal eine Timeline mit den wichtigsten Ereignissen aus 2 Milliarden Jahren Minecraft auf:
- Jahr 33.477: Ein Enderman nimmt einen Kürbis auf, der 2.000 Jahre lang hin und her platziert wird. Dieser wird schließlich auf zwei Schneeblöcke gesetzt und so entsteht ein Schneegolem, der von sich aus andere Kreaturen angreift.
- Jahr 35.510: Dieser Schneegolem attackiert einen Creeper in der Nähe des bereits vollständigen Endportals. Der Creeper explodiert und öffnet die Route zum Portal. Das Gleiche passiert 2.000 Jahre später mit einem anderen Schneegolem an der gleichen Stelle und der Weg zum Portal ist frei.
- Endermen beginnen damit, sich zufällig zum Endportal zu bewegen und Blöcke ins End zu tragen. Auch Schneegolems und Creeper begeben sich dorthin, aber weder Endkristalle noch Enderdrachen werden angegriffen.
- Nach 3 Millionen Jahren: Ein Schneegolem bewirft einen Enderman mit einem Schneeball, verfehlt und trifft einen der Kristalle. Fehlen nur noch neun.
- Nach 199 Millionen Jahren: Der zehnte und letzte Kristall wird auf die gleiche Weise zerstört.
- Nach 227 Millionen Jahren: Ein Schneegolem bringt einen Creeper zum explodieren, der das erste Mal den Enderdrachen trifft. Er nimmt 4 Schadenspunkte.
- Nach 250 Millionen Jahren: Der Enderdrache hat 2 Prozent seiner Gesundheit verloren.
- Nach 1,975 Milliarden Jahren: Dem Enderdrachen werden die letzten Lebenspunkte abgezogen.
Am Ende bleibt ein Schlachtfeld
Bereits während des schier endlosen Kampfes transformiert sich die Arena bis ins Unkenntliche. All die Blöcke, die von Endermen herangeschleppt werden, stapeln sich und verwandeln das End in einen wilden Mix aus Erde, Sand und Stein. Wenn das End nach 2 Milliarden schon so aussieht, was ist dann wohl erst aus der Oberwelt geworden?
Redlogic zeigt im Video, dass sämtliche Biome einen neuen Anstrich bekommen haben. Irgendwo müssen die Endermen die Blöcke ja schließlich herhaben, die im End gelandet sind. Und natürlich haben sie diese auch nicht nur zur Adresse des Enderdragon geliefert, sondern überall hin.
Interessant ist außerdem, dass die Schneebiome besonders unter Creeper-Explosionen litten. Klar, denn die meisten Schneegolems entstehen schließlich da, wo es viel Schnee gibt, und wir wissen ja bereits, dass sie die hitzköpfigen Quadratschädel besonders gerne zur Weißglut bringen.
Die Dorfbewohner, die natürlicherweise die Minecraft-Welt bevölkern, sind mittlerweile längst ausgestorben und ein ähnliches Schicksal steht auch dem End bevor. Die Endermen nehmen hier abermals eine entscheidende Rolle ein. Da sie viel öfter mit Blöcken unter dem Arm hinauswandern als hinein, bleibt irgendwann nichts als Leere übrig.
Schließlich erreicht die gesamte Minecraft-Welt einen Punkt, an dem sich nichts mehr grundlegend ändert. Die Blöcke sind überall verteilt und das eine Biom ist vom anderen nicht mehr zu unterscheiden. Das ist dann wohl das wahre Ende von Minecraft.

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