Minute of Islands sieht nach gute Laune aus, macht aber das Gegenteil

Preview: Wir konnten Minute of Islands exklusiv mehrere Stunden anspielen und wurden überrascht: Hinter der fröhlichen Optik verbergen sich tiefe Abgründe.

von Elena Schulz,
29.08.2020 10:00 Uhr

Genre: Puzzle-Adventure | Entwickler: Studio Fizbin | Plattform: PC, Mac, PS4, Xbox One, Switch | Release: 2020

Etwas aufzugeben, erfordert Kraft. Und ist manchmal deutlich schwerer, als Kaputtes wieder zu reparieren. Genau dieser innere Konflikt macht Minute of Islands zu einem schwierigen Spiel - und dabei gibt es nicht mal Kämpfe.

Wir begleiten Heldin Mo, die verzweifelt versucht, ihre Heimatinseln zu retten. Die ersticken nach und nach in giftigen Pilzsporen. Nur uralte Mechanismen - angetrieben von Riesen - können sie retten. Doch die Kolosse versagen, die Luft wird dünner und die Verantwortung auf Mos Schultern größer.

Was sich hinter der heiteren Comic-Grafik offenbart, macht auch uns beim Spielen nachdenklich, stellenweise sogar traurig. Eine emotionale Erfahrung - aber lässt die sich mit Spielspaß vereinen?

Info:
Wir durften Minute of Islands für die Preview exklusiv drei Stunden lang spielen. Das fertige Spiel soll vier bis fünf Stunden an Spielzeit umfassen.

Insel-Rettungsdienst ahoi!

Minute of Islands lebt von den Einblicken, die wir in Mos Leben erhalten. Die junge Frau ist als Trägerin des Omni Switch dafür verantwortlich, die Inseln in Schuss zu halten. Als die oben erwähnten Mechanismen nicht mehr funktionieren, muss sie den Grund herausfinden. Mo fährt dazu mit ihrem Boot von Insel zu Insel, meistert Puzzles und Plattformer-Passagen.

Beide spielen sich in der Regel wenig anspruchsvoll. Meist erkunden wir, um eine alternative Route zu finden oder einen Energiekreis zu schließen. Der aktiviert Maschinen, die dann neue Türen öffnen. Irgendwann stoßen wir dann zu denen vor, die die Luft reinigen und können die vier Riesen damit wiedererwecken.

Fordernder wird es nur, wenn Timing gefragt ist: An einer Stelle musste Mo zum Beispiel auf festen Bahnen herumsausenden Energiekernen ausweichen, um eine Tür zu erreichen. Die schloss sich, sobald wir mit den Kernen in Berührung kamen.

Minute of Islands - Screenshots ansehen

Gefühle ohne Holzhammer

Dennoch motiviert Minute of Islands beim Spielen. Und das liegt ausgerechnet an den Sammelobjekten. Auf den Inseln verstecken sich Erinnerungen. Mit jeder erfahren wir mehr über die Heldin und ihr Leben, wenn wir sie aufspüren: Mo hat einen Onkel und eine Schwester. Das Verhältnis zu beiden ist angespannt.

Die Gründe sind anfangs nicht klar, weil viel Unausgesprochenes in der Luft liegt. Mos Onkel fühlt sich schuldig, weil er die Rettung der Inseln seiner Nichte überlassen muss. Mo wiederum stößt ihre Familie von sich weg, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, was ihre ältere Schwester nicht verstehen kann.

Damit zeichnet das Spiel überraschend komplexe, lebensnahe Beziehungen ohne je zum Holzhammer zu greifen. Niemand hat böse Absichten, jeder bemüht sich und trotzdem ist die Familie zerrüttet. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Momente: Beispielsweise, wenn ein kleines Tier plötzlich beschließt, uns auf dem einsamen Boot Gesellschaft zu leisten. Oder unser stolzer Onkel mit uns auf eine gerettete Insel anstoßen will.

Minutes of Island umschifft damit viele erzählerische Fallstricke. Emotionale Geschichten driften gerne ins Kitschige ab oder binden uns bei jeder Gelegenheit ihre Botschaft auf die Nase. Hier müssen wir stets zwischen den Zeilen lesen, was die Erfahrung ungleich wirksamer macht.

Minute of Islands - Puzzle-Plattformer mit Pilzgeschmack 1:24 Minute of Islands - Puzzle-Plattformer mit Pilzgeschmack

Potenzial | Gut

Elena Schulz
@Ellie_Libelle
Der Comic-Stil hat mich neugierig auf Minute of Islands gemacht. Er hebt sich optisch ab und liefert schon erste Hinweise auf die Abgründe der Story. Während manche Screenshots eine fröhliche Insel-Idylle zeichnen, erwarten mich auf anderen Walkadaver mit herausgerissenen Gedärmen oder verstörend fleischige Maschinen und unterirdische Tunnel. Nein, irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Und ich will wissen was! Auch wenn Minute of Islands für mich spielerisch noch einen Gang zulegen könnte, motiviert mich allein die Handlung um die mysteriösen Inseln und Mos Schicksal zum Weiterspielen.

zu den Kommentaren (7)

Kommentare(7)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.