Die »Sehsation«: Flight Simulator 2020 und 2024
Auch Microsoft selbst besann sich elf Jahre nach Einstampfen der Serie darauf, was die Firma an den Simulatorfans eigentlich hat – traf genau bei diesen aber erstmal auf Skepsis. Schon Optik und Bedienung irritierten. Der Simulator wirkt heute weniger wie eine seriöse Simulationsanwendung, sondern wie ein Spiel – noch dazu eines, dessen Bedienung klar auf die Xbox-Konsole und Nutzer aus der Gamingszene ausgelegt ist.
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Der Flight Simulator 2024 macht einen großen Sprung - nicht nur bei der Technik
Szene-Urgestein Bert Groner vermutet, dass die spielerischen Aspekte im FS 2020 (wie die kostenlosen DLCs zu den Filmen Top Gun Maverick und Dune) und der Karrieremodus im FS 2024 sich weniger an die langjährigen Nutzer richten, sondern an eine jüngere Klientel:
»Missionen und die Option, den MSFS auf der Xbox zu ›spielen‹ sind Versuche, ein junges Publikum anzusprechen. Microsoft hat das geschafft. Die Frage ist, wie lange diese neuen Nutzer an Bord bleiben.«
Dass Microsoft dem Thema Flugsimulation neue Aufmerksamkeit verschafft hat, ist unbestritten – aber Teile der langjährigen Szene fragen sich, ob das nicht nur ein Strohfeuer ist. Wie viele der neuen Nutzer werden ein so intensives Interesse an der Flugsimulation entwickeln, dass sie die Fackel der eingangs beschriebenen, Flüge sehr ernsthaft planenden und durchführenden, Szene weitertragen? In anderen Worten: Wer spielt also und wer simuliert?
Auch Simulator-Experte Bert Groner weiß die grafischen Qualitäten der neuen Simulatoren zu schätzen und vermutet, dass das auch für die – sich nach außen hin oft kritisch gebende – langjährige Community gilt: »Möglich, dass sie das nicht öffentlich zugeben, aber die Optik des MSFS wird die meisten ›umgehauen‹ haben.« Bert vermutet, dass insbesondere vom Prepar3D viele zum MSFS gewechselt sind.
Allerdings weiß Bert auch von Usern, die gerade wegen der Grafik nun doch noch zum lang verschmähten X-Plane abwandern:
»Mir ist von einigen ehemaligen Lesern des FS MAGAZIN bekannt, dass sie endgültig und nach sehr langem Überlegen zum X-Plane gewechselt sind. Für sie war grundsätzlich die ›sehsationelle‹ Optik des MSFS zu viel. Sie wollen sich auf das Fliegerische konzentrieren.«
Zusammen statt getrennt
Leben hier also wirklich zwei Szenen aneinander vorbei – die Spieler und die Simmer? Vielleicht ist eher von einem Generationswechsel und einer neuen Umgangsweise mit dem Genre zu sprechen. Die Simulatorszene seit den 1980er Jahren sei überaltert, schreibt mir Bert. Manche User seien mittlerweile 70 bis 75 Jahre alt (in Einzelfällen sogar noch älter); in dieser Altersklasse seien einige noch heute mit dem FSX unterwegs. Denn realistisch Flüge planen und Verfahren anwenden kann man mit dem FSX heute noch.
Aber das geht eben auch mit dem Flight Simulator 2020. Und es wird noch besser mit dem Flight Simulator 2024, der erstmals echte Airport Charts (Ab- und Anflugkarten) mitbringt – in Zusammenarbeit mit Lufthansa Systems, wie auch eine Pressemitteilung stolz verkündet.
Dadurch kommen auch »die Spieler« direkt in Kontakt mit realistischen Abläufen, ohne extra ein Abo bei Drittanbietern für die Karten abzuschließen. Solche Niedrigschwelligkeit in diesem sonst nur Profis vorbehaltenen Bereich gab es noch nie im Flight Simulator. Sie ist eine gute Voraussetzung, damit auch neue Nutzer mehr tun als nur mal eben das eigene Haus anzuschauen.
Letzten Endes ist die Grenze zwischen Spiel und Simulation ohnehin fließend. Und zumindest ich bin der Ansicht, dass Flight Simulator-Nutzer selbstverständlich schon immer gespielt haben – ein Spiel mit komplexen Regeln zwar, aber solange die Simulation nicht Teil des Arbeitsalltags ist, eben ein Spiel. Und das ist überhaupt nichts Negatives. Beiden Teilen der Community, jung und alt, Gamer und Simmer, wäre zu wünschen, dass sie miteinander spielen und simulieren, statt nebenher. Der Flight Simulator 2024 bietet dafür nochmal eine Chance.
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