New World: 6 Dinge, die das MMO zum Release verbessern muss

Zum Ende der Beta von Amazons MMO New World zieht die Redaktion ein Fazit: Wo hakt es noch und welche Features müssen zu Release verbessert werden?

von GameStar Redaktion, Géraldine Hohmann,
05.08.2021 10:35 Uhr

Die Beta von New World ist vorbei - und nun warten MMO-Fans auf den finalen Release. Der wurde allerdings überraschend auf den 28. September verschoben. Auch wir haben fleißig die Beta gespielt und New World auf Herz und Nieren getestet. Das ausführliche Beta-Fazit von Petra findet ihr in ihrem Test:

New World: Auf der Suche nach der Identität   38     26

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New World: Auf der Suche nach der Identität

Obwohl New World an vielen Stellen überzeugt, zeigt die Beta vor allem eines: Da gibt es noch einiges zu tun! Die Redaktion verrät euch die sechs wichtigsten Features, bei denen Amazon zum Release noch nachbessern muss.

Performance und Technik: Bitte noch einmal nachbessern

Alexander Köpf: New World ist ein wirklich schickes Spiel, zumindest was die Konkurrenz auf dem Markt für Online-Rollenspiele anbelangt. Spontan fällt mir nur Black Desert Online ein, das ähnlich gut aussieht. Der tolle Look und die trotzdem gute Performance haben mich beim ersten Anspielen daher direkt in ihren Bann gezogen.

Auf den zweiten Blick offenbart New World dann allerdings doch die ein oder andere gravierende Schwäche bei der technischen Umsetzung. Die Bildrate ist zwar in bewaldeten Gebieten, außerhalb von Städten und größeren Spieleransammlungen, wirklich gut, aber sobald ebenjene sich in größerer Anzahl tummeln oder ich in eine Stadt laufe, brechen die FPS teils dramatisch ein.

Das lässt jegliche Immersion wie eine Seifenblase zerplatzen und reißt mich harsch aus dem ansonsten ziemlich hübschen Fantasy-Setting. Hier sollte Amazon Games dringend nachbessern und bis zum Release am 28. September abliefern, sonst sehe ich zumindest aus technischer Sicht Piraten-schwarz.

Massenschlachten: Mehr Abwechslung bei den Maps

Géraldine Hohmann: In die 50-gegen-50-Schlachten in New World reinzukommen, scheint schwieriger als in einen angesagten Club in Berlin. Man ist darauf angewiesen, von den jeweiligen Gebietsleiter zu den Waffen gerufen zu werden und wenn man kein Schwarz trägt ... ähm, wenn man unter Level 40 ist, dann hat man nur wenig Chancen. Hinzu kommt, dass die Schlachten teilweise um 7 Uhr morgens stattfinden - da werden die meisten doch eher dankend ablehnen.

Aber mein Problem liegt ganz woanders: Die Massenschlachten sind nämlich unglaublich abwechslungsarm. Pro Gebiet gibt es bis dato nur ein instanziiertes Schlachtfeld mit einem immer gleichen Fort, das eingenommen wird. Eigentlich bietet der Krieg unheimlich viel strategisches Potenzial dank Belangerungswaffen, spannendem Kampfsystem und Kampfpunkten, mit denen ihr euch mit Munition versorgt. Aber auf immer der gleichen Map kommt auf Dauer keine spannende Dynamik zustande.

Die entsteht ja in vielen PvP-Spielen erst durch die taktischen Unterschiede der Maps. Sind sie in die Höhe oder in die Breite gebaut? Wo positionieren sich Fernkämpfer? Wo kann man Fallen platzieren? Für die Zukunft (wenn auch realistischerweise nicht zum Release) wünsche ich mir dafür deutlich mehr Abwechslung. Denn die Kämpfe haben Potenzial!


Ihr wollt euch für den Release von Amazons MMO am 28. September vorbereiten? Unsere Guide-Autoren haben die Beta-Phase genutzt und euch hilfreiche Tipps für New World zusammengetragen. Bei GameStar Plus findet ihr einen umfangreichen Einsteiger-Guide und hilfreiche Tipps zum Crafting. Außerdem könnt ihr euch jetzt schon Inspiration für eure Builds holen.

Questdesign: Zu viele Köche verderben den Brei

André Baumgartner

André Baumgartner: Dieses Sprichwort trifft auf die Quests von New World ganz besonders zu, denn aus einem Guss wirkt da wenig. Mal brauche ich nur Minuten für eine Aufgabe und mal Stunden. Nicht etwa, weil es ausgefeilte Quest-Reihen zu meistern gilt, sondern weil man nebst der langen Laufwege immer wieder dazu verdonnert wird, an den Spawns bestimmter Mobarten auszuharren.

Ständig bilden sich Trauben gelangweilter Abenteurer um die Wiedergeburtsstätten einzelner Minibosse, auf die man bis zu sechs Minuten warten darf. Die Populationen mancher zur Jagd ausgeschriebener Tiergattungen schwanken zwischen Heuschrecken und Dodo. Auch hier wird erschreckend deutlich, wie uneinheitlich das Questdesign daherkommt, denn manchmal fallen für alle Beteiligten Quest-Lootsäckel ab und ein andermal geht es nur für denjenigen weiter, der ein Vieh häutet.

Hinzu kommen nervige Bugs, derentwegen wichtige visuelle Effekte gar nicht oder nur auf große Distanz angezeigt werden. Das können die geforderten Grabungsstellen auf einem Acker oder tödliche Laserfallen in einer Gruppeninstanz sein. Zumindest diese Baustelle sollten und müssen die Entwickler noch in den Griff bekommen. Ob sich der Rest vor dem Servieren Ende September noch ordentlich abschmecken lässt, bleibt fraglich.

Besseres Loot-Prinzip: Gib her, das ist MEINS!

Gloria H. Manderfeld: Ich hatte so gehofft, dass New World sich von den MMORPG-Veteranen wie ESO, GW2, WoW und Konsorten ein paar Sachen abschauen würde. Das haben die Entwickler auch getan - leider aber auch einige problematische. Zum Beispiel das unsägliche gegeneinander-looten-Prinzip, das mir schon bei WoW, ESO und SW:ToR immer wieder das Ressourcensammeln versaut. Und das geht so: Kaum erspähe ich bei einem Ausflug ein Kräutlein, das ich prima zum Köcheln alchemischer Gebräue brauchen könnte und bewege mich drauf zu, springt ein anderer Spieler aus dem Gebüsch und grabscht sich das Pflänzchen - ich gucke in die Röhre.

Hätte ich Bock auf PvP (und wäre dieser kräuterklauende Unhold auch PvP-geflaggt), könnte ich meiner Konkurrenz wenigstens noch frustriert auf den Kopf schlagen, aber es ändert nichts am eigentlichen Problem. Das Kraut ist weg und ich muss entweder auf den Respawn warten oder mir woanders einen Ort suchen, an dem das Zeug wächst. Anwendbar ist das auf alle Ressourcen - einzige Ausnahme bilden Tierkadaver. Wer ein selbst getötetes Tier nicht häutet, lässt den Tierkörper für Häutungswilligere liegen. Es kann euch aber auch passieren, dass ihr gerade zum Häuten ansetzt und andere Spieler schnibbeln euch frech das Viech vor der Nase weg - eben ein dauerhaftes »jeder gegen jeden«.

Liebe Entwickler, werft doch mal einen Blick auf Guild Wars 2: Da darf jeder sammeln, der eine Ressource erspäht, und der Markt ist trotzdem nicht hoffnungslos von Rohstoffen überschwemmt. Grinden muss man in New World auch an anderen Stellen genug ...

Schnellreise: Reise, Reise Seemann Reise

Florian Franck: Jeder tut's auf seine Weise. Mit »Reise Reise« haben Rammstein einen wirklich bemerkenswerten Song abgeliefert. Aber nach dem zehnten Mal sehnt man sich dann doch nach einer Alternative. Und während im Hintergrund »I'm gonna be (500 Miles)« läuft, bewegt man sich auf den Questgeber zu, um die entsprechende Belohnung abzuholen.

Im Anschluss laufen wir weiter und weiter … und weiter - wie bei Fats Dominos Song »I'm Walking«. Die ersten Stunden fällt das nicht stark ins Gewicht, immerhin ist die Welt von Aeternum wunderschön und nach jeder dritten Abbiegung entdeckt man einen interessanten Ort.

Das viele Laufen stört irgendwann doch und die kostenlose Schnellreise in die Taverne hat einen sechzig Minuten langen Cooldown. Aber was ist denn mit dem Azoth? Damit kann man doch Schnellreisen! Das stimmt, aber ihr bekommt es von Verderbten der Stufe 20 oder höher als Quest-Belohnung oder als Belohnung für die Teilnahme an Welt-Events.

Azoth wird auch beim Crafting eingesetzt und hat in New World mehrere wichtige Funktionen. Die seltene Ressource offenbart das Problem: Reisen in New World sind viel zu lang, Schnellreisen hingegen sind umständlich und zerstören die Immersion. Gerade für Einsteiger wäre eine komfortable Reisefunktion, die keinen hohen Cooldown hat oder Azoth benötigt, wirklich wünschenswert. Oder kürzere Wege zu jeweiligen Quest-Markern.

Mounts wären natürlich noch schöner, immerhin könnte ich dann auf meinen Reisen »You'll never walk alone« singen.

Sammelquests: Willkommen zurück in 2004

Gloria Manderfeld: Dass die Welt einen sagen wir recht überschaubaren Hintergrund hat - geschenkt. Eigentlich sollte es ja ein PvP-Spiel werden, und da erwartet niemand beim ersten Wurf eine tiefgründige, detailverliebte Weltgeschichte. Beim auf Hol's-und-Bring's-Quests beschränkten Missionsdesign fühlte ich mich allerdings des öfteren - na gut, eigentlich andauernd - in die Anfangszeit von World of Warcraft zurückversetzt: Hol mal hier zehn Zhevrahufe im Brachland (natürlich tötet man insgesamt locker 50 Zhevras, weil so ein einzelnes totes Zhevra so gut wie nie auch nur einen Huf dabei hatte)! Bring mal da das frische Mittagessen zu meinem Mann im Wachposten vor der Stadt! Sammel dort drei Dinge ein, die ich dringend brauche!

So universell einsetzbar diese Art von Aufgaben schon damals war, so langweilig und nervtötend ist sie noch heute. Denn in all der Sammelei und dem drögen Zählen, wie viele Wölfe man noch töten muss, damit die nervige Mission endlich abgeschlossen ist, verliert sich der Spaß am Spiel ziemlich schnell. Natürlich haben auch andere MMORPGs eine Menge solcher Quests im Angebot. Aber gerade The Elder Scrolls Online gelingt es viel besser, langweilige Sammelmissionen durch interessante Geschichten zu untermalen, bei Star Wars: The Old Republic gibt's oft Zwischensequenzen mit ein bisschen Handlung dazu. Selbst World of Warcraft bemüht sich in den letzten DLCs um Abwechslung bei den täglichen Missionen und lässt uns fliegen, springen oder wilde Tiere zähmen.

Bei diesem Aspekt habe ich angesichts des bald folgenden Releasetermins keine Hoffnung auf Besserung mehr. Aber vielleicht berappeln sich die Entwickler noch bei kommenden Erweiterungen. Motiviertere Missionsautoren wären da echt ein Anfang!

Habt ihr die Beta von Amazons MMO auch gespielt? Erzählt uns doch von euren Eindrücken zu New World in den Kommentaren!

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