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Norland: Das Mittelalter-Aufbauspiel will Geschichten erzählen, auf die Rimworld neidisch wäre

In Norland trifft Rimworld auf Crusader Kings und das Ergebnis ist ein komplexes Aufbauspiel, in dem es um Hof-Intrigen, Krieg, Liebe, Verzweiflung und Machtgier geht.

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Das Mittelalter ist ein wundervoller Ort für unterhaltsame Geschichten. Hier kommt auch einfach alles zusammen! Gesellschaftliche Unterschiede, Intrigen, übermäßige Schuldgefühle und die absolute Bereitschaft, aus verletztem Ehrgefühl einen Krieg vom Zaum zu brechen. Wo sonst hört man Geschichten wie: Und dann schickte Lord Baxterbax-Studdord seine Reiterarmee aus, um gegen den verruchten Lord Marrington ins Feld zu ziehen, der sich erdreistete, beim Festbankett des Königs das letzte Schmalztörtchen zu verzehren.

Deshalb ist das Mittelalter schlicht das beste Szenario für eigentlich jedes Spielegenre. Ganz besonders aber eben für jene Spiele, die dieses unendliche Potenzial für absurde, schöne oder dramatische Geschichten voll ausschöpfen wollen. Wie viel Erfolg man damit haben kann, zeigt sich schon allein an Crusader Kings 3.

Doch neben Crusader Kings hat sich auch der Aufbauhit Rimworld inzwischen einen Ruf als Story-Generator aller höchster Güte erarbeitet. Was wäre nun, wenn beides zusammen käme? Das fragen sich momentan viele Menschen und deshalb entstehen neben Mods für Rimworld derzeit kleine Spiele wie Clanfolk, Going Medieval oder eben der heutige Vorstellungs-Kandidat: Norland!

Video starten 2:14 Norland: Der Trailer zeigt, wie ein mittelalterliches Aufbauspiel im Chaos versinkt

Worum geht es in Norland?

Norland will Rimworld noch ein Stückchen weiter denken. Denn die Kolonie-Simulation erzählt im Grunde lediglich die Geschichte einer kleinen, eng verwobenen Gemeinschaft, in der jedes Mitglied zumindest anfänglich weitestgehend gleichgestellt ist. Doch Gleichstellung ist in Norland keine Option. Das Spiel hat sich schließlich für das Mittelalter als sein Szenario entschieden und Gerede von Gleichheit aller Menschen vor Gesetz und Gott hätte damals höchstens einen köstlichen kleinen Jokus in der Taverne abgeben. Alle hätten sich wunderbar amüsiert und dann wieder auf dem Acker für den Lehnsherr geschuftet.

Deshalb teilt sich die Bevölkerung des Aufbauspiels ebenfalls in unterschiedliche Klassen, von denen es sogar mehr gibt als die klassischen drei Stände. In Norland werden Charaktere in Sklaven, Verbrecher, Bauern, Krieger, Priester und Adelige unterteilt. Direkte Kontrolle haben wir aber nur über den Adel.

Über den Alltag der Adeligen entscheiden wir selbst, der Rest der Bevölkerung erfüllt seine Aufgaben automatisch. Über den Alltag der Adeligen entscheiden wir selbst, der Rest der Bevölkerung erfüllt seine Aufgaben automatisch.

Die Adelsfamilie ist Dreh- und Angelpunkt unserer Bemühungen und soll eine gewisse Größe nicht überschreiten. Das Ziel soll hier immerhin sein, Spannung durch Überlebenskampf zu garantieren. Aber das gilt eben nur für das Überleben der eigenen Familie. Sollte es durch Entscheidungen zum Ableben sämtlicher Mitglieder kommen (Mord, Altersschwäche, Pferdetritt), ist das Spiel endgültig vorbei. Auch wenn die selbstgebaute Stadt noch von Hunderten Bauern, Sklaven oder Priestern bewohnt wird.

Bis es soweit ist, entscheiden wir über den Alltag aller Familienmitglieder und geben nebenbei allerlei Aufträge zur Vergrößerung und Verwaltung der Stadt. Die restliche Bevölkerung wird also zwar eigenständig simuliert, hält sich aber zumindest an direkte Aufträge der adeligen Herrscher. Naja ... meistens.

Wie erzählt Norland Geschichten?

Denn ganz so unterwürfig wie sie sein sollten, sind die Untertanen womöglich nicht. Oder besser gesagt, kann es immer ein paar faule Äpfel geben. Schließlich soll jede einzelne Figur ihre ganz eigene Persönlichkeit aufweisen. Nur so wird garantiert, dass Norland auch famose Geschichten generiert.

Was eine Figur auszeichnet und wie sie sich den Tag über verhält, kann von zahlreichen Faktoren abhängen. Manche Figuren haben etwa einen stärkeren Sexualtrieb als andere, verlangen nach einer bestimmten Ware oder sie nehmen Besitzverhältnisse nicht so ernst. Natürlich spielen auch Emotionen und Beziehungen zu anderen Menschen in der Stadt eine große Rolle. Sogar religiöse Vorstellungen entscheiden darüber, was eine Figur macht.

Religiöse Sekten können so groß werden, dass sie irgendwann beschließen, die Stadt von Ungläubigen zu »reinigen«. Religiöse Sekten können so groß werden, dass sie irgendwann beschließen, die Stadt von Ungläubigen zu »reinigen«.

Unsere Entscheidungen als Adelige im Zusammenspiel mit den zufälligen Verhaltensmustern aller anderen Charaktere sind der Zunder, der in Norland zahlreiche unterschiedliche Geschichten befeuern soll. Wenn ein Ehegatte sich betrogen fühlt, kann das zu einem Mord führen. Oder sollte ein Priester zu eifrig predigen, können in der Stadt religiöse Unruhen ausbrechen.

Anders als in Rimworld ist unsere Stadt dabei nur eine von vielen auf einer richtigen Weltkarte. Nachbarreiche werden ebenfalls von adeligen Familien angeführt und können als Gäste zu Besuch kommen. Solcherlei Interaktionen können dann letztlich wirkliche Kriege vom Zaum brechen, bei denen beachtliche Armeen aufeinanderprallen.

Kriege können ziemlich ausarten und werden tatsächlich recht kleinteilig berechnet. Kriege können ziemlich ausarten und werden tatsächlich recht kleinteilig berechnet.

Norland richtet sich damit vor allem an Leute, die einerseits Aufbaustrategie mögen und sich mit komplexen Warenketten gerne beschäftigen aber auch darauf setzen, dass selbst Strategiespiele durch dynamische Storys immer wieder aufgelockert werden.

Was gefällt uns bisher? Was bleibt offen?

Das gefällt uns

  • Das Story-Potenzial: Norland kocht mit sehr vielen Zutaten, die das Potenzial für jede Menge unterhaltsame Geschichten mitbringen. Sei es eine Geschichte um Verrat oder um den Widerstand gegen die Kirche - Norland scheint ein echtes Sammelbecken für mittelalterliche Dramatik zu sein.
  • Die Familie: Norland bedient sich optisch und inhaltlich sehr stark an Rimworld, aber ist am Ende nicht einfach nur ein mittelalterlicher Überzug. Das System mit den unterschiedlichen Ständen klingt sehr vielversprechend und die Verwaltung der eigenen Familie macht bereits in Crusader King einen großen Teil der Faszination aus.

Das bleibt offen

  • Wie dynamisch sind die Geschichten wirklich? Noch konnten wir Norland nicht spielen und müssen uns auf das Wort der Entwicklerinnen und Entwickler verlassen. Wir wissen also nicht, ob Norland tatsächlich so dynamische Geschichte erzählt oder am Ende oft die gleichen Ereignisse ablaufen.
  • Wie viel Spaß macht die Wirtschaft? Geschichten sind gut, aber ein Aufbauspiel sollte auch immer auf mechanischer Ebene motivieren. Hier muss sich zeigen, ob der wirtschaftliche Aspekt von Norland komplex genug ausfällt und nicht nur nebenher läuft.

Lange soll es nicht mehr dauern, bis Norland auf Steam erscheint. Man sollte meinen, dass es sich bei einem so komplexen Story-Generator um ein klassisches Early-Access-Spiel handelt - aber Pustekuchen! Norland soll laut Entwicklungsstudio direkt als fertige Version veröffentlicht werden und zwar schon im Herbst 2022.

Wer weiß, sollte die Mischung aus Crusader Kings und Rimworld gut hinhauen, könnte das Spiel sich vielleicht sogar einen Platz in unseren brandneuen Aufbau-Charts erkämpfen.

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