Die Netflix-Serie zu One Piece steht vor einem riesigen Problem: Langfristig ist sie zum Scheitern verurteilt und dafür reicht ein Blick auf die nackten Zahlen: Während Manga und Anime auf mittlerweile mehr als 1.000 Kapitel beziehungsweise Folgen kommen, hat die zweite Staffel der Realverfilmung mehr als drei Jahre auf sich warten lassen.
Es ist also ein Ding der Unmöglichkeit, dass die Netflix-Serie jemals die Vorlage einholt (die übrigens bis heute nicht mal beendet ist), bevor sämtliche Schauspieler aus ihren Rollen herausaltern. Dieser bitteren Realität muss ich gerade als eingefleischter Fan ins Auge blicken und damit bleibt die spannendste Frage: Wie lange geht die Reise von Live-Action-Ruffy und Co. noch?
Doch aus ungelegten Eiern schlüpfen bekanntermaßen keine Hühner und über dieses Problem darf sich Netflix an meiner Stelle den Kopf zerbrechen. Frei nach dem Motto der Weg ist das Ziel
geht es hier jetzt erstmal um die zweite Staffel von One Piece, die am 10. März 2026 endlich im Streaming-Abo aufschlägt.
Und um euch an dieser Stelle schon mal die Antwort auf die Frage, ob sich das lange Warten gelohnt hat, vorwegzunehmen: Ja, hat es! Zur perfekten Adaption reicht es für mich aber (noch) nicht.
Story: Um was geht es in Staffel 2 der Netflix-Serie?
Keine Sorge, ich verschone euch natürlich mit Story-Spoilern und beschränke mich in den folgenden Stichpunkten auf das Nötigste:
- Ruffys (Iñaki Godoy) Strohhut-Piratenbande nimmt immer mehr Gestalt an: Nachdem er Schwertkämpfer Zorro (Mackenyu), Navigatorin Nami (Emily Rudd) Scharfschütze Lysop (Jacob Romero) und Schiffskoch Sanji (Taz Skylar) mit ins Boot geholt hat, steuert seine Crew auf die berüchtigte und brandgefährliche Grandline.
- Dort tummeln sich nur die härtesten und skrupellosesten Piraten auf der Suche nach dem legendären One Piece – dem Schatz des Piratenkönigs Gol D. Roger – herum.
- Doch bevor es auf die Grand Line geht, kommt es noch zum Zwischenstopp in Loguetown, den die erste Staffel noch ausgelassen hatte: Rogers Hinrichtungsstätte, wo der knallharte Marine-Captain Smoker Callum Kerr (Smoker) mit Freibeutern kurzen Prozess macht.
- Dabei handelt es sich aber längst nicht die einzige Gefahr, die Ruffy und Co. blüht: Alte Bekannte wie Buggy der Clown (Jeff Ward), neue Widersacher wie der grausame König Wapol (Ty Keogh) oder Begegnungen mit riesigen Walen, gigantischen Riesen und den heimtückischen Agenten der Baroque-Firma kündigen sich bereits im offiziellen Trailer zu Staffel 2 an.
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One Piece auf Netflix: Im Trailer zu Staffel 2 treffen die Strohhüte auf viele neue Freunde und Feinde
Nachdem Season 1 knapp 45 Anime-Episoden beziehungsweise 96 Manga-Kapitel abgedeckt hat, dürfte Staffel 2 bis circa Kapitel 154 beziehungsweise Folge 91 kommen. Dafür haben wir bereits eine fundierte Prognose aufgestellt! Kenner der Vorlage wissen natürlich Bescheid.
Für wen ist One Piece: Staffel 2 interessant?
Bei Ruffys Gummibeinen sollte es eigentlich niemanden überraschen, aber die Netflix-Adaption schafft einen wahrlich beeindruckenden Spagat: So eröffnet die TV-Serie selbst mir als alteingesessenem Strohhut-Piraten völlig neue Perspektiven und Nuancen einer Geschichte, die ich eigentlich längst in- und auswendig kenne.
Klar, es kommt zu unvermeidbaren Kompromissen, um irgendwie die immer mehr ausufernde Komplexität und Absurdität von One Piece eingefangen zu bekommen. Immerhin reden wir hier von einem Universum, in der Personen Körperteile wie Blumen sprießen lassen, sich in Rauch auflösen oder mithilfe von Farben andere hypnotisieren können. Aber keinen einzigen davon konnte ich nicht verschmerzen oder nachvollziehen. (Na gut, es gibt eine Ausnahme, die mir persönlich sehr weh tut, aber dazu weiter unten mehr.)
Und gleichzeitig funktioniert die Netflix-Serie weiterhin für Leute, die zuvor keinen Zeh in den tiefen One-Piece-Ozean getunkt haben: Staffel 2 setzt logischerweise die Kontinuität fort, die mit der ersten Season der Realverfilmung aufgetan wurde. Hier kommen also allemal die Vertreter beider Lager auf ihre Kosten.
Was mir an One Piece: Staffel 2 gefallen hat
- Die Netflix-Serie spielt ihren größten Vorteil aus: Eiichiro Oda hat bei One Piece von Anfang an viel vorbereitet und angeteast, im Verlauf der letzten 20 Jahre aber auch viel umgebaut und nachträglich umgeshiftet. Die Netflix-Serie kann nun viel gezielter auf Sachen vorbereiten, die in Manga/Anime eigentlich erst sehr viel später relevant werden. Ohne zu spoilern: So wie beispielsweise Staffel 1 kein Geheimnis daraus machte, dass es sich bei Vizeadmiral Garp um Ruffys Großvater handelt. Das setzt sich in der zweiten Season genauso fort und als Veteran empfange ich diese Art von Glattbügeln mit offenen Armen.
- Vorlagengetreu, trotz Kompromisse: One Piece beginnt verhältnismäßig zahm, eskaliert aber immer weiter. Während es in Staffel 1 kaum exotischer als Fischmenschen wird und selbst Teufelskräfte rar gesät sind, geht es spätestens auf der Grandline ab. Hier feuert die Netflix-Serie so viele Sachen ab, die ich ihr gar nicht zugetraut und wo ich wesentlich mehr Abstriche erwartet hätte. Und damit meine ich nicht nur die von Riesen und Dinosauriern bevölkerte Urzeit-Insel.
- Meine Güte, sehen Loguetown und Little Garden gut aus! Mit bis zu 18 Millionen US-Dollar pro Episode zählt One Piece zu den teuersten Netflix-Produktionen überhaupt. Und das stolze Budget sieht man jeder einzelnen Folge an. Zu meinen beiden persönlichen Highlights zählen zweifelsohne Loguetown und Little Garden. Beide Settings wirken jeweils wie ein eigener Freizeitpark für sich, wo es vor bunten Persönlichkeiten und den raffiniertesten Details nur so wimmelt. Und ja, auch Rentier-Mensch Tony Tony Chopper fällt für mich in diese Kategorie.
- So viel Charme und so viel Herz: One Piece ist eine Geschichte von Freundschaft und gemeinsamer Abenteuer und das begeistert mich schon seit 1997. Den Geist der Vorlage bekommt die Netflix-Adaption weiterhin hervorragend eingefangen. Cast sowie Drehbuch hätten die Dynamik zwischen den Strohhüten kaum besser transportieren können. Ruffy und Co. auf ihrer Odyssee zu begleiten, ist weiterhin ein Fest!
Was mir an One Piece: Staffel 2 nicht gefallen hat
- Nicht jeder Kampf knallt: Die Action von One Piece knallt, das hat Staffel 1 schon unter Beweis gestellt! Die zweite Season hält das hoch angesetzte Niveau … aber nicht immer. Während zum Beispiel Zorros Kampf gegen 100(!) Baroque-Agenten auf Whiskey Peak oder die finale Konfrontation im Drum-Königreich zu den großen Highlights zählen, stinken im direkten Vergleich der Showdown gegen Alvida (Ilia Isorelýs Paulino) in Loguetown oder sogar gegen Mr. 3 (David Dastmalchian) ab. Hier schafft es die Netflix-Serie schlichtweg nicht, die Gefechte gebührend wuchtig oder rasant darzustellen. Kein Gummibeinbruch, aber schon enttäuschend.
- Der beste Dialog von ganz One Piece fehlt! Wie bereits oben erwähnt, muss die Netflix-Serie Kompromisse eingehen. So auch ganz konkret beim Leuchtturmwächter Krokus und seinem Schützling Laboon. Aber dass komplett auf meine allerliebste Lieblingsszene aus ganz One Piece verzichtet wird, ist wahrlich ein Jammer.
- Zorro ist zu cool, als es ihm gut tut: Mackenyu macht seinen Job als Meister des Drei-Schwert-Stils ordentlich, keine Frage. Doch für meinen Geschmack ist der Zorro der Netflix-Serie zu cool und zu stoisch geraten. Seine humorvolle, hitzige oder schlichtweg verschlafene Ader kommt sträflich zu kurz, während Mackenyus Interpretation des Ex-Piratenjägers zu sehr an die Post-Timeskip-Version von Zorro erinnert. Und die halte ich leider für schrecklich eindimensional und sogar langweilig.
- Hmm, passt das wirklich zu Ruffy? Nur ein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass die Netflix-Serie ihre Vorlage nicht verstanden hat: Als Ruffy von einem sexy Tanz lahmgelegt wird. Und das, obwohl der Captain der Strohhüte im Manga und Anime als weitestgehend asexuell interpretiert wird. So lässt ihn in der Vorlage sogar die schönste Frau der Welt kalt. Klar, über diesen Punkt kann man guten Gewissens diskutieren, doch als Fan bin ich darüber allemal gestolpert.
Der Netflix-Adaption von One Piece gelingt (schon wieder) ein kleines Kunststück: Nachdem die erste Season ein wirklich solides Fundament gelegt hat, wird die Welt um die Strohhut-Piraten nun immer größer und immer komplexer.
Die Realverfilmung ist sich dabei nicht zu schade, so gut wie jede Absurdität aus Eiichiro Odas Fantasie mitzunehmen – und genau das macht die Netflix-Serie so fesselnd und faszinierend.
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