Jeff Kaplan ist ein Name, der untrennbar mit Overwatch und Activison Blizzard verknüpft ist. Wer den Hero-Shooter vor oder zum Release verfolgt hat, kam nicht um das Gesicht des federführenden Game Designers herum.
Allerdings verließ Kaplan Blizzard 2021 und hüllte sich daraufhin in Schweigen. Nun spricht der Entwickler auf YouTube mit Lex Fridman über die Zeit (via PC Gamer) und stellt klar, dass es damals ordentlich unter der Oberfläche brodelte.
Kaplan geht im Podcast näher auf die Gründe ein, warum er Blizzard den Rücken gekehrt hat und erklärt auch, wann, wie und warum es beim erfolgreichen Overwatch erstmals kriselt.
Die Overwatch League: Größer als die NFL
Er betont, dass die E-Sport-Inititative rund um die Overwatch League mit viel zu hohen, unrealistischen Erwartungen verknüpft war. Die Liga wird 2017 ins Leben gerufen und schon 2024 wieder eingestampft. Kaplan räumt ein, dass hier mit dem Marketing maßlos übertrieben wurde.
Wo es uns entglitten ist, war die gewaltige Begeisterung für die Overwatch League, die fast schon zu groß war. Die Leute, die die Teams gekauft haben, wurden mit Marketing überhäuft. Sie gingen auf Tour und hielten eine Präsentation - in die kann man so ziemlich alles packen. Und das taten sie, sie verkauften quasi die Brooklyn Bridge, indem sie behaupteten, dass die Overwatch League beliebter sein würde als die NFL.
Der übertriebene Hype wird laut Kaplan aber erst recht zum Problem, als er anfängt, die Arbeit am eigentlichen Spiel zu stören - zumindest im Hinblick auf die sozialen Elemente. Denn die Investoren versprechen damals großspurig immer neue Features wie eine Twitch-Integration, das Kontrollieren der Zuschauer-Kamera oder Team-Uniformen als Skins, die das Entwicklerteam dann entsprechend liefern soll.
So gingen alle Pläne [rund um Overwatch Content] langsam den Bach runter. Du arbeitest nicht mehr an Events, du konzentrierst dich nicht auf Overwatch 2. Du kämpfst gegen Windmühlen.
Man hört seine Frustration hier deutlich raus. Er wirft den Investoren vor, dass sie Activision Blizzard im Bezug auf die Overwatch League stark unter Druck gesetzt hätten. Letztlich habe das Entwicklerteam das ausbaden müssen und irgendwann sei es nur noch darum gegangen, schnell möglichst viel Geld zu machen
.
Es ging nur noch ums Geld
Das lässt sich laut Kaplan allerdings nur schwer umsetzen. Denn Ingame-Events für die einzelnen Teams funktionieren aufgrund der Serverunterschiede nicht. Also schwenkt man um auf reale Events mit Ticketverkäufen, Merch und mehr. Diese bringen aber längst nicht das erhoffte NFL-Geld
ein. Deshalb wenden sich die Investoren erneut an die Entwickler. Das bremst die Arbeit am eigentlichen Spiel aber noch weiter aus:
Sie alle kamen wieder an und sagten, "Hey, Overwatch hat doch 500 Millionen Dollar als Live Service Game gemacht in diesem Jahr? Was können wir verkaufen, was könnt ihr uns geben?". Das erzeugt natürlich großen Druck auf das Entwicklerteam, das schon wegen des geplanten Launches von Overwatch 2 unter gewaltigem Stress stand. All die Sorgfalt und Liebe, die wir in das Live Game und den Live Service gesteckt haben – wie neue Events, Helden oder Maps –, all diese Ressourcen gingen verloren.
Für Kaplan fühlte es sich deshalb laut eigener Aussage so an, als würde er ab 2017 nach und nach die Kontrolle über sein Spiel verlieren. Diese ungewisse und chaotische Zeit mündete schließlich in seinem Weggang, der von einem dramatischen Meeting eingeleitet wurde. Er sei in das Büro des damaligen CFOs gerufen worden und habe gewissermaßen ein Ultimatum vorgesetzt bekommen:
Er hat gesagt, "Overwatch muss [zensiert aufgrund einer Verschwiegenheitsvereinbarung] in 2020 machen und dann auch in jedem Jahr danach, damit es [zensiert] wiederkehrende Einnahmen erreicht. Wenn es das nicht packt, werden wir 1.000 Leute entlassen und das wird deine Schuld sein".
Ein brutales Statement, sollte es sich wirklich so wie in Kaplans Bericht zugetragen haben. Für ihn sei das der größte Fuck-You-Moment
seiner Karriere gewesen. Es habe ihn fassungslos und ungläubig zurückgelassen.
15:01
Overwatch 2 - Blizzard dreht den Shooter auf Overwatch 1 zurück und sorgt für Rekord-Zahlen
Dennoch ein Happy End für Overwatch?
Er betont, dass er damals noch gedacht hat, er würde niemals mehr an einem anderen Ort als bei Blizzard arbeiten. Er habe das Studio geliebt, das für ihn einst ein wichtiger Teil seiner selbst war. Aber nach diesem Gespräch konnte er trotzdem nicht anders, als die Reißleine zu ziehen.
Als einziges Trostpflaster bleibt für ihn, dass der CFO inzwischen nicht länger bei Blizzard tätig ist. Ob er sich auf Dennis Durkin, der die Rolle von 2019 bis Mai 2021 innehatte, oder auf seinen Nachfolger Armin Zerza bezieht, ist unklar. Kaplan verließ Blizzard im April 2021.
Auch wenn er so vermutlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Zeit zurückblickt, besteht bei Overwatch aktuell Grund zur Freude. Das 2022 erschienene Overwatch 2 heißt inzwischen einfach nur Overwatch und verzeichnet nach dem neuesten Update völlig überraschend wieder Rekordzahlen. In den oben verlinkten Artikeln lest ihr mehr zum unerwarteten Comeback.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.