Als ich im Herbst 2024 das letzte Mal ausführlich mit der Chefetage von Paradox Interactive sprechen konnte, stand auf deren Agenda vor allem Selbstgeißelung. Nach mehreren eingestellten Spielen, vielen Unmutsbekundungen der Fans und einer schwachen Aktie wollte man Einsicht zeigen und einen neuen Kurs ausgeben.
Kompetenzferne Projekte der vorherigen Ära sollten abgewickelt werden, die volle Konzentration dem gelten, was die Schweden am besten können: Grand Strategy. Für uns als Spieler klang das erst einmal gut, doch was ist aus den Versprechen eineinhalb Jahre später geworden? Was hat sich in der Zwischenzeit getan und wie steht Paradox mittlerweile da?
Ich habe mir die Lage genau angesehen und konnte dazu erneut mit Deputy CEO Mattias Lilja sprechen.
Inhaltsverzeichnis:
- Das Gerümpel ist raus
- Der Aktienkurs geht ein, die Vision bleibt
- Paradox wächst und kauft ein
- Finnen werden mit Finnen ersetzt
- Kreative Freiheit, wenn die Entwickler dafür brennen
- Sieben unveröffentlichte Spiele sind in Entwicklung
- Entsteht da gerade Hearts of Iron 5?
- Fantasy-Stellaris oder doch eine Lizenz?
- Schwachpunkt DLC-Politik
- Asien wächst, die Spielerzahl auch
- Ausnahmen für das Ausnahmeprojekt
- Paradox-Spiele sind »works in progress«
- Der KI entkommt niemand
Das Gerümpel ist raus
Ironischerweise begann die ganze Misere damit, dass Paradox zu erfolgreich war und das viele Geld in Projekte steckte, von denen die Strategie-Schweden einfach zu wenig Ahnung hatten. Als das Missmanagement dann offenbar wurde, sägte die neue, alte Führung beispielsweise Life by You vorzeitig ab und stellte weitere Entwicklungen ein. Man trennte sich von externen Studios wie dem Lamplighters-League-Machern Harebrained Schemes und zentralisierte die hausinterne Entwicklung.
Mehr zu den Hintergründen lest ihr in unseren Artikeln von 2024:
Schon 2024 stellte mein Ansprechpartner klar, dass es noch ein wenig dauern werde, bis alle Projekte und Nachwirkungen dieser Phase abgearbeitet sind. Mit der schwierigen Veröffentlichung von Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 ist dieses Kapitel jetzt jedoch endlich abgeschlossen, wie Lilja versichert: »Wir haben jetzt eine viel freiere Ausgangslage in Bezug auf Pipeline und Fokus.«
Dieser finale Befreiungsschlag ging allerdings mit immensen Kosten einher, eine unmittelbare Abschreibung von 37 Millionen Dollar nach einem schwachen ersten Verkaufsmonat sowie eine zweite, fast ebenso hohe Abschreibung wegen zu erwartender schlechter Verkäufe in den kommenden Jahren verhagelte Paradox die Bilanz. Am Ende steht ein Gesamtverlust von über 20 Millionen für 2025 zu Buche.
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