Der deutsche Spielwarenhersteller Playmobil aus Zirndorf steht wohl am Abgrund. Das BR-Magazin quer zeichnet in einer Video-Reportage das Bild eines Konzerns im Umbruch, der mit drastischen Sparmaßnahmen aus einer wirtschaftlichen Krise zu entkommen versucht. Die geplante Schließung des letzten deutschen Werks im mittelfränkischen Dietenhofen sorgt dabei für tiefe Verunsicherung bei Fans und Angestellten.
Unter Sammlern herrscht Alarmbereitschaft.
Für den Bayerischen Rundfunk hat quer mit Playmobil-Kennern über die Krise des Spielzeugherstellers gesprochen, der im Geschäftsjahr 2023/2024 Verluste in Höhe von 120 Millionen Euro hinnehmen musste. Der Umsatz schrumpfte 2025 um weitere acht Prozent, während Konkurrent Lego Milliarden-Gewinne einfährt.
Einer der Befragten im quer-Beitrag ist Sammler Hans-Jörg Lochbühler. Seit über 25 Jahren erschafft der Rentner für seine mehr als 10.000 Figuren neue Welten aus Kunststoff.
Laut Lochbühler gibt es »sehr sehr viele Meinungen die reichen bis zu, ja ich möchte fast sagen Panik«. Er zitiert Stimmen aus der Szene, die behaupten: »In drei Jahren gibt es kein Playmobil mehr.« Diese Sorge kommt nicht von ungefähr, da die Verlagerung der Produktion ins Ausland für viele das Ende einer Ära markiert.
Sammler Hans-Jörg Lochbühler glaubt, dass Playmobil die Hauptkundschaft aus den Augen verloren hat. Die Konkurrenz sei heute nicht mehr nur Lego, sondern die digitale Unterhaltung. Kinder spielen heute viel kürzer mit physischem Spielzeug, bevor sie auf digitale Medien umsteigen.
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Unsicherheit für 350 Beschäftigte
Für Dietenhofens Bürgermeister Reiner Erdel verliert der Ort durch die Schließung der Playmobil-Fabrik ein Stück Identität. Er erinnert sich daran, dass Dietenhofen »das Herz« war, in dem Klassiker wie die Ritterburg, das Piratenschiff oder das Mädchenschloss entstanden. 350 Mitarbeiter bangen nun um ihre Zukunft, während die Produktion zunehmend ins Ausland abwandert.
Firmengründer Horst Brandstätter, bekannt als Mr. Playmobil, hatte das Unternehmen mit Bodenständigkeit und fränkischer Lockerheit zum Weltruf geführt. Nach seinem Tod im Jahr 2015 scheint dieser Kompass verloren gegangen zu sein.
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Die Playmobil-Enterprise ist bis heute ein ganz besonderes Star-Trek-Set
Auch Prominente wie Komödiant Volker Heißmann (Comodie Fürth) zeigen sich tief betroffen. Sein Vater baute als Werkzeugmacher die ersten Spritzformen für die Figuren. Heißmann sieht ein weiteres lokales Unternehmen von Weltruf »schon wieder« vor dem Untergang, was er schmerzlich mit dem Verlust der fränkischen Identifikation verbindet.
Während die Verwaltung im Zirndorfer Funpark bleibt und Playmobil betont, weiterhin in der Heimat verwurzelt zu sein, fühlen sich die Menschen in Dietenhofen im Stich gelassen. Für viele ist das Playmobil-Prädikat »Made in Franken« nicht mehr haltbar. »Früher oder später wird's Playmobil nicht mehr geben«, sagt einer gegenüber dem quer-Magazin. Und ein weiterer Mann glaubt, das ist »der Anfang vom Ende«.
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