In meinem Kinderzimmer der Neunzigerjahre herrschte eine friedliche Koexistenz der größten Spielzeugmarken. Links stand das Western-Fort von Playmobil mit Soldaten, Indianern und Cowboys. Rechts daneben türmten sich bunte Kisten voller Lego-Steine, eine Pirateninsel und die große Burg von Lego Castle.
Für mich waren beide Spielzeugwelten damals gleichwertig. Doch wenn ich mich heute in meinem Arbeitszimmer umblicke, stehen dort keine Kunststoff-Burgen aus Zirndorf mehr. Stattdessen stehen im Regal Lego-Sets zu Star Trek, Stranger Things und Harry Potter. Allesamt aus Klemmbausteinen statt großen, vorgefertigten Playmobil-Bauteilen.
Ich glaube: Diese persönliche Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern spiegelt die Hintergründe der tatsächlichen wirtschaftlichen Realitäten in Spielzeugbranche wider. Während Playmobil im Geschäftsjahr 2023/2024 fast 120 Millionen Euro Verlust machte und 2025 der Umsatz erneut um acht Prozent schrumpfte, freuten sich die Lego-Bosse zuletzt über 12 Prozent mehr Umsatz und einen um 21 Prozent gestiegenen Gewinn auf fast drei Milliarden Euro.
Wieso hinkt Playmobil so weit hinterher? Meiner Meinung nach liegt der Hund im fehlenden Erwachsenen-Geschäft begraben.
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Die Playmobil-Enterprise ist bis heute ein ganz besonderes Star-Trek-Set
Der Fluch der Fertigteile
Das fundamentale Problem von Playmobil liegt in seiner DNA. Hans Beck entwarf die Klicky-Figuren 1974 als Systemspielzeug, doch das System bezog sich primär auf das Zubehör. Ein Pirat konnte das Schwert eines Ritters halten, aber der Pirat blieb ein Pirat. Teile sind oft hoch spezialisiert und großflächig. Wer eine Playmobil-Burg kauft, baut eine Burg. Wer ein Lego-Set kauft, besitzt erst einmal nur Material.
Diese Spezialisierung bei Playmobil führt dazu, dass die kreative Freiheit paradoxerweise eingeschränkt wird. In den Augen eines erwachsenen Sammlers ist ein Playmobil-Set oft ein fertiges Diorama. Man stellt es auf, bewundert den Detailgrad der bedruckten Gesichter und die historisch akkuraten Ausstattungen.
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