Quickscope: Der Remaster-Boom - Gebt den Spielen ein Gedächtnis!

Alte Spiele erwachen zunehmend neu aufgelegt als Remaster-Versionen oder Remakes zu neuem Leben. Nicht immer ist das Wiedersehen ausnahmslos freudig - zumindest wenn man die rosa Nostalgiebrille abnimmt.

von Rainer Sigl,
25.01.2018 08:00 Uhr

Remaster sind nicht immer erfreulich, erfüllen aber einen wichtigen Zweck: Sie geben dem Medium Videospiel ein Gedächtnis.Remaster sind nicht immer erfreulich, erfüllen aber einen wichtigen Zweck: Sie geben dem Medium Videospiel ein Gedächtnis.

Computerspiele sind als technisches Medium dem rasenden und sich immer weiter beschleunigenden Fortschritt besonders ausgesetzt. Zum einen ist das fantastisch - die Technologiesprünge, die in den letzten Jahrzehnten vor allem in Sachen Grafik oder Physik-Emulation zu verzeichnen waren, sind atemberaubend.

Zum anderen ist diese unablässige Weiterentwicklung aber auch problematisch, denn durch sie droht die doch schon ein halbes Jahrhundert lange Geschichte des Mediums immer wieder zu verschwinden: Korrodierende Uralt-Datenträger, fehlende Abwärtskompatibilität in der Konsolenwelt und abgeschaltete Server bei Online-Welten machen Videospiele zum Medium mit Gedächtnisschwund.

Dank Emulatoren lassen sich die meisten alten Spiele mehr oder weniger gut in die Gegenwart retten, doch allgemein gilt: Das Alte hat kein besonders hohes Ansehen in einem Medium, das eher vom immer wieder neu befeuerten Hype für das nächste große Ding lebt.

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Der Autor
Rainer Sigl schreibt und spricht seit mehr als zehn Jahren für verschiedene Medien über Games, darunter der österreichische Jugendkulturradiosender FM4, die Tageszeitung Der Standard, Golem.de, das Games-Bookazine WASD und das von ihm ins Leben gerufene Gameskulturblog Videogametourism.at. In der exklusiv für GameStar Plus erscheinenden Kolumne »Quickscope« macht er sich über Feinheiten und Gemeinheiten diverser Spiele Gedanken. Und widerspricht auch mal unseren GameStar-Testern.

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Damals, im Kinderzimmer

Dem gegenüber steht eine Spielerschaft, die immer älter wird und durch die eigene Biografie mit der Games-Geschichte verbunden ist. Dass es eine derart große Retro-Szene gibt und dass alte Entwickler-Haudegen via Kickstarter einen zweiten Frühling erleben dürfen, ist zum großen Teil dieser Nostalgie geschuldet - und die ist oftmals gar nicht so sehr der Qualität der verehrten Kultspiele,sondern eher einer gewissen Verklärung der eigenen Jugend zu verdanken.

Manch einer, der sich nach Jahren wieder an die Original-Lieblingsspiele seiner Kindheit und Jugend setzt, wird brüsk enttäuscht: Die Grafik! Die Steuerung! Die fehlenden Komfortfunktionen! Und damit hat man Tage, Wochen und Monate verbracht? Die Wiederbegegnung mit alten Helden ist gefährlich. Umso besser, dass es zunehmend eine Alternative zum Wiederspielen der oft schon arg angestaubten Originale gibt: Remakes und Remaster-Versionen holen alte Kultspiele in die Gegenwart.

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