Rassismus und Diskriminierung bei Blizzard? - Ehemaliger Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe

Ex-Blizzard-Mitarbeiter Jules Murillo-Cuellar wirft Kollegen Rassismus, Diskriminierung und Versagen im Management vor. Die Belastung soll ihn beinahe in den Suizid getrieben haben.

von Stefan Köhler,
10.01.2019 10:08 Uhr

Gab es Rassismus und Diskriminierung im E-Sport-Team von Hearthstone? Das behauptet zumindest ein ehemaliger Blizzard-Mitarbeiter.Gab es Rassismus und Diskriminierung im E-Sport-Team von Hearthstone? Das behauptet zumindest ein ehemaliger Blizzard-Mitarbeiter.

Der ehemalige Blizzard-Mitarbeiter Jules Murillo-Cuellar hat öffentlich seinen ehemaligen Kollegen Rassismus und Diskriminierung vorgeworfen. Durch die Belastung habe er gesundheitliche Schäden erlitten, mental wie körperlich, außerdem habe er kurz vor dem Suizid gestanden. Murillo-Cuellar hatte sich per TwitLonger an die Öffentlichkeit gewandt.

Murillo-Cuellar begann seine Blizzard-Karriere im Kundendienst Ende 2013, er arbeitete sich bis 2016 in das E-Sport-Team von Hearthstone hoch. Damit sollen auch die Probleme für ihn begonnen haben.

Laut Murillo-Cuellar sei er bei wichtigen Meetings und Telefonkonferenzen außen vorgelassen worden, außerdem habe er wichtige Details der E-Sport-Tour oft nicht gekannt. Infos habe er erst erhalten, wenn ein Termin anstand, oder es bereits brannte. Zunächst ging er allerdings davon aus, dass dies einfach damit zusammenhing, dass er noch neu im Team war.

Rassismusvorwürfe

Persönlich verantwortlich mach Murillo-Cuellar seine damalige Kollegin Gemma Barreda-Mirkovic: Sie habe wegen seinen mexikanischen Wurzeln zunächst "im Scherz" behauptet, dass er der mexikanischen Kultur nach ein Chauvinist sei. Die Scherze seinen über Monate hinweg ernster geworden und hätten bald einen böswilligen Charakter gehabt. Schließlich habe er seinen Vorgesetzten Drew Higbee mit den rassistischen Äußerungen der Kollegin konfrontiert.

Statt einzuschreiten, habe Higbee die Probleme allerdings bei Murillo-Cuellar gesucht. Der Erzählung von Murillo-Cuellar nach zog er extra von San Diego nach Orange County, nachdem seine Freundin einen Job bei Blizzard fand. Ihr folgend bewarb er sich auf einer Stelle als Game Master bei Blizzard. Entsprechend hätten ihm die Vorwürfe des Chauvinismus besonders wehgetan, da sie nicht nur auf rassistischen Vorurteilen gegenüber männlichen Mexikanern beruhen, sondern er für die Karriere seiner Partnerin auch konkret Opfer gebracht habe.

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Später habe man Murillo-Cuellar komplett aus Meetings und Co. herausgehalten, obwohl dieser für hunderte Events und Hearthstone-Profispieler verantwortlich war. Dafür hätte Barreda-Mirkovic ihren Kollegen mit ihren Tiraden vor Kim Phan, E-Sport-Direktorin bei Blizzard, blamiert.

Neben den zwischenmenschlichen Problemen habe Muillo-Cuellar auch unter extremen Arbeitszeiten gelitten, teilweise habe er bis 3 Uhr morgens im Blizzard-Büro gesessen und an Veranstaltungen gearbeitet. Wochen von 80 bis 100 Arbeitsstunden seien nicht selten gewesen. Er habe Posttraumatische Belastungsstörungen entwickelt und Panikattacken erlitten, mehrere Ärzte gesehen und Medikamente genommen. Schließlich habe er im Dezember 2017 einen Suizidversuch unternommen.

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Keine Inklusion?

Murillo-Cuellar verließ Blizzard im April 2018, arbeitete wenige Monate lang für den Rocket-League-Entwickler Psyonix und hat heute sein eigenes Unternehmen. Zum Schritt an die Öffentlichkeit habe ihn Blizzards Outing des Overwatch-Helden Soldier 76 bewegt. Denn das Unternehmen gebe sich offenkundig groß beim Thema Inklusion, er selbst, seine Partnerin und andere Kollegen hätten aber eine andere Unternehmenskultur erlebt.

Das Statement von Murillo-Cuellar stieß auf breites öffentliches Interesse auf Twitter und wurde fast 3.000 Mal weiterverbreitet, in Foren wie Resetera, Reddit und Co entsprangen lange Diskussionen. Ex-Blizzard-Programmierer Nicolas Noble gab an, dass der Fall ihn keineswegs überrasche.

Es gibt aber auch andere Stimmen. Der ehemalige Produzent der Overwatch League, Jason Baker, gibt an, dass er als Ex-Blizzard-Angestellter ebenfalls nicht mit dem Unternehmen zufrieden ist. Allerdings habe er nie Probleme bei der Zusammenarbeit mit Drew Higbee oder Gemma Barreda gehabt und auch keine Beschwerden von anderen Kollegen gehört. Murillo-Cuellar habe er aber auch nie persönlich getroffen.

Darryll Silva, ebenfalls nicht mehr bei Blizzard, meint dagegen, dass sich Murillo-Cuellar schlicht überarbeitet habe. Blizzard verlange sehr viel von seinen Mitarbeitern und auch Silva selbst gibt zu, dass seine Projektarbeit beim E-Sport-Team von World of Warcraft kein gutes Ende fand. Er habe sich aber gefangen und schließlich Blizzard verlassen - Murillo-Cuellar habe sich dagegen in den Ruin gearbeitet, so Silva.

Reaktionen der von Murillo-Cuellar beschuldigen Blizzard-Mitarbeiter stehen aus. Wir haben außerdem Blizzard um ein Statement angefragt.

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