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Entwickler von Rune 2 gibt das Spiel auf & wird vom Publisher verklagt

Nur einen Tag nach dem Release von Rune 2 schloss Entwickler Human Head seine Tore - nur, um diese gleich wieder unter neuem Namen zu öffnen. Publisher Ragnarok wittert Betrug und erhebt in einer Anklage schwere Vorwürfe.

von Dennis Zirkler,
05.01.2020 14:30 Uhr

Rune 2 sorgt nun für einen handfesten Rechtsstreit zwischen Entwickler und Publisher. Rune 2 sorgt nun für einen handfesten Rechtsstreit zwischen Entwickler und Publisher.

Update vom 05. Januar: Obwohl die Klage noch läuft, kommuniziert Publisher Ragnarok im offiziellen Forum zu Rune 2, dass sie den Source Code des Spiels von einer Festplatte sicherstellen konnten. Wörtlich heißt es:

"Letzte Woche haben wir eine Festplatte mit den Assets samt Source Code von Rune 2 erhalten. Unsere Techniker überprüfen das Material auf Vollständigkeit. Derzeit errichten wir eine Testumgebung, einen ersten Build - und sobald wir sicherstellen können, dass wir die komplette aktuelle Version von Rune 2 vor uns haben, werden wir einen Patch entwickeln, der die größten Kritikpunkte der Community adressiert."

Ob die Festplatte von den ursprünglichen Entwicklern stammte, die Rune 2 einen Tag nach Release hinter sich ließen, steht nicht in der Bekanntmachung. Dementsprechend wissen wir auch nicht, ob die Klage damit vom Tisch ist oder eine Lösung zumindest beschleunigt wird. So oder so dürfte die verbleibende Community von Rune 2 sich über die Info sicher freuen. Die Details zum Release-Fiasko lest ihr in der ursprünglichen Meldung von Anfang Dezember unterhalb dieses Absatzes:

Ursprüngliche Meldung: Die Rune 2-Entwickler Human Head Studios, die vor allem für den Shooter Prey (2006) bekannt sind, wurden von ihrem Publisher Ragnarok Games verklagt, nachdem sie den weiteren Support des Titels nur einen Tag nach dessen Veröffentlichung eingestellt haben.

Was ist passiert?

Nur einen Tag nach der Veröffentlichung der Wikinger-Enttäuschung Rune 2 (In unserem Test gab es eine Wertung von 54) im Epic Games Store, gab Entwickler Human Head Studios bekannt, die Tore des Studios zu schließen. Es folgte noch am selben Tag die Ankündigung, diese wieder unter dem Namen Roundhouse Studios zu öffnen - mit Bethesda als neuem Publisher.

Wie reagiert der Rune-Publisher?

Kurz darauf veröffentlichte Ragnarok ein Statement, in dem es hieß, dass sie genau so wenig Ahnung von den Plänen der Entwickler gehabt hätten wie die Rune 2 Community. Allerdings versprachen sie, dass man neue Entwickler engagieren würde, die den Titel nach dem Launch mit Patches, Updates und neuem Content versorgen sollen. Ganz so einfach ist das allerdings nicht.

Warum wird Klage eingereicht?

Drei Wochen später, am 4. Dezember 2019, folgte nämlich eine weitere Mitteilung: Trotz mehrmaliger Anfragen soll sich Human Head/Roundhouse demnach weigern, den Source Code der finalen Version sowie die Spiel-Assets von Rune 2 an den Publisher auszuhändigen - ohne diese seien weitere Arbeiten an dem Titel allerdings unmöglich. Deshalb will der Publisher nun eine Klage einreichen. Auch um weiterhin die Versprechen einhalten zu können, die sie der Community gegeben haben.

Was wird den Entwicklern vorgeworfen?

Die rechtlichen Unterlagen für die Klage, die Ragnarok nun mit der Presse teilte, machen Human Head schwere Vorwürfe:

  • Die Entwicklung von Rune 2 war von Verschiebungen, Fehlern und Missmanagement geprägt. Ursprünglich sollten elf Meilensteine während der Entwicklung von Rune 2 erfüllt werden, um den Titel für die Veröffentlichung vorzubereiten - Human Head benötigte allerdings letzten Endes ganze 23.
  • Obwohl Human Head ca. 3,5 Millionen US-Dollar von Ragnarok erhielt, schafften sie es nicht, ihre vertraglichen Pflichten zu erfüllen: Ziel war es, ein Bug-freies, vollständig getestetes Spiel mit Koop-Multiplayer und kompletter Lokalisierung abzuliefern.
  • Human Head würde den Source Code absichtlich zurückhalten - angeblich wegen ausbleibender Zahlungen für Arbeiten, die allerdings nie verrichtet wurden.
  • Human Head habe wiederholt probiert, den Code des Spiels ohne Einwilligung von Ragnarok zu ändern und sogar eine veränderte, nicht genehmigte Version des Spiels im Epic Games Store hochgeladen und versucht zu veröffentlichen.
  • Human Head habe die Pläne, das Studio unter neuem Namen wiederzueröffnen, mit betrügerischer Absicht verheimlicht. Fünf Tage vor dem Release teilte Human-Head-Chef Ben Gokey Ragnarok mit, dass man das Studio schließen und alle Mitarbeiter entlassen werde. Auf die Frage, ob man Kontakt zu den gekündigten Mitarbeitern aufnehmen könne, antwortete Gokey, dass dies »ein Problem« sein werde - weil er wusste, dass diese bald für Bethesda arbeiten.

Gemäß seiner Klage fordert Ragnarok nun Schadensersatz in Höhe von 100 Millionen US-Dollar, die Rückerstattung des gesamten an Human gezahlten Geldes, Strafschadensersatz und Anwaltskosten sowie die Rückgabe des Source-Codes und der Assets von Rune 2. Human Head/Roundhouse haben sich bislang noch nicht zu der Sache geäußert.

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