Oh, Saints Row. Ich wollte mich wirklich auf dich freuen! Immerhin kehrst du mit dem 2022er-Reboot zu deinen Wurzeln zurück, indem es endlich wieder um einen guten, alten Gangster-Krieg in einem realistischen Setting geht. Und dann wären da noch die fantastischen Customization-Möglichkeiten, die ich mir für wirklich jedes Spiel wünschen würde. Ja, in jedem! Auch in Tetris.
Das neue Saints Row hat aber ein ganz anderes Problem. Und damit meine ich nicht einmal die Identitätskrise, in der sich das Reboot befindet. Was da genau da falsch läuft, darüber hat euch bereits Peter ausführlich aufgeklärt:
Nein, mich plagen ganz andere Sorgen. Denn Entwickler Volition hat nach einigen rasant geschnittenen Trailern Gameplay enthüllt, welches Saints Row so zeigt, wie es sich letztendlich spielen soll. Und genau das lässt mich bangen. Hier scheint sich das neue Saints Row ein bisschen zu sehr am dritten Teil der Reihe aus dem Jahr 2011 zu orientieren.
Was für Serien-Fans und Veteranen auf dem Papier ziemlich vielversprechend klingen dürfte, birgt große Schattenseiten. Denn damit wirkt das neue Saints Row wie aus der Zeit gefallen und eifert spielerischen Vorbild nach, welches vielleicht vor elf Jahren noch aktuell war.
Warum mir das neue Saints Row Angst macht
Was hat Volition gezeigt? Nach mehreren Story- und Gameplay-Trailern und einer exzessiven Vorstellung der wirklich beeindruckenden Anpassungsmöglichkeiten hat uns das Entwicklerstudio endlich einen ausführlichen Einblick in die Spielwelt gewährt - 45 Minuten lang, um genau zu sein.
Volition präsentierte ein paar Haupt- und Nebenmissionen, zeigt, was Open World und Grafik zu bieten haben, außerdem eine Handvoll weiterer Details. Gameplay spektakulär zusammengeschnitten könnt ihr euch hier ansehen:
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Saints Row: Neuer Gameplay-Trailer zeigt brachiale Open-World-Action
Was genau ist das Problem?
Kurz und prägnant formuliert: Volition scheint das Gameplay, das Missionsdesign und die Open World kaum weiterentwickelt zu haben. Denn nachdem Saints Row 4 und Gat out of Hell auf Superkräfte setzten, besinnt sich das Reboot wieder auf einen (vergleichsweise) realistischeren Ansatz. Das bedeutet, dass der neueste Teil Saints Row 3 stark ähnelt. Zu stark.
Das Gameplay: Spielerisch hat sich Saints Row seit den vorangegangenen Teilen scheinbar kaum weiter entwickelt. Im Gameplay schießt der neue Boss seine Gegner mit einer recht stattlichen Auswahl an Waffen über den Haufen oder geht in den direkten Nahkampf. Dabei kommen Finisher oder besondere Spezialangriffe zum Einsatz, die schon stark Richtung Superkräfte gehen. Kennt man so halt auch schon aus Saints Row 3 und 4.
Fliegen kann ich im Reboot jetzt zwar nicht mehr, dafür gibt es aber einen Wingsuit oder weitere abgefahrene Gimmicks, von denen die spielerische Abwechslung durchaus profitieren kann. Allerdings bekomme ich hier ein klein wenig den Eindruck, dass es die Entwickler mit ihrem realistischen Anspruch für Saints Row doch nicht allzu genau nehmen. Sei’s drum, immerhin kann ich meine Spielfigur beispielsweise auch in Shrek verwandeln. Mehr dazu hier:
Zerstörbare Umgebung oder ein Deckungssystem gibt es übrigens noch immer nicht. Stattdessen laufe ich wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her, während ich aus allen Rohren feuere. Zum Glück
machen die Gegner im bisher gezeigten Gameplay ebenfalls keinen allzu intelligenten Eindruck. Sie gehen nur selten bis gar nicht in Deckung oder variieren bei Beschuss ihr Vorgehen. Auch das Trefferfeedback könnte befriedigender sein, so stolpern oder zucken Feinde zwar, wenn sie getroffen werden, aber nicht unbedingt da, wo es weh tun sollte.
Die Missionen: Die gezeigten Missionen von Saints Row lassen sich eigentlich recht kompakt zusammenfassen: Der Boss (also meine Spielfigur) läuft oder fährt irgendwo hin, schießt ein paar Gegner über den Haufen, drückt Knöpfe oder jagt irgendwas in die Luft. In Kombination mit dem wenig beeindruckenden Gameplay könnte man zumindest darauf hoffen, dass sich Aktivitäten abseits der Hauptstory etwas beeindruckender gestalten.
Doch kurioserweise hat sich Volition dazu entschieden, altbekannte Missionen zu zeigen, die sich seit über zehn Jahren Saints Row-Geschichte wenig bis gar nicht weiterentwickelt haben. Ich beschieße Verfolger aus einem fahrenden Auto, jagen unter Zeitdruck Objekte in meiner unmittelbaren Umgebung in die Luft oder lasse mich von Fahrzeugen und Gegnern mit Ragdoll-Physik durch die Gegend schubsen.
All dies kennen Fans der Reihe doch schon in- und auswendig. Und ich bin fast ein wenig schockiert davon, dass hier die Entwickler auf der Stelle zu treten scheinen. Ich frage mich, ob sich Volition hier bewusst zu Stagnation entschieden hat, um so alteingesessene Veteranen in Nostalgie schwelgen zu lassen. Ein wenig bequem wirkt es aber allemal.
Ein bisschen taktischer Tiefgang wird mir zumindest mit einer Art War Table
im Hauptquartier in Aussicht gestellt, über den ich mein kriminelles Imperium verwalte. Doch wirklich komplex oder spannend wirkt daran bisher nichts. Ich rechne mit nicht mehr und nicht weniger als einer kurzweiligen Nebenbeschäftigung, mit der ich mich alle paar Stunden auseinandersetzen muss, um ein stetiges Ingame-Einkommen zu garantieren.
Die Spielwelt: Was wir bisher von Saints Row gesehen haben, lässt nicht gerade auf eine lebendige oder immersive Spielwelt hoffen. Selbst an zentralen Orten sind nur wenige Passanten zu Fuß oder hinter dem Steuer von Fahrzeugen unterwegs. Hier würden eine lebendige Fauna oder Wettereffekte wie Windhosen oder Sandstürme (eben passend zum Wüsten-Setting) über den Eindruck einer recht kargen und tristen Spielwelt hinwegtrösten.
Die NPCs selbst überzeugten aus nächster Nähe nicht gerade durch menschliches Verhalten und bis auf eine Kommunikations mittels Emojis halten sich die Interaktionsmöglichkeiten in Grenzen. Entsprechend wirkt die Zivilbevölkerung wie eine nur bedingt überzeugende Kulisse. Das bekommen andere Großstadt-Open-Worlds seit Jahren besser hin.
Natürlich möchte ich hier keine voreiligen Schlüsse ziehen, so gefällt mir die vor Flora strotzende Wüste von Saints Row beispielsweise richtig gut! Wie abwechslungsreich die Spielwelt von Saints Row letztendlich ausfällt, lässt sich frühestens zum Release überprüfen. So könnten unterschiedlich designte Gebiete durchaus zum Open World-Feeling beitragen, doch gerade die (Innen)stadt wirkt mir zum aktuellen Zeitpunkt noch zu leer und leblos.
2:00
Saints Row - Entwickler stellen euch die Distrikte von Santo Ileso vor
Die Grafik: Das Spiel schaut zumindest ganz solide aus und kann vor allem seine ansehnlichen Lichteffekte satte Explosionen sehen lassen. Das neue Gameplay erweist sich aber auch als zweischneidiges Schwert: So lassen sich die steifen Animationen und Gesichter kaum ignorieren, aufploppende Objekte und der rapide nachlassende Detailgrad im Flug oder aus der Distanz können schon mal erschrecken.
Ja, Saints Row war nie ein grafisches Brett und das wird auch das Reboot nicht. Von einem neuen Open World-Spiel im Jahr 2022 hätte man aber durchaus mehr erwarten können - vor allem, was die Weitsicht anbelangt.
Saints Row will sich nach einer langen Pause neu erfinden, traut sich aber in Bezug auf das Gameplay, das Missions-Design und der Open World zu wenig aus seiner eigenen Komfortzone heraus. Das Resultat könnte damit eine solide Fortsetzung zu Saints Row 3 werden - die aber eben schon vor Jahren hätte herauskommen müssen.
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