Eigentlich wollte ich gar keine Smartwatch mehr tragen. Und eigentlich ist die Garmin Venu 4 nicht unbedingt die Art smarte Armbanduhr, die ich allen ans Herz lege. Kein LTE-Modell, eingeschränkte Bezahlmöglichkeiten und das durchwachsene Schlaftracking sind die Sandkörner im ansonsten gut geölten Getriebe.
Die Venu 4 arbeitet nämlich ansonsten wie ein zuverlässiges Uhrwerk und bringt alles mit, was ich von einer Smartwatch im Jahr 2026 erwarte.
- Akkulaufzeit: Mit einer Akkulaufzeit von rund elf Tagen muss die Uhr nicht jeden Tag an den Strom.
- Funktionsumfang: Der Funktionsumfang ist ausgezeichnet! Beispiele? Es gibt ausführliche Trainingsberichte, die Body-Battery-Funktion, die Erkennung von Muskeltrainingsübungen, Multiband-Satellitenempfang (darunter Galileo), die Trainingsbereitschaft und vieles mehr.
- Dualband-GPS: Die Uhr liefert äußerst präzise Standort- und Routendaten.
- Taschenlampe: Warum eine LED-Funzel an der Uhr so wichtig ist, habe ich euch bereits erzählt.
- Design: Die Uhr liegt dank des bequemen Silikonarmbands extrem gut am Handgelenk und sieht dabei noch todschick aus. Das Display erreicht laut Hersteller nun eine maximale Helligkeit von 2.000 Nits.
- Kein Ökosystem-Lock-in: Die Uhr ist mit allen Smartphones kompatibel, ganz egal, ob iPhone oder Android.
- Optionales Abonnement: Garmin bietet zwar ein Abonnement an, die enthaltenen Funktionen sind jedoch vernachlässigbar.
Abgesehen von diesen Stärken waren für mich drei Punkte besonders entscheidend.
Kraft- und Ausdauertraining
Die Venu 4 macht mir das Aufzeichnen im Fitnessstudio besonders leicht. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die automatische Erkennung der Wiederholungen. Die Uhr erfasst diese ganz von allein per Beschleunigungssensor.
Bei den meisten gängigen Übungen wie Bankdrücken, Curls, Trizepsdrücken oder Bodyweight-Workouts funktioniert das erstaunlich zuverlässig.
In Kombination mit dem Ruhepausen-Timer ergibt sich ein starkes Duo am Handgelenk. Bin ich mit dem Satz fertig, startet die Zurück-Taste die Pause. Das erneute Drücken startet wiederum den nächsten Satz.
Nice to have: Garmin Connect zeigt nach dem Training eine visuelle Übersicht der belasteten Muskelgruppen.
Die Venu 4 lässt nicht nur beim Krafttraining die Muskeln spielen: Garmin macht beim Ausdauersport wie Laufen noch einen besseren Job.
Die zurückgelegte Strecke wird haargenau aufgezeichnet und die Auswertung kann sich sehen lassen. Herzfrequenzdaten, Pace, Geschwindigkeit, Trainingsnutzen, Höhenmeter, Schrittfrequenz, Rundenzeit und vieles mehr – die Daten, die die App nach dem Training ausgibt, sorgen bei Datenfans für Gänsehaut.
Anders ausgedrückt: Der Hersteller legt ein solides Fundament, um Trainings präzise zu tracken und Leistungen kontinuierlich zu steigern.
(Genaue) Herzfrequenzdaten
Garmins optischer Sensor zur Messung der Herzfrequenz zählt zu den besten auf dem Markt. Wie bei nahezu jeder anderen Smartwatch auch, funktioniert die Messung beim Krafttraining nicht immer zuverlässig.
Der Greifdruck auf die Hantel während eines Satzes »stört« potenziell den Blutfluss am Handgelenk, was gelegentlich zu unzuverlässigen Ergebnissen und größeren Abweichungen führt. Dennoch reicht mir die grobe Einschätzung der Intensität über eine ganze Trainingseinheit hinweg.
Für eine sekundengenaue Messung ist ein Brustgurt unerlässlich. Glücklicherweise erlaubt Garmin die Kopplung zwischen Smartwatch und Brustgurt.
Anders sieht es dagegen beim Laufen aus: Die Daten sind ziemlich genau. Im Test zeigte die Uhr bei mehrfachen Trainingseinheiten nur selten eine Abweichung beim Herzschlag. Das macht die Venu 4 zum idealen Begleiter, gerade weil sich das beiliegende Silikonarmband angenehm der Haut anschmiegt.
Messung #1
Garmin Venu 4:
| Modell | Durchschnitt | Max |
|---|---|---|
| Garmin Venu 4 | 159 | 187 |
| Polar H10 | 158 | 188 |
Pixel Watch 4:
| Schnitt | Max | |
|---|---|---|
| Pixel Watch 4 | 166 | 177 |
| Polar H10 | 166 | 177 |
Suunto Vertical 2:
| Smartwatch | Schnitt | Max |
|---|---|---|
| Suunto | 167 | 186 |
| Polar H10 | 166 | 186 |
Messung #2
Garmin Venu 4:
| Modell | Durchschnitt | Max |
|---|---|---|
| Garmin Venu 4 | 167 | 188 |
| Polar H10 | 167 | 188 |
Pixel Watch 4:
| Schnitt | Max | |
|---|---|---|
| Pixel Watch 4 | 167 | 184 |
| Polar H10 | 168 | 184 |
Suunto Vertical 2:
| Smartwatch | Schnitt | Max |
|---|---|---|
| Suunto | 167 | 184 |
| Polar H10 | 169 | 185 |
Warum ein Brustgurt als Referenz?
Ein Brustgurt zur Messung der Herzfrequenz gilt als Goldstandard und bietet gegenüber anderen Methoden wie der optischen Pulsmessung am Handgelenk entscheidende Vorteile.
Brustgurte messen die elektrischen Signale des Herzens direkt, was potenziell zu wesentlich genaueren Herzfrequenzmessungen führt. Externe Faktoren wie Hautfarbe, Haarbewuchs oder Passform des Geräts beeinflussen zudem die Messung mit einem Brustgurt weniger.
Auch für die Messung von Recovery-Metriken wie Herzfrequenzvariabilität und Ruheherzfrequenz ist die Smartwatch eine sehr gute Wahl.
Musik-Streamingdienste
Während ich das Handy beim Laufen im Notfall ohnehin dabei habe, sieht es im Fitnessstudio ganz anders aus. Das Smartphone bleibt im Spind. Trotzdem möchte ich während des Trainings Musik oder einen Podcast hören.
Neben Spotify und Deezer unterstützt Garmin auch YouTube Music. Der integrierte Speicher mit 8 GB ist zwar von vorgestern, für Offline-Musik reicht er mir aber aus.
Das heißt, ich muss während des Trainings im Fitnessstudio keine Löcher in die Luft starren, sondern kann mich alten und neuen Lieblingstiteln hingeben, während ich mich körperlich auslasse.
Gäbe es diese Möglichkeit nicht, würde eine andere Uhr mein Handgelenk zieren.
Weitere Stärken der Uhr im Detail
Neben den drei für mich wichtigsten Funktionen einer Smartwatch spielten noch drei weitere Merkmale eine Rolle, die den Kaufanreiz verstärkten.
Über die Vorzüge einer LED-Taschenlampe an einer Smartwatch habe ich bereits mehrfach gepredigt. Damit flute ich binnen Sekunden jede dunkle Ecke mit grellem Licht. Beim Laufen mache ich im Notfall dank des Stroboskop-Effekts bei zunehmender Dunkelheit auf mich aufmerksam.
Ich möchte sie nicht mehr missen, ebenso wenig wie all jene, mit denen ich mich bislang über eine Funzel an einer Smartwatch ausgetauscht habe.
Die Venu wirkt wie eine Lifestyle-Uhr, was sie besonders im Garmin-Kosmos ausmacht. Trotz des Edelstahlgehäuses ist sie leicht und sieht dabei verdammt schick aus. Auf einer Hochzeit konnte ich sie problemlos mit meinem Anzug tragen, ohne dass sie deplatziert wirkte.
Vergangene Woche habe ich erst meine Kollegen im Büro in München begrüßt und bin dann nahtlos von der bayerischen Hauptstadt ins schöne Sigmaringen gereist. Fünf Tage war ich unterwegs, ohne auch nur einen Gedanken ans Aufladen der Uhr zu verschwenden. Auf diesen Komfort möchte ich nicht mehr verzichten.
Und trotzdem kein No-Brainer
Ich habe mich aus einem bestimmten Grund für die Smartwatch von Garmin entschieden: Sport. Und genau hier ergibt die Anschaffung Sinn. Damit fällt sie für die meisten Menschen automatisch aus dem Raster. Zu Recht!
Eine Apple Watch, Pixel Watch oder Galaxy Watch hat in puncto smarter Funktionen um einiges mehr zu bieten. Leider unterstützt Garmin Pay etwa nur eine stark begrenzte Auswahl an Banken.
Ein LTE-Modell gibt es ebenfalls nicht. Beim Laufen muss das Smartphone zwingend mitgeführt werden, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Mir fehlt auch der Komfort, das Handy mal zu Hause zu lassen und trotzdem in einem Ernstfall erreichbar zu bleiben. Das kann die Venu 4 leider nicht bieten.
Auch wenn die App-Auswahl bei Garmin stetig besser wird, kann sie mit der von Wear OS oder watchOS nicht ansatzweise mithalten. Die App-Vielfalt der Apple Watch sowie Android-Smartwatches ist um ein Vielfaches höher.
Ebenso bleibt die Venu 4 beim Schlaftracking hinter den Erwartungen zurück. Die Uhr schätzt die Schlafdauer überwiegend zu großzügig ein. Von Wachphasen will die Smartwatch ebenfalls kaum was wissen.
Hier aufklappen
| Spezifikation | Venu 4 (41 mm) | Venu 4 (45 mm) |
|---|---|---|
| Display | 1,2 Zoll AMOLED | 1,4 Zoll AMOLED |
| Auflösung | 390 x 390 Pixel | 454 x 454 Pixel |
| Gehäusedurchmesser | 41 Millimeter | 45 Millimeter |
| Gehäusedicke | 12 Millimeter | 12 Millimeter |
| Gewicht ohne Armband | 33 Gramm | 38 Gramm |
| Gehäusematerial | Edelstahl | Edelstahl |
| Lünette | Edelstahl | Edelstahl |
| Wasserdichtigkeit | 5 ATM | 5 ATM |
| Akku-Laufzeit Smartwatch-Modus | Bis zu 10 Tage | Bis zu 12 Tage |
| Akku-Laufzeit Always-on | Bis zu 4 Tage | Bis zu 4 Tage |
| Akku-Laufzeit GPS | Bis zu 20 Stunden | Bis zu 20 Stunden |
| Displayglas | Gorilla Glass 3 | Gorilla Glass 3 |
| Sensoren | Elevate V5 mit EKG, SpO2, HF, Hauttemperatur, Barometer, Kompass, Gyroskop, Thermometer, Umgebungslichtsensor | Elevate V5 mit EKG, SpO2, HF, Hauttemperatur, Barometer, Kompass, Gyroskop, Thermometer, Umgebungslichtsensor |
| GPS | Multi-GNSS, Multiband | Multi-GNSS, Multiband |
| Sportprofile | 80+ inkl. Triathlon/Multisport | 80+ inkl. Triathlon/Multisport |
| Funktionen | EKG, LED-Taschenlampe (weiß/rot), Telefonie, Musik, Garmin Pay, Smart Notifications, Schlafanalyse, Health Status, Rollstuhlmodus, Sprachassistenten | EKG, LED-Taschenlampe (weiß/rot), Telefonie, Musik, Garmin Pay, Smart Notifications, Schlafanalyse, Health Status, Rollstuhlmodus, Sprachassistenten |
| Besonderheiten | Zwei Tasten, Fokus auf Touch | Zwei Tasten, Fokus auf Touch |
| Preis | ungefähr 420 Euro (Straßenpreis) | ungefähr 440 Euro (Straßenpreis) |
Starke Alternativen
Da ich mittlerweile wieder im Android-Kosmos zu Hause bin, stand die Pixel Watch 4 auf der Liste der potenziellen Kandidaten. Googles Smartwatch liefert präzise Herzfrequenzdaten, ein schickes Design, detaillierte App-Daten und clevere Funktionen. Abgeschreckt haben mich das optionale Abonnement, die vergleichsweise kurze Akkulaufzeit und die Bindung an das Google-Ökosystem. Die Pixel Watch ist leider ausschließlich mit Android-Smartwatches kompatibel.
Ähnlich sieht es mit der Apple Watch Series 11 aus, die für die iPhone-Community die naheliegendste Wahl ist. Neben der genauen Herzfrequenzmessung überzeugt die Smartwatch von Apple auch beim Schlaftracking. Aus diesem Grund galt sie neben dem Oura Ring lange als Referenz. Die Auswertung der Trainingsdaten empfinde ich aber als unübersichtlich und die Bindung an das iPhone war das zweite große Ausschlusskriterium.
Weitere Alternativen findet ihr zudem bei uns in der Kaufberatung: Die beste Smartwatch 2026: Das sind unsere Empfehlungen für Damen und Herren
Einige Modelle von Amazfit, wie etwa die T-Rex 3 Pro, bieten ein attraktives Preis-Leistungs-Paket. Es ist lobenswert, dass der Hersteller Zepp OS so intensiv weiterentwickelt und auf die Community hört. Allerdings überzeugen mich die App-Übersicht und die Trainingsauswertung von Garmin mehr als die von Amazfit. Zudem spart Amazfit bei den Armbändern und die Venu 4 wirkt vielmehr wie eine schicke Alltags-Smartwatch.
Für Outdoor-Sportler und Abenteurer ist die T-Rex 3 Pro in dieser Preisklasse aber kaum zu schlagen.
Zum Schluss darf mein Geheimtipp nicht fehlen! Wer eine Sportuhr zum Laufen mit maximaler Akkulaufzeit sucht, sollte sich die Suunto Vertical 2 unbedingt genauer ansehen.




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