In Sphere erbaut ihr eine Stadt - und geht dann mit ihr auf Reisen

Mit Sphere wagen sich die Softwareentwickler von BitPioneers an ihr erstes, richtiges PC-Spiel und setzen für ihr Debüt auf ein faszinierendes Konzept.

von Fabiano Uslenghi,
30.08.2020 15:00 Uhr

Genre: Aufbaustrategie | Entwickler: BitPioneers | Plattformen: PC | Release: Q4 2020 (Early Access)

Das noch junge Genre der Aufbau-Survivalspiele wird immer beliebter. Nachdem Spiele wie Banished und Frostpunk das Genre an die Oberfläche zerrten, beackern immer mehr Entwickler das lukrative Feld. Das Tolle dabei: Oft bringt dieses Genre ganz wunderbare Szenario-Ideen mit sich, über die man bei traditionellen Aufbauspielen wohl nie nachgedacht hätte.

So auch im Falle von Sphere: Flying Cities. Das Spiel wird vom Hannoveraner Studio BitPioneers entwickelt. Das Team beschäftigte sich bislang eigentlich nur mit Nicht-Gaming-Software und ein paar kleineren Serious Games. Sphere wird jetzt ihr erstes großes Gaming-Projekt. Dafür konnte das vier Kopf starke Team sogar eine Förderung der Nordmedia gewinnen, ohne die das Projekt »nicht möglich gewesen wäre«.

Im Zuge der gamescom haben wir uns mit den Produzenten Lars Mohrmann zusammengesetzt und weltexklusiv über sein neues Aufbauspiel gesprochen. Ihr könnt euch vorher auch schon die neuen Screenshots in der Galerie ansehen:

Sphere: Flying Cities - Screenshots ansehen

Was macht Sphere besonders?

Das Setting von Sphere ist ganz klar sein Alleinstellungsmerkmal. Das haben wir in dieser Form noch nicht gesehen. Für Survival typisch wählt Sphere ein eher düsteres Szenario. Dabei ist die größte Katastrophe eigentlich schon eingetreten.

Und zwar schlägt ein Asteroid ein. Aber nicht in die Erde, sondern in den Mond. Durch den Aufprall wurde das Gestirn zerrissen - und dann stürzen die Brocken auf unseren Planeten. Daraufhin jagt eine Katastrophe die nächste und eine Staubschicht legt sich um den ganzen Erdball. Um zu überleben, ersinnen kluge Leute ein Gravitationsgerät, das eine ganze Stadt samt Untergrund in die Lüfte erhebt. Das funktioniert - fast. Eine Fehlfunktion legt die jetzt schwebende Stadt doch noch in Trümmern.

Der Generator in der Mitte erzeugt ein Kraftfeld, das unsere Stadt schützt. Um uns auszubreiten, muss das Kraftfeld immer größer werden. Der Generator in der Mitte erzeugt ein Kraftfeld, das unsere Stadt schützt. Um uns auszubreiten, muss das Kraftfeld immer größer werden.

Der perfekte Zeitpunkt für kompetente Problemlöser wie uns, um das Kommando zu übernehmen. Mit den letzten Überlebenden müssen wir die Stadt auf dem schwebenden Felsen wieder aufbauen. Gleichzeitig gilt es, die Staubschicht der Erde nach Ressourcen und anderen Überlebenden zu durchforsten. Dafür benutzen wir unser schwebendes Einland wie ein Erkundungsschiff.

Welche Features bietet die Kampagne?

  • Ein Story-Modus, bei dem es sich gleichzeitig um ein Endlosspiel handelt
  • Jede Menge Zwischensequenzen und verschiedene Story-Elemente
  • Ein dynamischer Soundtrack, der sich an alle Situationen anpasst
  • Rettungsmissionen, um neue Einwohner zu erhalten
  • Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, doch mindestens einmal zu verlieren, ist normal

Für wen könnte Sphere interessant sein?

Auch wenn laut Mohrmann kein Spiel als konkrete Blaupause für Sphere diente, kam ihm die erste Idee dafür dann doch beim Anno-Spielen. Nämlich der Gedanke: Was wäre, wenn man mit seiner Stadt selbst umherziehen könnte? Und genau das macht ihr auch. Neben Survival und Aufbau, spielt das Entdecken der Welt noch eine wichtige Rolle.

Der Erdball ist in sechseckige Sektoren unterteilt, die wir entweder vorher aufdecken oder blind hineinsteuern. Jeder Sektor kann Vorteile bringen, wie ein neues Element die für die Forschung notwendig sind, aber auch Gefahren. Meteoritenhagel und Sonnenstürme bringen die fliegende Stadt ganz schön ins Wanken.

Auf der Weltkarte sehen wir die einzelnen Hexfelder. Wir können die Bereiche scannen, um mehr über sie herauszufinden. Auf der Weltkarte sehen wir die einzelnen Hexfelder. Wir können die Bereiche scannen, um mehr über sie herauszufinden.

Um uns zu wappnen, wird die Stadt vergrößert, die Effizienz verbessert und die Energieleistung optimiert. Das sieht aber dann mehr nach Frostpunk als nach Anno aus. Auch, weil die ganze Stadt um den Gravitations-Generator herum entsteht. Beim Bauen haltet ihr euch strikt an einen Bodenraster und müsst die Gebäude außerdem mit Straßen verbinden. Gebaut werden die insgesamt 25 Gebäude dann von fliegenden Drohnen.

Letztlich müssen wir dafür sorgen, sowohl den Generator am Laufen zu halten, als auch die Moral zu bewahren. Gelingt eines von beiden nicht, haben wir das Spiel verloren. Sobald also das Schutzschild aussetzt wird, stürzt die Stadt ab, haben unsere Untergebenen kein Vertrauen mehr, werden wir abgesetzt.

Was gefällt uns bisher? Was bleibt unklar?

Wir konnten Sphere bislang noch nicht selbst anspielen. Aber Mohrmann stellte uns Gameplay-Videos zur Verfügung und wir konnten natürlich ausführlich nachfragen. Trotzdem bleiben bis zur ersten Spielsitzung noch Details offen.

Was gefällt uns bisher?

  • Das unverbrauchte Szenario: Das Konzept einer fliegenden Stadt klingt nicht nur cool, hat man in so einem Aufbauspiel außerdem noch nicht gesehen. Damit grenzt sich Sphere gekonnt von Aufbaugrößen wie Anno und sogar Frostpunk ab.
  • Eine Kampagne: Es wird in Sphere eine Story-Kampagne geben. Wie die genau abläuft und ob das spannend ist, wissen wir noch nicht. Aber grundsätzlich halten wir Geschichten auch in Aufbauspielen immer für eine gute Idee.
  • Ins Unbekannte: Die Möglichkeit, mit der Stadt ins unbekannte vorzustoßen und Felder zu erkunden klingt spannend. Es soll sogar teilweise zu moralischen Entscheidungen kommen, die sich dann wieder auf die Zufriedenheit der Einwohner auswirkt.

Was bleibt unklar?

  • Haut die Balance hin? Mohrmann merkte im Interview an, dass die Balance den größten Teil der Arbeit verschlingt. Hier gilt es noch abzuwarten, ob sich die Arbeit auszahlt und am Ende Ressourcen oder Elemente gut die Wage halten.
  • Gibt es lebendige Städte? In dem Videomaterial wirkte unsere Stadt auf dem Felsen noch etwas leblos. Es laufen etwa keine Einwohner durch die Straßen. Nur Drohnen fliegen umher. Mal sehen, ob die Entwickler hier noch einen Weg finden, dem ganzen mehr Leben einzuhauchen.

Ende des Jahres erscheint Sphere auf Steam im Early Access. Je nachdem, wie gut dieser anläuft und welches Feedback von den Spielern kommt, kann sich noch viel an dem Spiel verändern. Man rechnet mit drei bis sechs Monaten, bevor das Spiel dann vollständig veröffentlicht wird. Wir bleiben auf jeden Fall weiter dran.

Potenzial | Gut

Fabiano Uslenghi
@StillAdrony

Klar, Sphere wird vielleicht kein atmosphärisches Meisterwerk wie Frostpunk. Und vermutlich auch nicht so perfekt ausbalanciert wie ein Anno. Aber hinter Sphere stehen nun Mal bloß vier Leute, die ihr erstes Spiel entwickeln. Und dafür sieht es schon sehr vielversprechend aus. Vor allem mit dem tollen Setting hebt (ha, weil die Stadt fliegt) sich Sphere von der Konkurrenz ab.

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