Der langjährige Entwickler Glen Schofield (Dead Space, The Callisto Protocol) hat auf der Gamescom Asia x Thailand Game Show in Bangkok während eines Vortrages (via IGN) mit dem aktuellen Zustand der Spielebranche abgerechnet - und findet dabei wenig positive Worte. Allerdings kritisiert er nicht nur, sondern bringt auch selbst Verbesserungsvorschläge an.
Konkret äußert sich Schofield während der Keynote folgendermaßen:
Wir müssen die Spielebranche jetzt retten. Sie ist kaputt, zerschlagen und verbeult. Unsere Entwickler sind niedergeschlagen, sie mussten das über die letzten Jahre hinweg so hinnehmen. Wir müssen ihr wieder zu altem Glanz verhelfen, oder? Anstatt all dieser Negativität.
Die Spiele-Branche liegt in Scherben, aber ausgerechnet KI soll helfen
Um das zu erreichen, bringt Schofield gleich mehrere Vorschläge an, die seiner Meinung nach umgesetzt werden müssen, um die Zukunft der Spielebranche zu sichern. Zunächst wagt er sich an ein besonders kontroverses Thema und erklärt, dass KI als Entwicklungs-Tool inzwischen unverzichtbar sei:
KI wird uns nicht ersetzen. Sie ist da, um uns schneller, besser und effizienter zu machen. KI ist für uns alle da, das ist sie wirklich. Nicht nur für Directors oder Künstler, Autoren und Marketingleiter.
Für ihn steht deshalb außer Frage, dass man Studio-Chefs in der Branche entsprechend anweisen müsse, die eigenen Mitarbeiter im Umgang mit der künstlichen Intelligenz zu trainieren. Steige die allgemeine Kompetenz hier, würden seiner Ansicht nach Entwickler auch wieder mehr Leute einstellen, statt Stellen abzubauen.
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KI wird immer öfter bei der Spiele-Entwicklung verwendet. Meist, um Prozesse zu erleichtern oder (vorläufige) Assets zu generieren. Andere Spiele machen die KI aber sogar zu einem zentralen Element, etwa zu einem Narrativem, wie in diesem Fall:
Warum Spiele-Studios echte Anführer brauchen
Der nächste Vorschlag dreht sich um die Investoren, also die größten Geldgeber hinter Spieleproduktionen. Für ihn steht fest, dass sie nicht nur mehr für die Entwicklung ausgeben müssen, sondern auch die richtigen Leute mit den passenden Positionen zusammenführen.
Wer ein AAA-Spiel entwickeln wolle, müsse ihm zufolge eben auch entsprechend tief in die Tasche greifen. Außerdem müsse ein erfahrener, kreativer Kopf an der Spitze des Studios stehen. Jemand, der für die Vision dahintersteht und von zahlreichen fähigen Leuten unterstützt wird. Zu oft würde man ihm zufolge Leute befördern, die zwar grundsätzlich gut geeignet seien, aber längst noch nicht bereit, um eine Entwicklung zu leiten
.
Als Positivbeispiel führt er sein eigenes Studio mit ihm an der Spitze an, wo er ebenso sehr entlastet werde, dass er sich ganz auf das Wesentliche - die Studio-Leitung - konzentrieren könne.
Schofield hat nach seiner Arbeit am ursprünglichen Dead Space das Studio verlassen und mit Striking Distance Studios und The Callisto Protocol an einem geistigen Nachfolger gearbeitet. 2023 verließ er allerdings auch dieses Studio wieder und leitet nun ein noch unangekündigtes Projekt bei Pinstripe Games. Laut IGN würde er aber nicht nein sagen, sollte man ihn mit einem neuen Dead Space betrauen.
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Schofield fordert insgesamt also, dass mehr Leute in der Spielebranche an die Arbeit mit KI herangeführt werden. Außerdem sollen Investoren ihre Ausgaben realistisch an den Markt anpassen und fähige Leute an die Spitze der Entwicklung setzen, wobei sie zahlreiche Aufgaben an ihr Team weiterreichen, um sich ganz auf die Führung zu konzentrieren.
Die E3 soll zurückkommen, um die Branche wieder zu einen
Sein letzter Vorschlag zielt in eine ganz andere Richtung ab. Schofield wünscht sich die E3 als Spielemesse und Presse-Event zurück:
Ich sage euch, jede einzelne E3, die ich besucht habe, hat meine Spiele besser gemacht. Ich weiß, dass es keine Formel gibt, um das zu belegen, aber jedes Spiel hat davon profitiert. Du hast dich dort mit Freunden und Kollegen ausgetauscht und jeder wollte dir unbedingt bei den neusten Technologien helfen oder Mechaniken vorstellen. Als sich die Firmen von der E3 gelöst haben, wusste ich, damit geht es zu Ende und ich habe es bewusst boykottiert. Das ist keine Industrie, die zusammenarbeitet, sondern eine fragmentierte. Und jetzt gibt es keine E3 mehr.
Abschließend wendet er sich nochmal an die ihm lauschenden Entwickler und Entwicklerinnen und erklärt mit Nachdruck:
Vergesst nicht, dass Ideen das sind, was dieser Industrie Leben einhaucht. Und diese Ideen kommen von euch.
Schofield spricht sich also dafür aus, dass die Entwickler selbst das Ruder ein Stück weit wieder in die Hand nehmen und dabei helfen, die Zukunft der Spielebranche positiv mitzugestalten. Auch wenn er der künstlichen Intelligenz eine zentrale Rolle zugesprochen habe, stünden für Schofield laut eigener Aussage ganz klar immer noch die Menschen im Mittelpunkt.
Dass sich die Spielebranche aktuell im Wandel befindet, lässt sich kaum bestreiten. Bleibt abzuwarten, ob Schofields Lösungen angenommen werden oder sich die Industrie zukünftig doch ganz anders weiterentwickelt.
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