Spiele-Highlight 2017 - Heiko: Wie ich aus Versehen zum Massenmörder wurde

Heiko findet, dass Divinity: Original Sin 2 den Bioware- und Bethesda-RPGs eine entscheidende Sache voraus hat. Auch wenn er es auf die harte Tour lernen musste.

von Heiko Klinge,
01.01.2018 08:20 Uhr

Eine riesige Gefängnisinsel, unzählige Fluchtmöglichkeiten. Die beste: voll und ganz in die Rolle des Helden fallen lassen.Eine riesige Gefängnisinsel, unzählige Fluchtmöglichkeiten. Die beste: voll und ganz in die Rolle des Helden fallen lassen.

Ich schaue bereits vor der Party, wann die letzte Ubahn fährt, habe einen stets ordentlichen Schreibtisch und hasse nur wenig mehr als Unpünktlichkeit. Ja, ich bin ein Pedant, zum Leidwesen meiner Mitmenschen. Und zwar nicht nur im realen Leben, sondern auch in Rollenspielen.

Ich will perfekt spielen, aus jeder Quest das Maximum an Erfahrungspunkten und Beute mitnehmen. Das klappt in jedem Bioware- oder Bethesda-RPG ganz hervorragend. Zum einen weil oft klar ersichtlich ist, welche Quest- oder Dialog-Option zum Höchstgewinn führt. Zum anderen, weil sich falsche Entscheidungen dank Quickload schnell korrigieren lassen.

Der Autor

GameStar-Chefredakteur Heiko liebt Rollenspiele aller Geschmacksrichtungen – egal ob actionreich, story-lastig oder japanisch. Entsprechend bunt gemischt sind seine Genre-Favoriten: Ambermoon, Final Fantasy 8, Baldur's Gate 2, Skyrim und jetzt eben auch Divinity: Original Sin 2. Den ersten Teil hat er noch nach rund 20 Stunden beiseite gelegt und bis heute nicht beendet, weil ihn die Story nicht wirklich packen konnte. Deshalb ist für ihn bei aller spielerischen Brillanz die deutlich spannender erzählte Geschichte die wichtigste Verbesserung von Divinity: Original Sin 2.

Tja, und dann habe ich Divinity: Original Sin 2 gespielt und sollte eigentlich nur von einer Gefängnisinsel fliehen. Aber weil ich als Pedant in Rollenspielen natürlich jedes Gebiet immer bis auf den letzten Quadratzentimeter erkunden muss, bin ich schnurstracks in ein Ritual voller hochstufiger Bösewichte gestolpert, bei dem ich nur so mittel erwünscht war.

»Keine Panik«, dachte ich mir, »kannst dich ja noch rausreden, wie in jedem Rollenspiel.« Konnte ich nicht. Also musste ich aus der Not eine Tugend machen, das geniale Kampfsystem voll ausschöpfen und mich Quicksave für Quicksave zum Sieg durchknobeln. Dass anschließend sämtliche Wachen der Insel von dem Massaker erfahren und Jagd auf mich machen, konnte doch niemand ahnen!

So passierte das Undenkbare: Der Pedant in mir war besiegt, der »echte« Rollenspieler geweckt. Denn die Brillanz von Original Sin 2 liegt eben darin, dass es keinen perfekten Weg gibt. Sondern nur das, was ich in meiner Rolle in diesem Moment für richtig halte - mit entsprechenden Konsequenzen.

Charaktersystem, Physiksimulation und zigfach verzweigende Dialoge erlauben für jede Quest derart vielseitige und kreative Lösungswege, dass eine Entschlüsselung des perfekten Systems nahezu unmöglich ist. Und so hat derjenige am meisten Spaß mit Original Sin 2, der sich ganz in seine Rolle fallen lässt und alle Regeln im Hintergrund vergessen kann. Selbst wenn ihn das zum Massenmörder macht.

Divinity: Original Sin 2 - Test-Video: Ein MUSS für Rollenspiel-Fans! 6:15 Divinity: Original Sin 2 - Test-Video: Ein MUSS für Rollenspiel-Fans!


Kommentare(28)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Sponsored

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen