Absurde Grafikkarten-Preise: Unterschätzt acht Jahre alte Gaming-GPUs nicht

PC-Spieler brauchen eine passende Grafikkarte. In Anbetracht der aktuellen Situation kann sich dabei auch der Blick weit zurück in die Vergangenheit lohnen.

von Nils Raettig,
23.04.2021 19:06 Uhr

Wenn ihr nicht bereit seid, die momentan extrem hohen Preise für neue Grafikkarten zu zahlen oder euer aktuelles Modell den Geist aufgibt, dann bleibt euch vorerst nur eins: Eine ältere und damit in der Regel gebrauchte Grafikkarte zu kaufen.

Unser Blick auf Preise und die Leistung von etwa acht Jahre alten Spieler-GPUs wie AMDs R9-200-Reihe und Nvidias GTX-700-Reihe zeigt, dass sich auch hinter in die Jahre gekommenen Modellen durchaus noch gute Angebote verstecken können, wenn ihr mit den folgenden Einschränkungen leben könnt.

Was ihr beim Kauf gebrauchter GPUs beachten müsst

  1. Gebrauchte Hardware ist ein Risiko: Einen sehr wichtigen Faktor stellt der Verschleiß dar. Je älter eine Grafikkarte ist, desto länger war sie potenziell im Einsatz. Selbst sehr alte Grafikkarten können dennoch zuverlässig ihren Dienst verrichten. Die Chancen auf einen Defekt stehen bei gebrauchten GPUs aber höher als bei Neuware, zumal ihr vorab kaum zuverlässig in Erfahrungen bringen könnt, wie intensiv das jeweilige Modell wirklich genutzt wurde.
  2. Leistung und Ausstattung sind begrenzt: Was früher einmal ein Top-Modell war, liefert Jahre später oft nur noch Leistung auf dem Niveau der aktuellen Einsteigerklasse. Neben der generellen Rechenleistung gibt es außerdem weitere Einschränkungen bei der Ausstattung, etwa mit Blick auf den Videospeicher oder die Unterstützung von aktuellen Technologien wie Raytracing.
  3. Alte Grafikkarten sind teils laut: Diese Einschränkung gilt vor allem für die Referenzmodelle von AMD und Nvidia. Während angepasste Custom-Designs von Herstellern wie Asus, MSI, Gigabyte und Co mit größeren Axial-Lüftern auch schon in der Vergangenheit angenehm leise sein konnten, sind die Standardmodelle von AMD und Nvidia mit ihren kleinen Radial-Lüftern eher nichts für empfindliche Ohren.

Um welche Grafikkarten geht es?

Wir haben uns die aktuellen Ebay-Preise aller Grafikkarten aus dem Test von AMDs Radeon RX 480 angesehen. Dabei beziehen wir uns auf den Durchschnittspreis der letzten 30 erfolgreich verkauften Modelle.

In diesem Test sind sowohl alte Karten von 2013 als auch aktuellere und immer noch beliebte Modelle wie Nvidias GTX 1070 und GTX 1080 aus dem Jahr 2016 vertreten. Wie die alten GPUs in unseren damaligen Test-Titeln abschneiden, zeigen die folgenden Benchmarks in Full HD:

Full HD, GameStar-Testsystem Radeon RX 480

  • Durchschnitt aus sieben Spielen
Geforce GTX 1080 8.192 MByte
103,1
Geforce GTX 1070 8.192 MByte
90,3
Geforce GTX 980 Ti 6.144 MByte
81,3
Radeon R9 FuryX 4.096 MByte
73,3
Radeon R9 Fury 4.096 MByte
69,0
Geforce GTX 980 4.096 MByte
66,6
Radeon R9 390X 8.192 MByte
64,4
Radeon R9 390 8.192 MByte
60,3
Radeon R9 290X 4.096 MByte
58,8
Radeon RX 480 8.192 MByte
57,5
Geforce GTX 970 4.096 MByte
56,1
Geforce GTX 780 3.072 MByte
45,5
Radeon R9 380X 4.096 MByte
43,1
Geforce GTX 960 4.096 MByte
38,1
  • 0,0
  • 22,0
  • 44,0
  • 66,0
  • 88,0
  • 110,0

Die Benchmarks sind alle in maximalen Details entstanden, teilweise war auch das leistungshungrige vierfache MSAA zur Kantenglättung aktiv. Heutzutage kommt dagegen fast nur noch TAA zum Einsatz, dass sich deutlich weniger negativ auf die FPS auswirkt.

Ein Radeon-Klassiker im Fokus: Die 2013 erschienene Radeon R9 290X ordnet sich ungefähr auf dem Niveau der GTX 970 ein, die wiederum in etwa so schnell ist wie eine aktuelle GTX 1650. Damit eignet sich die 290X durchaus auch heute noch für das Spielen von aktuellen Titeln in Full HD.

In unserem Grafikkarten-Testsystem landet die GTX 970 zwar mit durchschnittlich 41,3 FPS in Full HD ganz am Ende der Tabelle, ausreichend spielbare FPS-Werte kann sie aber problemlos liefern. Ebenfalls zu bedenken: Wir haben in sehr hohen Details gemessen, es gibt also noch einiges an Tuning-Potenzial.

Preis-/Leistungsverhältnis im Vergleich

Kombiniert man die aktuellen Ebay-Preise und die Werte aus unseren Benchmarks, ergibt sich ein ein klares und in der Tendenz wenig überraschendes Bild: Demnach können beim Preis-/Leistungsverhältnis vor allem die älteren und günstigeren Modelle sowie AMD-Karten punkten.

Aufgrund der moderneren Architektur und je nach Titel auch durch die größere VRAM-Menge ist zwar davon auszugehen, dass die neueren Karten in aktuellen Titeln tendenziell einen größeren FPS-Vorsprung haben als in alten Spielen. Eine grobe Einordnung ist anhand dieser Daten aber möglich.

Die GTX 780 schneidet knapp am besten ab, sie ist aber auch klar langsamer als die R9 290X. Wenn ihr euch auch vor stark reduzierten Details nicht scheut, könnt ihr mit der GTX 780 dennoch sogar Cyberpunk 2077 mit etwa 30 FPS in Full HD spielen, wie dieses Youtube-Video zeigt.

Einen weiteren Haken gibt es aber noch: Je älter die Grafikkarte ist, desto seltener sind passende Angebote zu finden. Es kann dadurch etwas länger dauern, bis ihr die gewünschte Karte zu einem aus eurer Sicht angemessenen Preis bekommt.

Wie steht ihr zum Kauf sehr alter Grafikkarten? Kann das für das Spielen in Full HD eine sinnvolle Option sein, auch in Anbetracht der aktuellen Marktlage? Oder wartet ihr im Zweifel lieber, bis sich die Situation gebessert hat? Schreibt es gerne in die Kommentare!

zu den Kommentaren (112)

Kommentare(112)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.