Komplizierte Raumfahrt-Simulationen sind nicht für jedermann. Vor allem, wenn man, wie ich, überhaupt keine Ahnung von Physik hat. Dass die Naturwissenschaften nicht meine größte Stärke sind, ließ mich mein damaliger Physiklehrer jedenfalls immer wieder im Unterricht spüren - unter anderem deshalb bin ich dann auch Journalist geworden.
Und obwohl ich die hohe Wissenschaft dahinter nur ansatzweise verstehe, interessiere ich mich dennoch brennend für die Fortschritte in der Raumfahrt. Während eines Sales habe ich mir deswegen vor ein paar Jahren die Raumflug-Simulation Kerbal Space Program zugelegt - in der fälschlichen Annahme, man könne dort mal eben eine Rakete zusammendübeln und Richtung Mond starten. Doch weit gefehlt!
Frustriert musste ich feststellen, dass meine Raumschiffe es zwar durchaus aus der Erdatmosphäre heraus, jedoch selten auf die gewünschte Flugbahn zum Mond schafften.
In dieser verzweifelten Lage habe ich Mars Horizon entdeckt. In der Management-Simulation übernehmt ihr die Kontrolle über eine von fünf echten Weltraumagenturen (ESA, NASA, Russland, China, Japan) und müsst es als Erstes zum roten Planeten schaffen.
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Mars Horizon: Launch-Trailer zum Steam-Start der Raumfahrt-Simulation
Was bietet Mars Horizon spielerisch?
Das Herzstück des Spiels ist der rundenbasierte Wettlauf gegen die vier konkurrierenden Agenturen der anderen Raumfahrtnationen. Jede Entscheidung, von der Forschung bis zum Raketenstart, kostet Zeit und Geld.
Basenbau: Auf eurem Weltraumbahnhof baut ihr die nötigen Gebäude, um euer Raketenprogramm voranzutreiben. Die richtige Anordnung gewährt dabei entscheidende Boni und Produktionsvorteile. Das Forschungslabor profitiert von der Nähe zu einem Datenzentrum, während die Startrampe am besten an das Fahrzeug-Montagegebäude angebunden wird.
Forschung: Im umfangreichen Technologiebaum schaltet ihr neue Missionen, Gebäude und Raketenteile frei. Die Bauteile sind dabei an echte historische und aktuelle Vorbilder angelehnt. So gibt es zum Beispiel einen Booster, der genau wie die Unterstufen von SpaceX's Falcon 9 wieder zur Erde zurückkehrt und landen kann. Statt aus tausenden Einzelteilen entwerft ihr eure Raketen aus den vorgefertigten Modulen Booster, Oberstufe und Nutzlast. Zuverlässigkeit und Kapazität sind beim Bau wichtiger als aerodynamische Feinheiten.
Missionsablauf: Jeder Start will gut geplant sein. Ihr wählt Rakete, Crew (falls bemannt) und den optimalen Startzeitpunkt. Der eigentliche Clou kommt aber nach dem Start: Um die Missionen zum Erfolg zu führen, müsst ihr rundenbasierte Minispiele bestehen. Dabei setzt ihr unter Zeitdruck Ressourcen wie Energie und Treibstoff ein und reagiert damit auf unvorhergesehene Probleme, wie etwa eine defekte Antenne. Scheitern ist eine teure Option.
Der entscheidende Unterschied zu Kerbal
Wo Kerbal Space Program eine komplexe Sandbox ist, die von euch verlangt, euch mit Physik auseinanderzusetzen, ist Mars Horizon nur
eine zugängliche Management-Simulation. Die zentrale Frage lautet hier nicht Wie konstruiere ich eine Rakete, die stabil fliegt?
, sondern Wie setze ich mein Budget ein, um die Konkurrenz zu schlagen?
Statt mit Orbitalmechanik kämpft ihr also mit Forschungszweigen und Ressourcen. Ihr müsst entscheiden, ob ihr bei der nächsten Mission auf riskante neue Technologien setzt oder lieber bewährte, zuverlässigere Komponenten nutzt. Anders als im Sandbox-Ansatz von KSP steht ihr dabei permanent im Wettbewerb: Andere Agenturen verfolgen eigene Ziele und können euch historische Meilensteine wie die erste Mondlandung vor der Nase wegschnappen.
Auch die Steuerung funktioniert fundamental anders. Der abstrakte Minispiel-Ansatz ist zwar deutlich weniger immersiv, aber perfekt für Strategen, die lieber das große Ganze im Blick behalten wollen.
Wenn euch das Thema Raumfahrt fasziniert, ihr aber bisher vor der herausfordernden Lernkurve und dem Trial-and-Error-Ansatz von KSP zurückgeschreckt seid, dann ist Mars Horizon vielleicht genau die richtige Alternative für euch. Statt Stunden mit dem Planen einer einzigen Rakete zu verbringen, kommt ihr hier deutlich schneller ins All. Mit vielen interessanten Wiki-Einträgen rund um Technik und die historischen Missionen macht Mars Horizon auch die mangelnde spielerische Abwechslung wieder wett.
Unseren umfangreichen Test zur Strategiesimulation findet ihr in der obigen Linkbox. Mit Mars Horizon 2: The Search for Life befindet sich aktuell sogar eine Fortsetzung in der Entwicklung.
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