Von betrügenden Kapitänen und verbotenen Flugmanövern
Wer Star Trek liebt, sollte die Geschichte kennen: Enterprise-Kapitän James T. Kirk hat den Kobayashi-Maru-Tests ausgetrickst. Was als Charaktertest in einer unlösbaren Situation gedacht war, »gewinnt« Betrüger Kirk als einziger Schüler der Akademie - indem er schummelt. Der Akt eines Rebellen.
Jahre später treffen Zuschauer in der Next-Generation-Episode »Ein missglücktes Manöver« den einstigen Musterschüler Wesley Crusher wieder. Als Teil einer Gruppe von Elite-Piloten an der Akademie, dem sogenannten Nova-Geschwader, ist er mitverantwortlich für den Tod eines Kadetten.
Anstatt die Verantwortung zu übernehmen, versuchen die Mitglieder von Nova, den Vorfall zu vertuschen. Jugendliche Selbstüberschätzung trifft Gruppenzwang - in Next Generation, vor über 30 Jahren. In Deep Space Nine sehen wir kurz darauf mit dem Red Squad (»Valiant«) eine weitere Eliteeinheit, die durch ihren blinden Gehorsam und ihren Elitismus fast einen Militärputsch auf der Erde unterstützt.
Ihr seht schon: Die Sternenflottenakademie war nie der klinisch reine Ort, als den ihn manche heute verklären wollen, um ihr Narrativ über die Serie Starfleet Academy zu unterstützen. Die Ausbildung an der Sternenflotte war schon immer geprägt von gefährlichem Ehrgeiz und sozialen Spannungen. Wenn die neue Serie diese Dynamiken in den Fokus rückt, bleibt sie der Historie von Star Trek genau genommen sogar äußerst treu.
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Auch Jean-Luc Picard war kein Kind von Traurigkeit
Mein Lieblingsbeispiel für die notwendige Unvernunft der Jugend ist jedoch Jean-Luc Picard selbst. In der Episode »Das Herz eines Captains« erfahren wir, dass der junge Picard alles andere als der besonnene Diplomat war, den wir heute kennen. Picard war arrogant, ein Frauenheld und suchte ständig den Konflikt. Das gipfelte darin, dass er sich in einer Bar mit drei Nausikaanern anlegte und von hinten durch das Herz erstochen wurde.
Seine Hitzköpfigkeit und seine Fehler haben ihn jedoch zu dem Mann gemacht, der er später wurde. Star Trek lehrt uns seit jeher, dass wir wachsen können. Niemand ist perfekt, niemand macht von Anfang an alles richtig. Eine Schule bietet ein sicheres Umfeld, in dem wir diese Fehler machen und aus ihnen lernen, uns verbessern, wachsen können.
Wenn jemand den Kadetten in der neuen Serie vorwerfen, sie seien zu emotional oder instabil, dann verweigert derjenige ihnen damit genau den Weg, den Picard und Kirk bereits vor ihnen gegangen sind.
Starfleet Academy ist für mich deshalb keine Abkehr von den alten Werten, im Gegenteil. Die Serie traut sich, den harten und manchmal peinlichen Prozess der Reifung zu zeigen. Sie blickt hinter die Fassade der makellosen Uniformen und zeigt uns die Menschen dahinter. Das ist im Kern zutiefst Star Trek.
Die Akademie war schon immer ein Schmelztiegel der Kulturen, in dem über 150 Mitgliedswelten aufeinandertreffen. Dass es dabei zu Reibereien, Missverständnissen und hormonellen Kurzschlüssen kommt, ist nur logisch. Wer eine Serie über die Ausbildung von Offizieren erwartet, die sich wie programmierte Roboter verhalten, hat das Konzept von IDIC – Unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen – vielleicht nicht ganz verstanden.
Die neue Serie fängt genau den Geist ein, den schon Gärtner Boothby in einem seiner berühmtesten Zitate ausdrückte: »Sie haben einen Fehler gemacht. Es gibt keinen unter uns, der nicht jung genug war, um einen zu machen.«
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