Wenn ich an die Sternenflottenakademie denke, sehe ich zuerst den gepflegten Rasen im Presidio von San Francisco vor mir. Ich sehe den alten Gärtner Boothby, der mit einer Seelenruhe seine Rosen schneidet, während junge Kadetten in ihren sauberen Uniformen eilig an ihm vorbeihasten.
Das ist das Bild, das uns Star-Trek-Serien wie The Next Generation und Voyager über Jahrzehnte vermittelt haben: ein Ort der moralischen Exzellenz, der Wissenschaft und des unerschütterlichen Fortschritts, wo Schüler auf die Herausforderungen an Bord eines Raumschiffs vorbereitet werden.
Doch seit die neue Serie Starfleet Academy über unsere Bildschirme flimmert, brennt die Luft in den Kommentarspalten. Die Kritik ist laut und oft gnadenlos. Von peinlichen Charakteren ist die Rede, von zu viel modernem Teenager-Drama und einer Atmosphäre, die eher an eine Highschool-Serie erinnert als an das ehrwürdige Fundament der Föderation.
Viele Fans fühlen sich vor den Kopf gestoßen und behaupten, das sei nicht mehr ihr Star Trek. Ich sehe das anders. Wer tief in die Logbücher des Treks von damals eintaucht, stellt fest: Die Akademie war schon immer ein Pulverfass aus Hormonen, Leichtsinn und Fehlentscheidungen.
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Kirk, Spock, Picard - Star Trek: Starfleet Academy spannt die ganz großen Kaliber vor den Karren
Eine zutiefst menschliche Darstellung
Die Skepsis der Star-Trek-Community gegenüber jungen Protagonisten kann ich in einem gewissen Ausmaß verstehen. Viele Fans sind mit Vorbildern wie Kathryn Janeway, Jean-Luc Picard oder Benjamin Sisko aufgewachsen - gestandenen Frauen und Männer, die auf jede ethische Frage eine Antwort haben.
Doch wir vergessen dabei oft, dass diese Ikonen nicht als fertige Helden vom Himmel gefallen sind. Die Akademie ist kein Museum für Perfektion, sondern eine Universität des Wandels. Und wer jemals eine Uni von innen gesehen hat, weiß, dass dort schon immer Grenzen ausgelotet und überschritten werden. Bitte alle Ex-Studenten mal die Hand heben, die während ihrer Uni-Zeit nie in irgendwelche Schwierigkeiten geraten sind. Niemand? Eben.
Die Behauptung, Starfleet Academy sei zu modern oder unpassend, ignoriert die menschliche Natur, die Star Trek seit den Sechzigern thematisiert. Junge Menschen zwischen 18 und 22 Jahren sind nun mal von Emotionen gesteuert. Sie feiern, sie verlieben sich von einem Moment auf den anderen, sie agieren unvernünftig, trinken zu viel, schwindeln und sind manchmal schlichtweg anstrengend.
Das ist heute so, war im 23. Jahrhundert des alten Star Trek schon so und ja - das bleibt auch im 32. Jahrhundert Realität. Die neue Serie zeigt lediglich das, was früher™️ oft nur in Nebensätzen erwähnt wurde.
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