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Seit ich das japanische Thriller-Phänomen Strange Houses gelesen habe, sehe ich meine Nachbarn mit ganz anderen Augen

Natalie liebt außergewöhnliche Bücher, die mit ihrem Format herumspielen. Strange Houses und Strange Pictures von Uketsu sind für sie das perfekte Guilty Pleasure für einen atmosphärischen Abend.

Natalie hat Uketsus Bücher jeweils an einem Abend verschlungen. Was hinter der Faszination steckt, erklärt sie euch in ihrer kleinen Kolumne. (BildquelleHerausgeber: Pushkin Press) Natalie hat Uketsus Bücher jeweils an einem Abend verschlungen. Was hinter der Faszination steckt, erklärt sie euch in ihrer kleinen Kolumne. (Bildquelle/Herausgeber: Pushkin Press)

Da trägt mein Nachbar aber einen außergewöhnlich großen Müllsack durch den Innenhof. Da könnte ja glatt ein ganzer Teppich reinpassen ... oder ein menschlicher Körper, der in einen Teppich eingerollt wurde! Jetzt, wo ich so drüber nachdenke: Gestern kamen polternde Geräusche aus seiner Wohnung. Und die Rollläden sind schon seit einer Woche zu!

Was mir solche Flausen beim morgentlichen Kaffee-Trinken am Sonntag in den Kopf gesetzt hat? Das Thriller-Phänomen Strange Houses vom japanischen Horror-YouTuber Uketsu!

Denn in seinem Buch geht es um Wohnungen und kleine Abweichungen von der Norm, hinter denen viel dunklere Abgründe stecken, als man vielleicht zunächst vermuten würde. Dass eine merkwürdig platzierte Wand mich einen ganzen Abend an das Buch fesselt, hätte ich nicht gedacht. Und am Abend darauf habe ich auch direkt Uketsus zweites Buch Strange Pictures verschlungen. Aber was steckt hinter der Faszination?

Natalie Schermann
Natalie Schermann

Natalie liebt Detektive und Rätsel. Normalerweise verbringt sie ihre Zeit als Hobby-Sherlock in Videospielen – wenn ihr ein Buch aber mal die Möglichkeit gibt, so richtig in ein Mysterium einzutauchen, kann sie das Angebot nicht ausschlagen. Die Bücher von Uketsu bereiten ihr besonders viel Freude.

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Seltsame Häuser und Seltsame Bilder

»Das ist der Grundriss eines Hauses. Verstehen Sie, was ungewöhnlich an diesem Grundriss ist?«

Damit eröffnet Uketsu sein Buch Hen Na Ie (Strange Houses/Seltsame Häuser). Ich starre minutenlang auf den Grundriss auf Seite 1. Das Haus hat zwei Etagen, eine Garage, Küche, Toiletten – alles wie es sein sollte. Hm, da in der Küche ist eine merkwürdige Wand, die mit den anderen Wänden einen toten Bereich bildet. Wäre da eine Tür, hätte man den Raum als Schrank verwenden können. Da hat der Architekt wahrscheinlich etwas geschlampt.

Im oberen Stockwerk ist das Schlafzimmer der Eltern und das Kinderzimmer. Aber irgendwas ist daran komisch. Ich kann es noch nicht so ganz in Worte fassen, aber die Anordnung der Zimmer erscheint mir doch ungewöhnlich. Wie Miss Marple sitze ich eingewickelt in meinen Bademantel, mit dem Buch in der Linken und meinem Denker-Kaffee in der Rechten und nehme Raum für Raum genau unter die Lupe.

Würdet ihr in das Haus einziehen, das hier als Grundriss abgebildet ist? (BildquelleHerausgeber: Pushkin Press) Würdet ihr in das Haus einziehen, das hier als Grundriss abgebildet ist? (Bildquelle/Herausgeber: Pushkin Press)

Damit ist die Prämisse des Buches eigentlich auch schon erklärt. Ein Experte für Okkultismus wird von einem Bekannten kontaktiert, der ihm genau diesen Grundriss zeigt. Gemeinsam tauchen sie ab in Theorien, knüpfen Verbindungen zwischen ungelösten Mordvorfällen und fensterlosen Räumen, ziehen die Schlinge enger um die Familie, die im Haus gelebt hat. Und ich bin bei jedem ihrer Schritte dabei, analysiere kleine Details in der Wohnung, spinne meine eigenen Theorien – und fühle mich dabei wie in einem Detektiv-Film.

Auch in seinem Erstlingswerk Hen Na E (Strange Pictures/Seltsame Bilder) arbeitet Uketus mit diesem Prinzip: Das Buch ist voll von merkwürdigen und teilweise verstörenden Bildern: Mysteriöse Zeichnungen einer werdenden Mutter, beunruhigende Kritzeleien eines kleinen Kindes und eine geheimnisvolle Abschieds-Zeichnung eines Ermordeten. Wie hängen sie alle zusammen? Welche Details schlummern in den Bildern? Komme ich schneller auf die Lösung des Falls, als das Buch sie mir verrät?

In Strange Pictures schaue ich mir die Bilder ganz genau an. (BildquelleHerausgeber: Pushkin Press) In Strange Pictures schaue ich mir die Bilder ganz genau an. (Bildquelle/Herausgeber: Pushkin Press)

Seichte Unterhaltungskost für einen Thriller-Abend

Erwartet von Uketsus Büchern keine literarischen Meisterwerke oder besonders verzwickte Kriminalfälle, deren Auflösung euch die Kinnlade runterfallen lässt. Sowohl Strange Pictures als auch Strange Houses erzählen eine Geschichte, die ein bisschen B-Movie-Flair hat, weil sie so an den Haaren herbeigezogen wirkt. Auch sprachlich sind die Bücher sehr einfach gehalten – so lassen sie sich aber an einem einzigen Abend super weglesen.

Trotz der eher mittelmäßigen Storys gehen mir die zwei Bücher nicht aus dem Kopf. Denn sie bieten mir ein ganzes Erlebnis. Ich fühle mich, als wäre ich in einem Film und Teil dieser Crew, die versucht, herauszufinden, wie all die kleinen, merkwürdigen Details ins große Puzzle passen.

Beide Bücher machen auch optisch ganz schön was her – hier in der englischen Variante. Beide Bücher machen auch optisch ganz schön was her – hier in der englischen Variante.

Ich lasse mir Zeit mit den Bildern, um meine eigenen Theorien aufzustellen, freue mich, wenn mir mal etwas auffällt, bevor der Hauptcharakter draufkommt. Und auch in meinem Wohnhaus fallen mir plötzlich Details auf, die mich stutzig machen ... ich beobachte meine Nachbarn ab jetzt gaaaanz genau und spinne das Kopfkino immer noch weiter, nachdem ich die Bücher schon längst zurück in mein Regal gestellt habe.

Wenn ihr auf ungewöhnliche Lese-Erlebnisse steht, dann könnte sich ein kleiner Ausflug in Uketsus Werke für euch lohnen. Strange Houses gibt es übrigens auch als Manga, ebenfalls auf Deutsch übersetzt. Sein drittes Buch Strange Buildings soll Anfang nächsten Jahres erscheinen. Ich halte schon meine Lupe bereit!

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