In einem 36 Jahre alten Sci-Fi-Klassiker von James Cameron wird Wasser »geatmet« – ich frage mich: Gibt es das wirklich?

Neulich habe ich Abyss zum ersten Mal gesehen und mich gefragt: Gibt es wirklich Wasser, in dem man atmen kann? Spoiler: Ja, gibt es, aber nicht für uns.

Ed Harris musste viele Szenen unter Wasser drehen, aber kam dabei auch solches zum Einsatz, das man einatmen kann? (Bild: 20th Century Fox) Ed Harris musste viele Szenen unter Wasser drehen, aber kam dabei auch solches zum Einsatz, das man einatmen kann? (Bild: 20th Century Fox)

James Cameron hat eine Faszination für Wasser und das kommt in vielen seiner Filme immer wieder durch. Zuletzt spielte das kühle Nass bei Avatar 2 eine große Rolle, beziehungsweise die CGI dahinter.

Ich habe vor ein paar Wochen einen wesentlich älteren Film des Regisseurs gesehen, bei dem Wasser eine zentrale Rolle spielt: Abyss.

Das passiert in Abyss: Ein U-Boot sinkt unter mysteriösen Umständen in der Tiefsee. Zivile Taucher einer Bohrinsel und NAVY-Seals kommen bei der Bergung einer fremden Lebensform auf die Spur, die in den Tiefen des Ozeans lebt.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist Film- und Serienliebhaber. Er begeistert sich auch für die Dinge, die hinter dem Vorhang passieren: Stunts, Computereffekte und Making-ofs.

Die Sache mit dem Wasserdruck

Wo Cameron für Avatar – Way of the Water auf viel CGI zurückgreifen konnte, musste er in Abyss glaubhaft herüberbringen, dass es eine Möglichkeit gibt, in der Tiefsee zu tauchen. Dort ist der Wasserdruck nämlich so hoch, dass Sauerstoffflaschen einfach zerquetscht würden – und die Menschen mit ihnen.

Der Film wurde Ende der 1980er gedreht, damals kamen Computereffekte, wenn überhaupt, nur vereinzelt zum Einsatz. Wenn Cameron also unter Wasser drehen wollte, musste er samt Equipment in die Fluten steigen – und das tat er. Der Regisseur ist bekannt für seine riskanten Drehs (etwa der für Titanic), aber bei Abyss gab sogar er zu, dass er seinen Darstellern viel abverlangt hat (via People).

Seine Lösung: Taucheranzüge gefüllt mit Wasser mit einem hohen Sauerstoffgehalt – und zwar so hoch, dass Menschen darin atmen können. Im Film heißt die Flüssigkeit »Sauerstoffhaltige Perfluorcarbon-Emulsion«. Vorgeführt wird diese an einer Ratte in einer bekannten Szene.

Disclaimer: Auf der Wikipedia-Seite zum Film heißt es, dass sechs Einstellungen mit Ratten gedreht wurden. Keines der Tiere kam dabei um, aber angenehm war es für die Ratten sicherlich nicht. Seid daher gewarnt, wenn ihr die Szene anschauen wollt.

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Natürlich dachte ich an einen Trick. Im Falle der Ratte oder auch im dritten Akt des Films, wenn Ed Harris einen Taucheranzug trägt, bin ich von einer doppelten Scheibe oder so etwas ausgegangen.

Weit gefehlt.

Sauerstoffhaltige Perfluorcarbon-Emulsion gibt es wirklich

Umso überraschter war ich, als ich erfuhr, dass es diese Art von Flüssigkeit wirklich gibt, wie unter anderem auf Filmschool Rejects zu lesen.

Hier die Kurzfassung: Die Ratten-Szene ist nicht gestellt, sondern wurde mit echter sauerstoffhaltiger Atemflüssigkeit durchgeführt. Ed Harris musste beim Abstieg in die Tiefsee jedoch so tun, als würde er durch seinen mit Wasser gefüllten Helm atmen. Das war wohl vor allem bei Unterwasseraufnahmen (von denen es viele gab) eine Herausforderung.

So funktioniert die sauerstoffhaltige Perfluorcarbon-Emulsion:

  • Es ist künstlich hergestellte Flüssigkeit, die eine sehr hohe Gaslöslichkeit besitzt.
  • Sauerstoff kann darin in hoher Konzentration gelöst werden.
  • Gleichzeitig kann Kohlendioxid aus dem Körper über die Lunge wieder an die Flüssigkeit abgegeben werden.

Geht es wirklich, in einer Flüssigkeit zu atmen?

  • Ja, kleine Tiere wie Mäuse oder Ratten können zumindest zeitweise in der Flüssigkeit atmen.
  • Am Menschen wurde es zwar auch getestet, aber das war extrem gefährlich. Atmen innerhalb der Flüssigkeit ist extrem belastend aufgrund ihrer hohen Dichte. Wie ein Artikel der New York Times berichtet, ist ein Proband daran fast gestorben.

Im letzten Teil des Films steigt der Charakter von Ed Harris in eine Tiefseeschlucht hinab, um einen atomaren Sprengkörper zu entschärfen. Hier kommt die (fiktive) Flüssigkeit zum Einsatz.

Für den Schauspieler war das eine extreme Belastung, denn er musste in einem mit rosa Wasser gefüllten Taucheranzug spielen – und bei den Aufnahmen jedes Mal lange die Luft anhalten.

Dabei wäre Ed Harris wohl fast ertrunken. Das berichtet Autor Matt Mueller auf seinem Blog, wo er über die Arbeiten hinter Abyss berichtet. Danach soll er James Cameron ins Gesicht geschlagen haben.

Wenn ihr noch mehr Infos zum spektakulären Dreh sehen wollt, lege ich euch dieses YouTube-Video ans Herz:

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Wenn ich mir einen alten Film aus der Zeit anschaue, bevor es flächendeckend CGI gab, frage ich mich immer, ob man sie auch heute noch so drehen würde. Klar, ich will nicht, dass jemand zu Schaden kommt – weder Ratten noch Menschen –, aber gerade bei The Abyss habe ich zusammen mit Ed Harris die Luft angehalten. Bei Avatar habe ich das nicht.

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