Wie bei jedem Star-Wars-Fan gibt es auch von mir zwei Seiten. Eine helle und eine dunkle. Die helle freut sich jedes Mal wie ein Jawa auf’m Schrottplatz, wenn eine neue Serie, ein neuer Film oder ein neues Spiel bevorsteht. Die dunkle rechnet mit dem Schlimmsten.
Bei The Acolyte war das anders. Bei The Acolyte wurde jeder finstere Gedanke an eine mögliche Bruchlandung nahezu vollständig von morbider Neugierde verdrängt. Denn The Acolyte macht eine Sache entschieden anders, als jede andere bisherige Serie auf Disney+ – The Acolyte spielt über ein Jahrhundert, bevor die von mir geliebten Filme von George Lucas überhaupt stattfanden.
Auf eine sehr angenehme Art reguliert das meine Erwartungshaltung. Denn wie schon damals bei Knights of the Old Republic habe ich fast schon eine Garantie, dass selbst absurde Handlungsverläufe nicht unbedingt das Star Wars ruinieren, für das ich mich so sehr begeistere.
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The Acolyte: Der neue Trailer zur Star-Wars-Serie zeigt einen Bösewicht wie aus einem Horrorfilm
Ob es nun diese ungewohnte Erwartungshaltung war oder doch was anderes: Die ersten vier Folgen von The Acolyte haben mich ausgesprochen gut unterhalten - obwohl sie objektiv nicht immer alles gut machen. Gefühlt habe ich mich trotzdem wieder wie ein Kind, da die Serie am Ende doch gar nicht so weit von dem weg liegt, was ich an Star Wars liebe.
Alle Fakten zur Serie auf einen Blick
- Release: 5. Juni 2024
- Anbieter: Disney+
- Showrunner: Leslye Headland
- Budget: 180 Millionen US-Dollar
- Cast: Amandla Stenberg, Lee Jung-jae, Manny Jacinto, Dafne Keen, Charlie Barnett, Jodie Turner-Smith, Rebecca Henderson, Dean-Charles Chapman, Joonas Suotamo, Carrie-Amme Moss, Michael Abels
Eine Präsenz, die ich schon lange nicht mehr gespürt habe
Seitdem Star Wars auf Disney+ präsent ist, scheint die Marschrichtung sehr klar. Disney vermeidet kontroverse Epochen wie die Pest und gibt den Fans lieber mehr von dem, nach dem sie fairerweise auch jahrelang geschrien haben. Alles rund um die Prequels und die Klonkriege rückt weitestgehend in den Hintergrund. Am ehesten tangiert diese Epoche noch The Bad Batch oder … die wirklich frustrierend verkorkste Obi-Wan-Serie.
Die Sequel-Ära wurde in den letzten Jahren ebenfalls weitestgehend ignoriert. Stattdessen stehen der galaktische Bürgerkrieg und seine unmittelbaren Folgen im Fokus der Aufmerksamkeit.
Da fühlt sich The Acolyte mit der bislang nur in Comics und Bücher präsenten Epoche der Hohen Republik direkt sehr viel frischer und mutiger an. Aber tatsächlich versprüht diese Epoche durchaus ein nicht völlig unbekanntes Flair, das mich vor allem an Episode 1 erinnert.
Und damit meine ich gar nicht CGI-Overkill oder Jar-Jar-Binks, der in Kot tritt. Ich meine die grundsätzliche Stimmung. Der Blick auf die Jedi, in ihrer Hochzeit. Die sich immer klarer abzeichnenden Schwächen, die den ganzen Orden auszeichnen, und eine mysteriöse Bedrohung im Hintergrund, die diese Schwäche zu nutzen gedenkt.
The Acolyte versetzt mich in meine Kindheit, als ich von den Prequels überrascht wurde. Als ich eine neue Seite der Galaxie zu sehen bekam und mehr über das lernte, von dem in den originalen Filmen nur noch ein Schatten existiert. Stellenweise wirkt The Acolyte wie eine nachhaltigere Version der Prequels, die ohne allzu kindlichen Humor und eben nicht größtenteils vor Greenscreens gedreht wurde.
Und das sage ich als jemand, der die Prequels trotz all ihrer Fehler in sein Herz geschlossen hat.
Was haben wir gesehen?
Hierbei handelt es sich um einen Ersteindruck, keine vollständige Kritik. Bislang konnten wir immerhin nur vier der insgesamt acht Folgen sehen. Bis wir ein finales Urteil fällen, müssen wir also noch ein wenig abwarten. Die ersten beiden Folgen werden am 5. Juni in Deutschland gezeigt, danach folgt jede Woche eine neue Folge.
Wo The Acolyte wirklich glänzt
Ich fühle mich also grundsätzlich sofort in diesem Universum daheim. Es werden Erinnerungen wach, an meinen ersten Kontakt mit der Galaxie vor dem Imperium und durchaus auch an Knights of the Old Republic. Diese Version von Star Wars hat mir einfach gefehlt.
Nur weiß ich, dass das auch eine sehr subjektive Angelegenheit sein kann. Weniger subjektiv sind andere Stärken der Serie. Denn unabhängig von seinem Setting bietet Disney hier noch mehr, um mein Interesse in ungeteilte Aufmerksamkeit umzuwandeln.
Allen voran sind das die überraschend seltenen Action-Einlagen. Zumindest in den ersten vier Folgen wird mehr geredet als geprügelt - aber wenn mal die Fäuste fliegen, dann knallt es! Und ja, ich meine das mit Fäusten ernst. Lichtschwerter kommen zwar vor, doch häufiger prügeln sich die Jedi-Ritter in The Acolyte bislang mit ihrer Widersacherin (Amandla Sternberg), die offenbar Jagd auf die Diener der Hellen Seite macht.
Das hat dann waschechte Martial-Arts-Konflikte zur Folge, die unheimlich gut choreografiert und gedreht wurden. Selbst wenn mal die Macht dabei ins Spiel kommt und Leute akrobatisch durch die Luft fliegen oder ihre Gegner fliegen lassen, reißt mich das zu keinem Moment aus dem Geschehen. Alles wirkt wunderbar organisch und bleibt stets nachvollziehbar.
Die zweite große Stärke von The Acolyte sind seine Charaktere und die Geheimnisse, die sie umgeben. Als Murder Mystery würde ich die Serie nicht bezeichnen, auch wenn der Begriff im Vorfeld gerne verwendet wurde. Aber wer herumrennt und Jedi tötet, ist von Anfang an sehr klar.
Viel spannender ist die Frage, was ihre Motivation ist, wer in Wahrheit die Fäden zieht und wieso gerade Charaktere wie Jedi-Meister Sol (Lee Jung-jae) die ganze Zeit so unheimlich unehrlich wirken.
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The Acolyte: Die neue Star-Wars-Serie stellt den Jedi-Meister Sol im Video vor
Es wird auch mal gestolpert
Natürlich weiß ich noch nicht, wohin das alles führt und ob es auf die vielen Fragen befriedigende Antworten gibt. Bislang habe ich aber noch keinen Gedanken daran verschwendet, mittendrin aufzuhören. Dabei macht The Acolyte auch nicht alles richtig.
The Acolyte ist kein Andor, das für mich zumindest der Maßstab ist, an dem ich Star-Wars-Serie gerne messe. Gerade, da Andor vor allem die Fans abholt, die mittlerweile eben schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel haben.
The Acolyte steigt nie so tief in die Materie ein, feuert keine so tollen Dialoge ab, zeigt keine derart guten schauspielerischen Leistungen. Aber bislang rutscht die Serie zumindest auch nicht Richtung absoluten Klamauk oder gar derart dilettantisch zusammengeschnittene Quatschgeschichten ab, wie es bei Star Wars unter Disney ebenfalls oft vorkommt. Ich sage nur Vespa-Gangster.
Hier und da merkt man dann aber eben doch, dass das Niveau nicht die höchsten Höhen der filmischen Qualität erreicht. Einige Charaktere verhalten sich in gewissen Situationen nervtötend stupide und noch fehlt mir zu vielen der ebenfalls anwesenden Jedi ein richtiger Zugang.
Überhaupt nicht zündet bei mir bislang der Humor. Einige Szenen scheinen in den Köpfen der Autorinnen und Autoren viel lustiger geklungen zu haben, als sie es tatsächlich sind. Mir wurde bislang kaum mal ein leichtes Zucken der Mundwinkel entlockt.
Für wen sich The Acolyte lohnen könnte
Wenn ihr bislang für keine Star-Wars-Serie bis auf Andor eine Begeisterung verspüren konntet, dann wird euch höchstwahrscheinlich auch The Acolyte nicht umhauen. Dafür ist die Serie in kaum einer Kategorie herausragend - mit den wirklich fantastischen Nahkämpfen als ganz große Ausnahme.
Nur sind diese Gefechte bislang eben auch recht selten. Auch solltet ihr die Serie nicht schauen, wenn ihr wirklich einen Star-Wars-Krimi erwartet. Das liefert The Acolyte bislang schlichtweg nicht ab.
Wenn ihr aber grundsätzlich Bock auf eine völlig neue Epoche habt und euch mal wieder in eine Version der Galaxie begeben wollt, in der Jedi noch verbreitet waren und trotzdem nicht perfekt, dann müsst ihr The Acolyte auf jeden Fall sehen.
Ob es sich auch für das Geheimnis rund um den mysteriösen Widersacher und seines Akolythen lohnt, dazu kann ich aber erst Auskunft geben, wenn auch der Abspann der letzten Folge über meinen Fernseher flimmert.
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