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Seite 2: The Game Awards 2014 - Mehr Werbeshow als Preisverleihung

Trailer statt Reflexion

Die Game Awards sind symptomatisch dafür, wie wir über Spiele denken und sprechen. Spiele sind Business, Spiele sind das nächste große Ding, sie sind irgendwie Kultur, aber nur, so lange sie Geld und Jobs bringen. Sie sind so lange wichtig, bis sie tatsächlich erscheinen, irgendjemandem viel Geld einbringen oder floppen und vielen Menschen den Job kosten. Es sei denn, sie sind League of Legends. Darüber zu sprechen, warum Dragon Age: Inquisition so viel Liebe für seine Charaktere bekommt, warum NaDeSHoT Massen begeistert oder wie Valiant Hearts die Welt verändern sollte, und ob das gelungen ist, dafür bleibt kein Platz. Oder zumindest: Dafür bleibt lediglich zwischen zwei Trailern Platz.

Mit 65Daysofstatic haben sich Hello Games eine Indie-Band für den Soundtrack zu No Man's Sky besorgt. Mit 65Daysofstatic haben sich Hello Games eine Indie-Band für den Soundtrack zu No Man's Sky besorgt.

Umso absurder ist, dass weder ein geldgeiler Keighley noch ein strunzdoofer Männersender diesen Rhythmus diktieren. Es sind Entwickler selbst! Von Keighley bekamen sie so viel Bühnenzeit, wie sie für Dankesreden brauchen und die Freiheit, absolut alles zu sagen, was sie wollen. Und in den meisten Fällen ist das eben: »Danke, liebe Fans, hier ist unser neuer Trailer.« Man stelle sich vor, Alfonso Cuarón hätte nach der der Entgegennahme seines Regie-Oscars (für »Gravity«) gleich mal einen Trailer zu seiner neuen Fernsehserie »Believe« gezeigt - absurd!

Im Gespräch mit einem Entwickler, der auf der Show eine #worldpremiere gezeigt hat, fällt einen Tag später der Satz: »Das war ein schöner Abend, es hat sich gar nicht nach Werbung angefühlt.« Doch! Hat es! Bereits vor der Show haben wir Keighley im Interview gefragt, ob er die Award-Show neu ausrichten wolle. Er gab keine Antwort, und das ist nicht verwunderlich: Es gab keine Neuausrichtung. Auch der Grund dafür ist nachvollziehbar: Das System funktioniert. Reflexion und Rückschau, gefühlvolle Designer, die beim Gedanken an die stressige Entwicklungszeit in Tränen ausbrechen und ihren Familien danken - das bringt doch keinen Hype, weder für AAA-Entwickler, deren explodierende Budgets nur noch massive Hits zulassen, noch für Indies, die um jedes bisschen Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

Neues Spiel ganz groß, Entwickler ganz klein: Hideo Kojima und Metal Gear Solid 5. Neues Spiel ganz groß, Entwickler ganz klein: Hideo Kojima und Metal Gear Solid 5.

Genau dafür wurde diese Award Show geschaffen: Um Presse und Fans ein weiteres Event zu geben, aus dem sich im traditionell eher ruhigen Dezember wieder Hype, News und Trailer-Artikel schaffen lassen. Und klar, warum nicht? Jeder profitiert davon, Journalisten, Publisher, Entwickler, Geoff Keighley, Imagine Dragons und Kiefer Sutherland. Nur eine echte Auszeichnung ist es nicht, sondern Teil der Tretmühle.

Der Williams-Lichtblick

Ein Lichtblick: Der »Industry Icon Award«, die Auszeichnung fürs Lebenswerk, ging an Ken und Roberta Williams, die Gründer von Sierra On-Line und die Entwickler, die wie kaum ein anderer das Geschichtenerzählen in Spielen geprägt haben. In einem überraschend langen, überraschend bewegenden Video werden die Leistungen des Ehepaars gewürdigt. Roberta Williams überreicht den Hut des King's Quest-Helden Graham an zwei Mitarbeiter des Studios Odd Gentlemen, das gemeinsam mit Activision ein neues King's Quest entwickelt.

Koji Kondo eröffnet den Abend mit der Mario-Titelmelodie vor einer scrollenden Welt 1-1. Koji Kondo eröffnet den Abend mit der Mario-Titelmelodie vor einer scrollenden Welt 1-1.

Ein Brückenschlag zwischen den Generationen und ein schöner Moment, der einfach echt wirkt-und zugleich völlig deplatziert in einer großen Trailershow. »Ich wertschätze das wirklich sehr«, sagt Roberta Williams in das Mikro, das viel zu hoch eingestellt ist und ihr ganzes Gesicht verdeckt. »Und wir schätzen dich!«, brüllt es irgendwo aus dem Publikum.

Wir brauchen mehr davon. Mehr solcher Momente, mehr Gespräche darüber, wie Entwickler Spiele und Kultur prägen. Mehr Reflexion, mehr Rückblick, mehr Gefühl. Und vielleicht, wirklich nur vielleicht, eventuell, möglicherweise, und natürlich nur wenn Geoff Keighley, die Publisher, Imagine Dragons und Kiefer Sutherland mitspielen: ein bisschen weniger Trailer nächstes Jahr.

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